Kinderklamotten, DVDs, Handys und Küchengeräte bis hin zu Möbeln und Gebrauchtwagen: Wer sucht, wird im sozialen Netzwerk fündig. Ein Beispiel: Die Kleinanzeigengruppe für Kronach, Lichtenfels, Coburg und Hof auf Facebook zählt über 15 000 Mitglieder. Zahllose Angebote werden täglich eingestellt. Sammler und Schnäppchenjäger finden hier Gleichgesinnte - begegnen aber leider auch schwarzen Schafen.

Das zeigt ein Beispiel aus den letzten Monaten: Eine Nutzerin hatte vor Angeboten einer Frau gewarnt. Zahllose Betroffene kommentieren unter dem Beitrag - über 50 Nutzer hatte sich in einer "Geschädigtengruppe" gesammelt. Statt der angebotenen Ware hat die vermeintliche Betrügerin nach Überweisung nämlich Pakete geschickt, deren Inhalt höchstens "für die Kleiderspende" taugt, so eine Nutzerin. Die Nutzer haben sich an die Polizei gewandt - das empfiehlt auch Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken.


Ermittlungsansätze der Polizei

"Wenn ein Betrugsverdacht vorliegt, sollte man möglichst zeitnah und mit möglichst vielen Daten zur Polizei gehen", erklärt die Pressesprecherin. Jede Information - egal ob Name, Telefonnummer, Bankverbindung oder Wohnort - ist dann ein wertvoller Ermittlungsansatz für die Polizei.

Deshalb lautet Höfers Tipp für solche Online-Börsen auch, möglichst viele Daten zu sammeln. Je mehr der Käufer von sich preisgibt, desto vertrauenswürdiger sei das Angebot. "Es ist außerdem immer gut, gesundes Misstrauen an den Tag zu legen", erklärt sie weiter. Bei vermeintlichen Schnäppchen solle man nicht Hals über Kopf zuschlagen, sondern die Preis-Leistung kritisch hinterfragen. Höfer empfiehlt, kurz zu recherchieren, was der Artikel eigentlich wert ist - und dann mit gesundem Menschenverstand zu entscheiden, ob das Angebot seriös sein kann.


Alarmglocken läuten

Alarmglocken sollten außerdem läuten, wenn der Verkäufer das Geschäft über Zahlungsplattformen wie Western-Union, U-Cash oder andere Portale abwickeln will. "Der bessere Weg ist Bezahlung per Überweisung", sagt sie. Denn bei Problemen sei die Bankverbindung wiederum ein wertvoller Ermittlungsansatz. Von Überweisungen ins Ausland rate sie aber dringend ab - den Weg ins Ausland nutzen Betrüger häufig zur Verschleierung. Dann habe auch die Polizei Probleme, den Fall weiterzuverfolgen. Noch besser als Überweisung ist laut Höfer der persönliche Kontakt. "Gerade bei den lokalen Anzeigen sollte man die Nähe nutzen und einfach persönlich vorbeifahren", sagt sie. So spare man sich Porto und laufe keine Gefahr, dass sich der Verkäufer nach der Zahlung aus dem Staub macht.

Ein strukturelles Problem mit Kleinanzeigen-Gruppen auf Facebook gebe es allerdings nicht. "Der Großteil der lokalen Kleinanzeigen ist seriös", so Höfer. Vielmehr seien sogenannte Fake-Shops problematisch. Das sind vermeintliche Firmen, häufig mit Sitz im Ausland, die etwas anbieten, allerdings nie liefern. "Je größer die Plattform, desto anonymer die Kommunikation", sagt sie. Und desto sensibler müsse man als Nutzer mit seinen Daten sein.


Cyberkriminalität in Bayern

Waren- und Warenkreditbetrug im Internet beschäftigt die Polizei in den letzten zehn Jahren natürlich vermehrt. Seit 2010 wird in der bayerischen Polizeikriminalstatistik Cyberkriminalität gesondert gelistet. Unter "Tatmittel Internet" findet man für das Jahr 2016 dort 24 871 Fälle - insgesamt belief sich der Beute- und Vermögensschaden auf 17,5 Millionen Euro. Zu Cyberkriminalität zählen allerdings auch Taten wie Beleidigung oder Sexualdelikte.

Als Vermögens- und Fälschungsdelikte sind aber immerhin 75,4 Prozent aller Straftaten klassifiziert - insgesamt 18 761. Eine klare Tendenz zu mehr Straftaten zeigt der Vergleich der letzten sechs Jahre nicht. Die Aufklärungsquote ist allerdings von 58, 3 Prozent (2010) auf 46 Prozent im Jahr 2016 gesunken.

Darauf sollten Nutzer achten:


Wurde das Facebook-Profil erst kürzlich erstellt?
Ist die angebotene Ware außergewöhnlich billig?
Gibt mir die Person Kontaktdaten oder windet sie sich drum herum?
Weigert sich die Person, wegen eines Handels zu telefonieren?
Ist die vorgeschlagene Zahlungsmethode seriös?