Eigentlich ist es ein ideales Feriendomizil: Auf der einen Seite der malerische Blick über Kronach, auf der anderen der nicht minder beeindruckende hinauf zur Festung Rosenberg - und das alles inmitten einer historischen Altstadt. Klingt toll. Dennoch hat sich das Wörtchen "eigentlich" an den Anfang dieses Textes gemogelt. Den Grund dafür erleben nicht nur eingemietete Touristen, die den Abend nicht in einer der zahlreichen Pizzerien verbringen möchten.


Ausreichend Platz

Denn wer nur eine Packung Nudeln samt Tomatensoße und eine Flasche Rotwein benötigt, um sich sein Abendessen kostengünstig selbst zuzubereiten, hat derzeit schlechte Karten. Lebensmittel einkaufen in der Oberen Stadt? Keine Chance. Gefüllte Regale gibt es erst einige Autokilometer entfernt in der Industriestraße oder bei Real in Fröschbrunn. "Es ist schade, dass es in der Oberen Stadt außer einem Bäcker keine Nahversorgungsmöglichkeit gibt!", findet Christoph Hiltl - der an der Situation etwas ändern will.
2013 erwarb der Münchner Investor zusammen mit seiner Frau, die aus dem Landkreis stammt, in der Amtsgerichtsstraße die Häuser mit den Nummern 14 und 16. Während in den oberen Stockwerken sieben Wohnungen entstehen sollen, ist geplant, im Erdgeschoss Platz für drei Ladengeschäfte zu schaffen. Unter anderem für ein Nahversorgungsgeschäft. "Uns schwebt das Eck im Erdgeschossraum der Hausnummer 16 vor", erklärt Hiltl. Von der Größe her sei der Raum mit einer Fläche von 50 Quadratmetern samt Nebenräumen für ein Lager auf jeden Fall geeignet.


Ein "Späti" für Kronach

Er könnte sich vorstellen, dass dort ein Geschäft entstehen könnte, das vom Konzept den Berliner "Spätis" ähnelt. Also einer Art größerem Kiosk, in dem es neben Getränken, Tabakwaren oder Zeitschriften auch Lebensmittel sowie Dinge des täglichen Bedarfs gibt. "Wanderer und Behördenmitarbeiter sollen sich mittags dort Kleinigkeiten zu Essen kaufen können oder einfach entspannt einen Espresso trinken."
All das stehe und falle jedoch mit dem richtigen Konzept und dem passenden Betreiber. "Denn selbst können wir es nicht machen", erklärt der Investor, der auf die Hilfe der Stadt hofft. Sowohl dabei, ein Betriebskonzept zu erstellen und einen Betreiber zu finden als auch dabei, zu ermitteln, was von potenziellen Kunden genau gewünscht wird. Er würde es daher begrüßen, wenn die Stadt Mitarbeiter der angrenzenden Behörden fragen könnte, wo diese Bedarf sehen.


Ein begeisterter Bürgermeister

Bei Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) rennt er mit seiner Idee offene Türen ein. "Wenn er tatsächlich daran denkt, bin ich begeistert", sagt das Stadtoberhaupt euphorisch. "Zu der Erlebnisgastronomie, die es bisher in der Oberen Stadt gibt, wäre das sicher eine tolle Ergänzung." Er könne sich noch gut daran erinnern, wie viele Einzelhandelsgeschäfte es in seiner Kindheit in der Oberen Stadt gab. Gerne helfe er dabei mit, dafür zu sorgen, dass zumindest eines dorthin zurückkehrt.

Prädestiniert dafür, dabei zu helfen, ein Konzept zu erstellen und Kontakte zu möglichen Betreibern zu vermitteln, sei Georg Köstner vom Leerstandsmanagement der Stadt. "Der ist da äußerst firm", so Beiergrößlein. Er bietet Hiltl einen Gesprächstermin an, bei dem dieser ihm und Köstner das Konzept vorstellen kann. "Ich würde das Ganze dann auch persönlich begleiten", verspricht der Bürgermeister.
Erst vergangene Woche erklärte Köstner unserer Zeitung, dass das größte Problem der insgesamt 28 in der Innenstadt leerstehenden Geschäfte die oft zu hohen finanziellen Ansprüche mancher Vermieter sind. "Die Eigentümer wollen immer noch das gleiche Geld, die Mietansprüche gehen nicht nach unten", sagte Köstner. "Da geht es bei zehn Euro für den Quadratmeter aufwärts los und am besten soll ein Fünfjahresvertrag mit Kaution unterschrieben werden."


"Symbolischer Mietzins"

Eine Sorge, die man bei ihm nicht haben muss, betont Investor Hiltl: "Wir sind bereit, dafür nur einen symbolischen Mietzins zu verlangen, denn bei allen drei Gewerbeeinheiten geht es uns nicht um die Maximierung von Miete, sondern um die Belebung der Oberen Stadt und vor allem der Amtsgerichtsstraße."

Zwar begannen die Sanierungsarbeiten bereits vergangenen Herbst, beendet sein werden sie aber vermutlich erst Mitte 2019. "Es gab eine sehr lange Planungsphase, weil es von den Vorgaben des Denkmalschutzes und der Finanzierung schwierig war", erklärt Hiltl. Und seitdem sei die Bausubstanz nicht viel besser geworden - weshalb die beiden Gebäude kernsaniert werden müssen.


Einen Versuch wert

Ob sein Konzept für ein Kronacher "Späti" aufgeht, weiß er selbst nicht. "Ob wir jemanden finden und ob das sich das wirtschaftlich trägt, ist offen", sagt er. Das hänge wohl auch davon ab, wie groß das Angebot ist, vermutet der Bürgermeister. "Einen Versuch ist es aber immer wert."