Als in den 1980er Jahren Wanderschäfer entlang der Fränkischen Linie ihre Arbeit einstellten, verbuschten viele Flächen in kürzester Zeit. Der Landschaftspflegeverband Frankenwald für den Landkreis Kronach setzt jetzt unter anderem auf die Beweidung durch Schafe und Ziegen. Die Vierbeiner fressen sich quasi durchs Gebüsch und sorgen so für offene, freie Kalkmagerrasen- und Muschelkalkflächen. Geschützt werden sollen dadurch wertvolle und seltene Arten wie der Deutsche Enzian, die Mücken-Händelwurz, eine Orchidee oder die Rotflügelige Schnarrschrecke.

Positive Effekte

Der Blick über den Steilhang am Wanderweg der Fränkischen Linie oberhalb von Fischbach ist atemberaubend. Und genau hier grasen seit einigen Wochen die 14 Ziegen von Johannes Welscher aus Mostrach. Auf einer Fläche von rund 7000 Quadratmetern freuen sie sich ihres Lebens, denn sie tun einfach das, was sie am besten können: fressen und klettern.

"Das hier gefällt ihnen", ist sich der junge Landwirt sicher. "Sie mögen steile Hänge, und Büsche gibt es hier genug. Das ist und bleibt nun mal die ursprünglichste aller Haltungsformen von Ziegen." Und mit einem Blick auf den Litze-Zaun, der seine Tiere drinnen und übereifrige Wanderer draußen hält: "Der Aufbau war schon eine Viecherei. Aber das ganze Projekt hat wirklich positive Effekte, vor allem in der Öffentlichkeit."

Unklar dagegen sei noch, wie lange die Tiere in Fischbach ihre "Ferienfreizeit" verbringen, denn im Winter müssten sie auf jeden Fall wieder heim nach Mostrach, so Johannes Welscher.

Dietrich Förster vom Landschaftspflegeverband freut sich nicht nur über den malerischen Anblick, sondern auch darüber, dass solche Maßnahmen in der Regel über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm gefördert werden können. Über ein "Projekt mit vielen Gewinnern" sprach die Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann. "Durch diese Maßnahmen können wir Magerrasen und Muschelkalk pflegen, die Artenvielfalt schützen und gleichzeitig eine Erholungsregion erhalten."

"Das war ursprünglich a saublöda Schnapsidee." Nebenerwerbs-Landwirt Johannes Geigerhilk meint dabei nicht seine Schaf- und Ziegenbeweidung am Kreuzberg bei Friesen, sondern die Anschaffung der Tiere überhaupt. "Ist halt ein Hobby", zuckt er mit den Schultern und blickt liebevoll auf seine Herde. Er setzt seine 52 Schafe und die sechs Ziegen aber nicht nur für die Landschaftspflege ein, sondern verkauft vor allem das Fleisch über die Direktvermarktung. Auf die Frage, warum hier eine "gemischte Herde" ihr Werk verrichtet, meint er: "Ziegen fressen eher Büsche, Schafe das Gras. Aber die Chefs sind eindeutig die Ziegen."

Mit gemischten Gefühlen sieht der stellvertretende Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands, Erwin Schwarz, das Ganze. "Klar bin ich für den Erhalt dieser Flächen, aber diese Art der Bewirtschaftung hat nicht nur Vorteile. Es wachsen nämlich dadurch auch giftige Pflanzen wie die Herbstzeitlose, die viel Schaden anrichten kann."

Am Weinberg bei Friesen grasen die Schafe und Ziegen von Silke und Falko Schnabel. Auch sie haben keine andere Aufgabe, als der Verbuschung entgegenzutreten. "Trotzdem muss man sich überlegen, ob diese Maßnahme allein ausreicht", gibt Erwin Schwarz zu bedenken.

Im Jahr 2018 förderte der Landschaftspflegeverband bis jetzt eine Fläche von etwa 26 Hektar mit einer Summe von 26 000 Euro. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Gemeinden Kronach, Marktrodach, Küps, Weißenbrunn, Mitwitz, Ludwigsstadt und Teuschnitz.