Unweit vom Landkreis Kronach treibt die Seuche ihr Unwesen. Doch hat sie es nicht auf Menschen abgesehen, sondern auf ihr Federvieh. Seit die für Menschen ungefährliche, für Vögel aber tödliche Grippe in Thüringen ausgebrochen ist, sind die Geflügelhalter im Nachbarbundesland auf Habachtstellung. Wie groß ist die Gefahr, dass das tödliche Virus in den Landkreis Kronach überschwappt?

Das Risiko ist immer da. Das wissen nur wenige so genau wie Klaus Ruppert, seines Zeichens Kreisverbandsvorsitzender des Verbands der Rassegeflügelzüchter und Kassierer des Bezirksverbands Oberfranken. Ein Grund für Panik bestehe in Kronach jedoch nicht. "Wir sind hier weit weg von größeren Gewässern und auch die Zugvogelrouten führen nicht durch unseren Landkreis", erklärt der Preisrichter für Tauben. "Aber natürlich haben wir Angst um unsere Mitglieder, sollte bei uns der Fall eintreten."

Wasservögel tragen laut dem Experten den Erreger von Natur aus in sich. Von Menschen gehaltene Hühnern oder Puten sind weniger widerstandsfähig und verenden in der Regel an dem Virus. Anders als bei wirtschaftlichen Geflügelzuchten, die von der Tierseuchenkasse entschädigt würden, müssen Hobbyzüchter im Seuchenfall mit dem Verlust ihrer Tiere leben.

Neben dem materiellen spielt vor allem der ideelle Wert eine Rolle. "Eine Zucht, die man sich über Jahre aufgebaut hat, die Arbeit von mehreren Jahren, würde auf einen Schlag zunichte gemacht werden." Nachwuchs für die Geflügelzucht zu finden sei ohnehin schwierig. Sollte die Vogelgrippe auch hier ausbrechen, so ist sich Klaus Ruppert sicher, würden sogar einige Züchter aus dem "harten Kern" die Zucht einstellen.

Denn das Landratsamt Kronach müsste im Seuchenfall Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, wie es bereits bei einem Verdachtsfall vor drei Jahren geschehen ist. Alle Halter im Kreisgebiet mussten ihr Geflügel im Stall halten oder durch bauliche Veränderungen sicherstellen, dass die Tiere nicht in Kontakt zu Wildvögeln kommen. Ein Aufwand, der sich für Halter mit lediglich ein paar Tieren oft nicht rentiert.

Nachdem sich der Verdachtsfall in Kronach damals nicht bestätigt hat, wurde die Allgemeinverfügung ein paar Monate später wieder aufgehoben. Es kann jedoch auch anders laufen: In Gebieten nahe an Gewässern, beispielsweise am Bodensee oder Nord- und Ostsee, besteht seit Jahren die sogenannte Aufstallpflicht. Zu hoch ist das Risiko, dass das Virus auf zu privaten oder wirtschaftlichen Zwecken gehaltenes Geflügel übergreift.

Infektionen treten immer wieder auf: Seit dem 1. Oktober 2020 wurden fast 500 Fälle bei Wildvögeln und rund drei Dutzend bei Hausgeflügel in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Sachsen gemeldet.

Was das Corona-Virus für den Menschen, ist die Geflügelgrippe für das Federvieh - wenn nicht sogar schlimmer. "Die Virusinfektion verläuft fast immer tödlich und ist hoch infektiös", berichtet Verena Mayer vom Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz. Auf besagtem Hof im Landreis Nordhausen sind Anfang des Jahres alle 50 Hühner und drei Enten auf einen Schlag verendet.

Wie die Geflügelgrippe in die Herde gelangt ist, ließe sich im Nachhinein schwer zurückverfolgen. Bereits ein Futterlieferant könne unter Umständen genügen, das Virus einzuschleppen, wenn er zuvor einen Betrieb mit infiziertem Geflügel beliefert hat. Seitdem in fast allen thüringer Landkreisen strikte Sicherheitsvorkehrungen. Sollte es keine weiteren Fälle geben, könne die Aufstallungspflicht in ein paar Wochen jedoch wieder aufgehoben werden.

Das Tückische: "Man merkt bei Hühnern oder Puten nicht, dass sie infiziert sind, bis sie plötzlich einfach umkippen", schildert Klaus Ruppert. Passiert das, ist es bereits zu spät und die ganze Herde müsste gekeult werden. Auch in Kronach ist Vorsicht geboten: Spaziergänger, die einen verendeten Wildvogel entdecken, sollten sich nicht scheuen, das Veterinäramt über ihren Fund zu informieren. "Auf keinen Fall sollte man das Tier anfassen oder den Hund schnuppern lassen", rät auch Verena Meyer auf thüringer Seite.

In der momentanen Situation ist die Vogelgrippe so unnötig wie ein Kropf. Die einzigen, die diesen mit Stolz tragen dürfen, sind die Tauben von Klaus Ruppert: Aachener Bandkröpfer.