Sie sind ganz leicht zu erkennen. Wenn der Betrachter vor einem Gartenzaun steht und in Richtung des Hauses blickt. Dazwischen, wo man mit Grün, Braun und Bunt rechnet ist fast alles: grau. In diesem Moment weiß der Betrachter, dass er vor einem Schottergarten und damit nicht nur für Naturschützer vor hausgemachten Problemen steht. Der versiegelte, dunkle Boden heizt sich auf, lässt kein Wasser ab, staut es sogar. Für Insekten, Vögel und andere Gartenbewohner ist es totes Land.

Stein- ist kein Schottergarten

So viele Argumente sprechen gegen den Schottergarten, der nicht mit einem traditionellen Stein-, Kies- oder beispielsweise dem japanischen "Zen-Garten" verwechselt werden darf. Dort werden ökologisch wertvolle Pflanzen auf kargen Böden kultiviert. Was spricht also für das Extrem - außer die gestalterische Freiheit im Garten? Gibt es diese Freiheit überhaupt?

In Baden-Württemberg seit Kurzem nicht mehr, heißt es in einigen Medienberichten. Doch das ist nicht ganz richtig. Tatsächlich, das hat die Facebookseite "Gärten des Grauens" bereits am 30. Oktober 2018 veröffentlicht, gibt es in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und - tatsächlich - 13 anderen Bundesländern, also allen, Gesetze gegen Schottergärten.

Hätte man doch nur genauer gelesen. Oder ist es an der Umsetzung gescheitert? Die Geröllwüsten in deutschen Städten, aber auch auf dem Land, die sich als Gartenanlage ausgeben, aber eher naturfeindlich wirken, sind schon lange verboten - auch in Bayern. Nur am Durchsetzen des Gesetzes mangelte es bisher.

Im Artikel 7 der Bayerischen Bauordnung heißt es, dass derartige unüberdachte Grundstücksteile - also Gärten - "wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen" sind, "soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen."

Wenn ein Bebauungsplan oder andere Satzungen nicht dem ersten Teil des Artikel widersprechen... Ist also der Bebauungsplan der Grund, warum Schottergärten existieren?

Für den Befürworter eines Verbots klingt die Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr bizarr: Durch den Zusatz im Artikel 7 gebe es also auch in dieser Hinsicht kein landesweites Verbot von Steingärten, heißt es aus dem Bauministerium. "Die Kontrolle ist eine Aufgabe der Unteren Bauaufsichtsbehörde, also der zuständigen Landratsämter, ebenso die Fragen, in welchem Umfang diese vor Ort wahrgenommen wird." Das sei auch nachvollziehbar, heißt es weiter, da die Regelungen durch die Ausnahmen in jedem Landkreis anders sein können.

Ein Gesetz, dass sich selbst im Weg steht. In Baden-Württemberg will sich die Regierung mit dem neuen Gesetzesentwurf eindeutig gegen Schottergärten positionieren.

Der Bayerische Landtag packt das Problem nun an, antwortet das Bauministerium auf eine weitere Anfrage des FT. Die Bayerische Bauordnung wird aufgefrischt und damit "sollen Städte und Gemeinden (...) die Möglichkeit bekommen, aus Gründen der Ortsgestaltung die Anlage von sogenannten Steingärten verhindern zu können." In etwa so, wie es jetzt bereits ist. "Ein landesweites Verbot ist nicht geplant."

Liegt es an der Erziehung?

Wer Beate Singhartinger fragt, erhält eine dritte Meinung. Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Kronach argumentiert: "Ein Verbot macht nur Sinn, wenn jemand da ist und Zeit hat, dies zu überprüfen." Sie hält mehr davon, die Gartenbesitzer davon zu überzeugen, dass Schottergärten keine gute Wahl sind. Sie zählt auf: Keine Vielfalt an Lebensräumen und Arten. Schlecht fürs Kleinklima. Langfristig pflegeintensiv. Herstellungsaufwand und Abbruchkosten. Am Ende ein entscheidender Satz: "An sich ist es doch absurd, dass man fruchtbaren Boden künstlich unfruchtbar macht."

