Sei es das Treffen der ersten großen Liebe, schlimmer Unsinn unter Alkoholeinfluss oder das hart verdiente Geld durch den Ferienjob in der Bratwurstbude: Es gibt wohl kaum einen aus Kronach und Umgebung, der vom Freischießen nicht seine ganz persönliche Erinnerung, sein amüsantes Schmankerl erzählen kann. Das vom 9. bis 19. August 2018 bereits zum 430. Mal stattfindende große Fest auf der Hofwiese ist für die meisten Frankenwälder im August einfach ein Stück ihrer Heimat.

Möglich macht dies die Schützengesellschaft Kronach, die das Fest Jahr für Jahr ehrenamtlich organisiert - und dafür jetzt vom Freistaat Bayern gewürdigt wird. Am Montag, 16. Juli, fährt eine 20 Köpfe umfassende Delegation des 670 Mitglieder starken Vereins nach Bayreuth, wo Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) im Markgräflichen Opernhaus im Rahmen des Festakts "Heimat Bayern" den "Heimatpreis Oberfranken" überreicht.

Neben dem Kronacher Freischießen werden auch das Annafest Forchheim, der Schlappentag Hof, die Lichterprozession in Pottenstein, die Lindenkirchweih Limmersdorf und das Brunnenfest Wunsiedel geehrt.


Auszeichnung "völlig zu Recht"

"Heimat ist mehr als nur ein Ort. Es ist eine Lebensart, die in den Herzen der Menschen verankert ist. Zum bayerischen Heimatgefühl gehört es, Weltoffenheit, Fortschritt und Traditionsliebe miteinander zu verbinden. Mit dem Heimatpreis werden Menschen ausgezeichnet, die zu dieser besonderen Lebensart beitragen", schreibt die Pressestelle des Finanz- und Heimatministeriums in ihrer Einladung.

Und Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) kommentiert: "Die Schützengesellschaft erhält die Auszeichnung völlig zu Recht. Sie ist ein Vorzeigeverein und es ist sensationell, wie sie dieses Fest über Jahrhunderte aufgebaut hat."

Und Beiergrößlein kennt das Fest wie kaum ein Zweiter. Dass er an den Abenden öfter bei Heidi's Bar anzutreffen ist, ist kein Geheimnis. Doch seine Freischießen-Anekdoten reichen noch viel weiter zurück. In den 1960er Jahren lebte er in der Bienenstraße und konnte als kleiner Junge beobachten, wie die Schaustellerwagen damals noch mit dem Zug am nahen Bahnhof ankamen. "Dann wurden sie über ein Abstellgleis bis zu einer Rampe an der Nordbrücke gebracht und von dort ging es mit einer Zugmaschine weiter."


Ein paar Mark dazu verdient

Beiergrößlein erinnert sich: "Wir waren als Jungs in den Ferien jeden Tag dort und haben uns manchmal auch durchs Mithelfen ein paar Mark verdient. Und nach dem Fest grasten wir den Platz ab, da lagen auch ein paar Münzen herum", erzählt der Bürgermeister, der heute mit seiner Verwaltung für die Genehmigung des größten Fests der Region verantwortlich ist.

"Nach dem Freischießen ist vor dem Freischießen", sagt er über die vielen Stunden, die seine Mitarbeiter beschäftigt sind. "Der Bescheid ist 1,5 Zentimeter dick", berichtet Beiergrößlein, der selbst Mitglied der Schützen und am Montag auch in Bayreuth vor Ort ist.

Zunächst gibt es eine Festrede des Ministers, danach folgt die Preisverleihung. Im Anschluss sprechen Gudrun Brendel-Fischer (CSU), Ehrenamtsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Sternekoch Alexander Herrmann, Schauspieler Andreas Leopold Schadt (unter anderem "Franken-Tatort") und der Kronacher Samuel Rauch, Leiter des Jugendtreffs "Struwwelpeter" und Popularmusikbeauftragter für Oberfranken, über "Heimat" in Bayern.


Rückenwind in schwerer Zeit

Frank Jungkunz, seit 2013 Vorsitzender der Kronacher Schützengesellschaft, sieht die Auszeichnung auch als Rückenwind in einer schweren Zeit an. Denn aufgrund einer anhängigen Klage eines Anwohners am Verwaltungsgericht Bayreuth ist auch 30 Tage vor dem Bieranstich noch immer nicht klar, ob das Fest mit den von den Schützen gewünschten Öffnungszeiten abläuft.

Streitfall sind die XXL-Nächte an den Wochenenden und vor Mariä Himmelfahrt. Jungkunz: "Wir sehen die Auszeichnung als Anerkennung unserer ehrenamtlichen Arbeit. Es könnte auch sein, dass die Politik ein Signal gegen die Klage setzen will."


Das Freischießen - Wegmarken einer langen Historie


1444 wurden die Kronacher Schützen in der ältesten erhaltenen Stadtrechnung erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehören damit zu den ältesten Gesellschaften Deutschlands.

1588 fand das erste Freischießen statt. Die sonntäglichenc Schießübungen der Bürger waren notwendig, um die Verteidigung der Stadt zu sichern.

1778 Ab diesem Jahr wollte die Schützenkompanie das Schießen alljährlich veranstalten. Der Rat bewilligte das Fest am 18. September dieses Jahres. Außerdem erlaubte er dem besten Schützen, ein Gebräu (Sudpfanne) Bier herzustellen.

1910 wurden feste Bierhütten eingerichtet. 1934 wurde das neue Schützenhaus eingeweiht.

1948 fand das erste Fest nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Schießbetrieb war aber noch nicht erlaubt. Erst ab 1950 wurden die 1945 zerstörten Schießstände wieder aufgebaut, ab 1951 wurde wieder mit dem Luftgewehr scharf gezielt.