Nach dem überraschenden Mauerfall am 9. November 1989 wurde wenige Monate später erstmals eine Sonderfahrt mit dem historischen Schnellzug "D 39/40" von Nürnberg aus über Lichtenfels, Kronach, Probstzella, Saalfeld und zurück nach Neuenmarkt ermöglicht.

Dieses außergewöhnliche nostalgische Angebot hatte die Eisenbahn-Betriebsgemeinschaft Neuenmarkt in Verbindung mit der Bundesbahndirektion Nürnberg organisiert. Und in Saalfeld stand eine besondere Premiere auf dem Programm. Erstmals seit Öffnung der deutsch-deutschen Grenze konnten Besucher aus dem Westen das Betriebswerk Saalfeld mit seinem "fauchenden Ungeheuer" 01 153-1 besichtigen.

Nicht schlecht staunten die Bewohner entlang der traditionsreichen Eisenbahnstrecke München-Berlin, als vor 30 Jahren ein Sonderzug mit der Baureihe 01 aus dem Jahre 1935 kraftvoll durch das Main-, Rodach- und Haßlachtal in Richtung Falkenstein keuchte. Mit durchdringenden Pfeifsignalen kündigte sich schon von weitem der Eisenbahnveteran an, der trotz seines stolzen Alters von 55 Jahren seine Qualitäten eindrucksvoll demonstrierte.

Bis zu 130 Stundenkilometer

Mit ihren 2240 Pferdestärken schaffte die Lokomotive leicht und locker 130 Stundenkilometer. Von 1925 bis 1937 wurden immerhin 231 dieser Kraftprotze bei der Deutschen Reichsbahn für den schweren Schnellzugdienst eingesetzt.

Mit einem kräftigen Begrüßungspfiff rollte die Dampflok 01 150 mit ihren zehn angehängten Gesellschaftswagen in den Kronacher Bahnhof ein. Bis hierher hatte die Lok ein leichtes Spiel. Auf der "Rennstrecke" brachte sie teilweise an die 130 Kilometer in der Stunde auf die Gleise. Ab Pressig-Rothenkirchen gab es für die Bewältigung der Frankenwaldrampe Schubhilfe durch das ebenfalls berühmte Krokodil E-Lok 44119. Die Baureihen E 44 und E 94 verkehrten einst in großer Zahl im Personenzug- und Güterzugverkehr durch Kronach.

Nach dem Passieren des Rennsteigs rollte der Zug in das Tal der Loquitz, vorbei an Falkenstein nach Probstzella. Im Zielbahnhof Saalfeld gab es für die "01 150" eine kurze Verschnaufpause, ebenso für Lokführer Alfred Lang, der mit dem "rußigen Geschäft" bestens vertraut war. Schließlich musste die Lok im Bahnbetriebswerk wieder auf "Vordermann gebracht" werden.

Eine weitere Lok dieser Serie, die 01 153-1, wartete im Zielbahnhof Saalfeld auf die 150 mitgereisten Eisenbahnfreunde. 1981 wurde sie aus dem Verkehr genommen und - wie ihre westdeutsche Schwester - nur noch für Traditionsfahrten auf die Gleise geschickt. Die Eisenbahnfreunde hielten den Atem an, als schließlich die Reichsbahnler ihre 01 153-1 über die Drehbühne mittels einer Elektrolok aus der Garage auf die Gleise neben die 01 150 schoben. Eine einmalige deutsch-deutsch Begegnung, die im Blitzlichtgewitter von den mitgereisten Fans gefeiert wurde. Beide eisernen Damen glichen sich wie Zwillingsschwestern, nur dass die 01 153-1 noch über einen Windschacht auf dem Kessel verfügte.

Bleibt noch anzumerken, dass die Lok 01 150 nach zahlreichen Sonderfahrten in Deutschland seit 2019 außer Betrieb ist. Der Grund: Schaden am Radreifen.