Doch woher kommt diese Absurdität in den modernen Gärten und Gartenwüsten? Sie spricht von der Vermittlung, die Aufgabe der Familien, Schulen, aber auch der Kommunen sei. Die einen lehren die Natur zu lieben, die anderen sollen im öffentlichen Raum mit gutem Beispiel voran gehen. Der Schottergarten, fasst sie zusammen, sei das Ergebnis einer Entfremdung von der Natur. Der Kreisverband für Gartenbau hat deshalb auch die Naturgarten-Zertifizierung ins Leben gerufen.

Den anderen Weg haben die Städte Würzburg und Erlangen vorgemacht: ein klares Verbot. Auch der Landesbund für Vogelschutz fordert mit dem Grünordnungsplan die kommunale Lösung. Der soll jedem Bebauungsplan angefügt werden und graue Gartenwüsten verbieten.

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Lebensraumvielfalt Steine, Altholz, Reste vom Strauchschnitt und Laub bilden Nischen für viele Lebewesen. Weitere sind Trockensteinmauern, Stein- und Holzhaufen, Sandecke, Teich, Sonnen- und Schattenflächen.

Wildes Eck Gartenbereiche, die nicht gepflegt werden, sind wichtige Rückzugsorte für Wildpflanzen und Tiere.

Wildkraut So manches Unkraut ist eigentlich ein Heilkraut. Pflanzen, die von selbst kommen, locken Nützlinge an. Paradebeispiele: Königskerze, Wilde Malve oder Wilde Karde.

Wiese Im Gegensatz zu einem Rasen, wird eine Wiese wesentlich weniger oft gemäht, Ende Juni das erste Mal und das Mahdgut wird nicht gemulcht, sondern von der Fläche entfernt.

Gehölze Laubbäume spenden im Sommer Schatten und lassen im Winter das Licht durch. Im Herbst bietet das Laub Tieren Schutz, ebenso dem Boden vor intensiver Sonnenbestrahlung und Erosion. Zum Naturgarten gehört eine Hecke aus heimischen Sträuchern.

Insekten Stauden und Blumen vor allem mit ungefüllten Blüten sind eine reiche Nektarquelle für Bienen und Schmetterlinge.

Nutzpflanzen Der Obst-, Gemüse- und Kräutergarten trägt zur eigenen Gesundheit und Ernährung bei. Wer selbst viel anbaut, kann intensiv behandelte Produkte aus dem Supermarkt getrost liegen lassen.

Kompost Schnitt, Mähgut, gejätete Wildkräuter, Gemüseabfälle werden dem Garten als Kompost oder Mulch wiedergegeben.

Gemüsegarten Pflanzengesundheit und lebendiger Boden können durch Mischkultur, Fruchtfolge, Gründüngung und Mulchen gefördert werden.

Nützlingsunterkünfte Insekten, Vögel, Kröten, Spitzmäuse, Igel und andere Tiere brauchen Unterkünfte. Das können Haufen von Strauchschnitt, Altholz oder Steinen sein.

Bewässerung Die richtigen Pflanzen müssen kaum gegossen werden. Für besonders durstige Pflanzen im Gemüsebeet wird Regenwasser in Fässern oder Zisternen gesammelt.

Materialwahl Für Zäune, Wege, Terrassen, Einfassungen und Mauern sollten regionale Steine und Hölzer verwendet werden. Damit kriechende Nützlinge in den Garten können, kann man auf Mauersockel verzichten und schauen, dass Zäune nicht bis ganz auf den Boden reichen.

Pflanzenschutz Chemischer Pflanzenschutz ist im Naturgarten tabu. Die Pflanze muss zum Ort passen. Aber es gibt Mittel, die die Pflanzengesundheit und -abwehrkräfte fördern. Eine selbst angesetzte Brennnesseljauche ist das ein Wundermittel.