Wenn Mirco Iuliano seine Gedanken in die Zukunft schweifen lässt, hat er ein klares Bild vor Augen. Es zaubert ihm ein Lächeln auf die Lippen. An den Tischen in seinem Club sitzen Menschen gemütlich beisammen, trinken genüsslich einen guten Tropfen Wein und vertiefen sich in Gespräche. Sie bringen leben in die Stadt. Und sie könnten unwissentlich einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Leben an sich in Kronach zu verändern.

Iuliano steht kurz vor der Eröffnung seines Clubs, der Mitgliedern "Auf der Schütt" rund um die Uhr ermöglicht, sich in der Oberen Stadt zu treffen. Mit Schlüsselkarte geht es hinein. Die edlen Getränke sind in 110 Schließfächern im historischen Kellergewölbe untergebracht. Es ist ein "neues, gewagtes Konzept", stellt der Gastronom fest.

Er ist damit ins Risiko gegangen. Die Umsetzung hat viel Zeit, Geld und Arbeitskraft erfordert (der FT berichtete). Die hervorragende Resonanz zeigt jedoch, dass Querdenker wie er Kronach bereichern können. "Die Leute sind offen für Neues", ist er überzeugt. "Nur diese Einstellung kann eine Stadt moderner werden lassen."

Kronach hat noch Nachholbedarf

Ohne es geahnt zu haben, könnte Iuliano also einer der Vorreiter werden, wenn es darum geht, Kronachs Nachtleben attraktiver zu machen. Genau dieses Ziel verfolgen die Verantwortlichen des Lucas-Cranach-Campus' (LCC) von Anfang an. Um viele Studenten anzulocken, braucht es nicht nur gute Lernbedingungen, sondern auch eine größere Bandbreite an einladenden Freizeit- und Ausgehmöglichkeiten. Diesen Anspruch offenbarten schon ein offener Brief und Gespräche mit Studentenvertretern der Hochschule Coburg vor einigen Monaten.

Genau bei der gastronomischen Vielfalt herrscht in Kronach aber noch Nachholbedarf. Der Vorsitzende des LCC-Kommunalunternehmens, Jürgen Baumgärtner, ist sich dessen bewusst.

"Seit der Ankündigung, dass Kronach Hochschulstandort wird, wurde schon viel bewegt. Das dürfte selbst großen Kritikern auffallen", stellt er fest. Bei ihrem Wirken hätten die Verantwortlichen auch stets den Bereich der Gastronomie im Blick. An einer hohen Qualität scheitere es in diesem Sektor in der Cranach-Stadt nicht, bei der Vielfalt könnte Kronach hingegen noch eine Schippe drauflegen, meint Baumgärtner.

Erste Schritte, auch von privater Seite aus, seien bereits zu erkennen. Das zeige unter anderem Iulianos aufwendiges Projekt. Neben Interessenten für (mitunter ungewöhnliche) Einzelvorhaben haben laut Baumgärtner inzwischen sogar Ketten und die Franchise-Systemgastronomie angeklopft. "Angebot erzeugt Angebot erzeugt Nachfrage - davon bin ich überzeugt", spricht er eine Aufwärtsspirale an, die so langsam Fahrt aufzunehmen scheint.

Ins Detail gehen könne er zurzeit noch nicht, da gerade "erste Schritte" getan würden. Ebenso wenig mag Baumgärtner Gerüchte bestätigen oder dementieren. Davon sind in Kronach mittlerweile eine ganze Reihe zu hören. Und einige der Aussagen stammen aus durchaus glaubwürdigen Quellen. Demnach ist das Interesse für ein mexikanisches Restaurant in der Oberen Stadt anscheinend ebenso verbrieft wie die Eröffnung einer neuen Bar. Gemunkelt wird auch über verschiedene Anfragen für Vorhaben aus der der Musikgastronomie.

Ein Dreh- und Angelpunkt in der Belebung der Kronacher Szene könnte der Bereich am Hussitenplatz werden. Wie zu erfahren ist, sollen Abriss- und Umbauarbeiten für ein schöneres Ambiente angedacht sein. Der LCC hat das Gelände gekauft. Das ehemalige Autohaus Endres wird abgerissen, genauso wie die alten Garagen.

In die Planungen miteingebunden und maßgeblich am Wandel des Kühnlenzhofs beteiligt ist Thomas Kießling, Betreiber des Crown Royal. "Der komplette Platz wird hergerichtet und viel offener", freut sich der erfahrene Gastronom. Seine Spielothek, die gleichzeitig Bar und Café ist, bekommt von außen ebenfalls einen neuen Anstrich.

Ein Club für Jung und Alt

Im Kühnlenzhof 4 soll ein weiteres Café einziehen - direkt im Einzugsgebiet der Studenten, für die auf dem Gelände ein Wohngebäude mit 250 Einheiten gebaut wird. Die markanteste Neuerung wird jedoch der Club sein, der über dem Crown Royal entsteht. "Das wird eine Art kleines Eventcenter, das über eine Außentreppe erreichbar sein wird", erklärt Kießling seine Pläne. Bereits in der Vergangenheit hat die Gastronomen-Familie dort gelegentlich Ü-30-Partys veranstaltet. Künftig sollen Livemusik-Events und Partys für Jung und Alt stattfinden - die Organisation übernimmt Kießlings Tochter.

Was ihm dabei wichtig ist: "Das wird nicht nur ein Angebot für Studenten, sondern für alle Kronacher." Auch Tanztees für die ältere Generation wären in dem neuen Eventcenter mit Tanzfläche vorstellbar. Ziel sei es, dass die Gäste der jeweiligen Veranstaltung altersmäßig unter sich blieben. "Wir wollen bei den verschiedenen Partys auf die Altersstruktur achten, um jeder Generation gerecht zu werden."

Alleine für die Umbauten an dem markanten Backsteingebäude rechnet Kießling mit Kosten in Höhe von 300 000 Euro - ein finanzieller Kraftakt, der ohne Unterstützung des LCC nicht zu stemmen wäre. "Die wollen hier wirklich was bewegen."

Eine Innenstadt, die sowohl tagsüber als auch in der Nacht vor Leben pulsiert und Lust darauf macht, rauszugehen und etwas zu erleben. Kießling glaubt an diese Vision, die sich am dunklen Kronacher Nachthimmel abzeichnet und appelliert an die Kronacher, die gastronomischen Angebote zu nutzen und somit zu unterstützen. "Wenn wir alle zusammenarbeiten, kann hier wirklich ein hübsches Fleckchen entstehen."

Das glaubt auch Mirco Iuliano und hofft, dass noch mehr Gastronomen die Vielfalt in Kronachs Nachtleben steigern werden. Nicht zuletzt die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben in ihm das Gefühl geweckt, dass "die Leute vielleicht wieder etwas geselliger und offener" geworden sind. "Vielleicht trauen sich dadurch auch andere, mal um die Ecke zu denken." Wenn nicht jetzt, wann dann?