Umfassende Sanierung oder Neubau? Diese beiden Varianten zur Zukunft des Landratsamts an der Güterstraße standen zur Debatte. Die Antwort des Kronacher Kreistags am Montag: Ein die Entscheidung aufschiebendes Sowohl-als-auch.

So kam die Idee des Landratsamts-Neubaus in die Welt

"Wir sollten die Planungen für die Generalsanierung fortführen, um keine Fördergelder zu verlieren, gleichzeitig aber das Geld in die Hand nehmen, um einen Ersatz-Neubau detailliert zu prüfen", schlug CSU-Fraktionsvorsitzender Bernd Liebhardt die Formulierung vor, die die Mehrheit der Kreisräte letztendlich mittrug. Mit Heinz Köhler, Egon Herrmann (beide SPD), Edith Memmel, Matthias Rudolph (beide Grüne), Maria Gerstner und Hedwig Schnappauf (beide Frauenliste) stimmten sechs Mandatsträger dagegen.


Neubau seit drei Wochen im Raum

Der Sanierungsbedarf am in den späten 1960er Jahren erbauten Landratsamt ist kein Geheimnis. Toiletten, Dach, Fenster, Barrierefreiheit, IT. Die Liste, die Kreiskämmerer Günther Daum im Kreistag noch einmal vorstellte, ist lang.

Bislang war eine umfangreiche Sanierung geplant. Die Kosten könnten, so rechnete Daum jüngst vor, die Zehn-Millionen-Marke übersteigen. Im Rahmen des Kommunalen Investitions-Programms (KIP) gebe es knapp 1,5 Millionen Euro Fördergeld.

Vor drei Wochen brachte Timo Ehrhardt (SPD) im Kreisausschuss die Idee eines Neubaus ins Spiel. Nach intensiver Diskussion hatte Landrat Klaus Löffler (CSU) versprochen, kurzfristig Informationen zu dieser Frage zu präsentieren.

Das wird im alten Bezirksamt neu gebaut

Diese Aufgabe übernahm wiederum Günther Daum, der die Vor- und Nachteile eines Neubaus abwog. Positiv daran sei, dass die etwa 200 Mitarbeiter während der Bauzeit von Belästigungen durch Lärm oder Staub verschont blieben. Außerdem könnte man das Raumkonzept neu und modern planen.

Als negativ sah Daum an, dass die Frage der Nachnutzung des alten Gebäudes ungeklärt sei. Ein Abriss sei wohl nicht umsetzbar, da es an Platz zum Auslagern der Mitarbeiter während der Bauzeit fehle und somit der Betrieb nicht aufrecht erhalten werden könne. "Für gebrauchte Autos gibt es einen Markt. Bei Immobilien ist das etwas schwieriger", sagte Daum, der auch daran erinnerte, dass das alte

Bezirksamt in der Bienenstraße als Anbau des Landratsamts gerade umgebaut werde.
Doch wo könnte ein neues Landratsamt überhaupt stehen? Kämmerer Daum präsentierte eine Skizze, die einen Neubau direkt neben dem Noch-Landratsamt auf dem heutigen Parkplatz zeigt.

Zum Problem könnte die direkte Lage an der Bahnlinie werden. Daum: "Ob ein Gebäude dort unterkellert werden kann, ist unklar. Außerdem könnten die Kosten wegen notwendiger Zusatz-Investitionen in den Schallschutz steigen."


Innenstadt oder Peripherie?

Und andere Orte? Daum: "Wir haben bei der Stadt Kronach angefragt, aber aufgrund der Kürze der Zeit konnte man noch keine endgültige Abwägung vornehmen." Daum nannte einen möglichen Ort beim Schulzentrum. "Wir spekulieren heute nicht über Grundstücke", kommentierte dies Landrat Löffler.

Stefan Wicklein, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, plädierte für den derzeitigen Standort. "Das Landratsamt ist eine Infrastrukturmaßnahme für die Stadt Kronach. Es wäre verheerend, wenn diese Vernetzung zerstört würde."

Gegenrede erhielt Wicklein von Jürgen Baumgärtner (CSU). "Wir müssen uns auch mal überlegen, wie Kronach in 30 Jahren aussehen soll", argumentierte er. In die gleiche Richtung zielte auch Hans Rebhan (CSU). "Was hat ein Ludwigsstadter oder Küpser davon, dass das Landratsamt in der Kronacher Innenstadt ist?"

Baumgärtner plädierte für den Liebhardt-Vorschlag, beide Varianten im Spiel zu halten. "Wir dürfen nicht wieder den Fehler machen wie beim Klinikum oder beim Kreiskulturraum, als die Sanierungskosten explodiert sind." Allerdings überwog bei den Kreisräten die Meinung, dass die in drei Wochen gesammelten Zahlen noch nicht ausreichen, um Klarheit zu haben. Liebhardt: "Wir müssen das genauer wissen und dabei kommt es mir nicht auf einen Tausender an."

Kämmerer Daum hatte ausgeführt, dass ein Neubau wahrscheinlich teurer käme als eine Sanierung. Er sprach von mindestens 15 Millionen Euro, wobei jedoch noch einige Fragen ungeklärt seien.

Deshalb votierte der Kreistag dafür, eine Planungsgesellschaft zu beauftragen, um die Kosten eines möglichen Neubaus detaillierter zu analysieren. "Aber wir dürfen die Fördermittel nicht gefährden", betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Rauh. Und Norbert Gräbner (SPD) ergänzte: "Die Standortfrage ist nur mittelfristig zu entscheiden, deshalb ist der Liebhardt-Vorschlag richtig."

Ebenfalls im Kreistag: Berufsschule Kronach soll generalsaniert werden

Da die notwendigen KIP-Ausschreibungen bis Ende 2018 abgeschlossen sein müssen, soll die Alternativ-Planung nur bis zur nächsten Kreistagssitzung nach der Sommerpause am 15. Oktober dauern. Kämmerer Daum sprach von Planungskosten im sechsstelligen Betrag. Nachdem er diese Zahlen nannte, änderten unter anderem die Grünen ihre Meinung und stimmten gegen das Vorhaben.