"Wir dachten eigentlich, dass wir am ersten Tag überrannt werden", erzählt Mathilde Grüdl, Leiterin der "Bibliothek im Alten Torhaus" in Teuschnitz. Nachdem die Bücherei seit Mitte März geschlossen bleiben musste und es dort über Wochen hinweg "viel zu leise" war, konnte man am 11. Mai endlich wieder öffnen. Aufgrund des erwarteten Andrangs hatte man sogar das Personal für den Tag der Wiederöffnung erhöht. Doch die Freude wich der Ernüchterung - die Besucher-Anzahl hielt sich sehr in Grenzen.

"Mittlerweile ist es etwas besser geworden. Aber uns fehlen nach wie vor die Familien mit Kindern", bedauert Grüdl, die sich voller Wehmut an die Zeit vor dem verordneten Stillstand zurückerinnert. Damals sei die im ersten Stock des schönen denkmalgeschützten Gebäudes untergebrachte Bücherei voller Leben gewesen. "Bei uns war immer etwas los, vor allem am Sonntag, wenn die Familien mit Kindern da waren", erzählt die ehrenamtliche Leiterin, dass man in den zwölf Jahren seit Bestehen der Bücherei eine Leserschaft aus dem gesamten oberen Frankenwald aufgebaut habe. Hierzu zählen gerade auch viele Familien aus dem Raum Ludwigsstadt - und genau diese blieben nun aus.

"Unsere Bibliothek ist keine Einrichtung, in der man still sein muss", erzählt auch Birgit Böhm, die ebenfalls seit Anfang an dabei ist - wie auch der Großteil der 17 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Da in eine Bücherei ihrer aller Meinung nach Leben gehöre, initiiert man beispielsweise auch Ausstellungen, Kulturabende, Lesungen, Hausmusiken und Konzerte, was leider heuer Corona-bedingt nicht möglich war. Einen sehr guten Kontakt pflegt man zu den jüngsten Bücherfreunden. Zu "normalen" Zeiten kommt die Grundschule regelmäßig zu Besuch, Kindergarten-Kinder können ihren Bibliotheks-"Führerschein" machen. All dies musste ebenfalls entfallen. "Es war einfach viel zu ruhig", bedauert Grüdl. Umso mehr habe man sich auf die Wiederöffnung gefreut. Alle Corona-Vorgaben werden eingehalten. Aufgrund der Abstandsregel - 10 Quadratmeter pro Person - können 20 Besucher gleichzeitig in den circa 200 Quadratmeter großen Räumlichkeiten Medien aller - auch digitaler - Art ausleihen, zum Beispiel auch Spiele. Lange Wartezeiten brauche niemand zu befürchten.

Nachvollziehen kann daher das Team das Nutzungsverhalten nicht. Gerade jetzt in einer Zeit, in der so vieles nicht möglich sei; es keine Feste gebe, die Leute sicherlich einen Großteil ihres Urlaubs zu Hause verbrächten, hätte man doch eigentlich genug Zeit für ein gutes Buch. Vielleicht sei es einfach noch nicht überall bekannt, dass die Bibliothek wieder geöffnet habe, auch in der Ferienzeit.

Weniger Ausleihen im Büchertreff

Immer frischen Lesespaß gibt es auch im ebenfalls 2008 eröffneten und ebenfalls ehrenamtlich betriebenen "Büchertreff" in Kronach. In der Pfarr- und Stadtbücherei im 1. Stock des Pfarrzentrums St. Johannes am Melchior-Otto-Platz ist die Situation ähnlich. "Wir haben geringere Ausleihzahlen und es fehlen vor allem Familien mit Kindern", bedauert Pastoralreferentin Birgitta Staufer-Neubauer, die die Familien-Bücherei - eine Kooperation zwischen der Stadt und der katholischen Pfarrei St. Johannes Kronach - seit Anfang an leitet. Aktuell zählt das ehrenamtliche Team rund 20 engagierte Helferinnen. Jugendliche Leser fehlten - so die Pastoralreferentin - schon länger. Dies habe mit Corona nicht unbedingt etwas zu tun, sondern sei dem geänderten Medienverhalten von Jugendlichen geschuldet. Insgesamt habe man in der Bücherei auch in "normalen" Zeiten weniger Kinder - in dem Fall Schulkinder. Diese seien ja, was durchaus positiv sei, durch die überall entstehenden Schulbüchereien gut versorgt.

"Unsere Erfahrung zeigt, dass weniger Leser kommen, diese aber mehr mitnehmen", berichtet sie von einem offenbar doch noch eher vorsichtig-zurückhaltenden Verhalten. DVDs und Hörbücher würden immer gut nachgefragt. Die Einhaltung der nach den Vorgaben des Michaelsbunds umgesetzten Hygienevorschriften habe an keiner Stelle ein Problem dargestellt. An keinem Tag seien mehr Personen als erlaubt anwesend gewesen.

Bücherbus steht und drückt die Ausleihzahlen

"Wir haben keinen signifikanten Rückgang, aber auch keine Mehrnutzung", resümiert Madeleine Diezel, Leiterin der Kreisbibliothek Kronach am Schulzentrum. Nach weiteren Lockerungen seien nahezu alle Angebote wieder verfügbar, wenngleich teilweise in reduzierter Form. So können aktuell drei der acht PC-Arbeitsplätze genutzt werden sowie zwei Plätze zum Zeitungslesen. Auch der Kopierer steht wieder zur Verfügung. Der Mund-Nase-Schutz müsse getragen werden, bis man am Platz sei. Dann könne er abgenommen werden. Aufgrund der 750 Quadratmeter großen Räumlichkeiten können sich 75 Besucher gleichzeitig in der Kreisbibliothek aufhalten - eine Zahl, die aber nicht erreicht werde. Die Einhaltung der Vorgaben verursache aufgrund der großzügigen Räumlichkeiten keinerlei Probleme.

Anders sehe es da leider beim Bücherbus aus. "Das ist einfach nicht umsetzbar", bedauert sie. Das Fehlen dieses Angebots schlage sich natürlich in den Ausleihzahlen nieder, habe man doch gerade im nördlichen Landkreis eine große Leserschaft. Einige der Bücherbus-Nutzer seien zum ersten Mal oder nach längerer Zeit wieder in die Bibliothek gekommen und hätten bestätigt, wie schön es hier doch sei. Aber auch diese Anzahl halte sich in Grenzen. Insgesamt kämen die gleichen treuen Leser wie zuvor auch. Man habe sicherlich auch einige neue Kunden; aber in der gleichen Relation wie vor der Corona-Krise. Aktuell merke man die Ferienzeit - einerseits in den Ausleihzahlen der Schüler, andererseits bei der Nutzung des kostenfreien W-LAN in der Pause.

Sicherlich interessant würden die genauen Ausleihzahlen am Jahresende. Die Hoffnungen auf einen Lese-Boom wegen Corona hätten sich jedoch nicht erfüllt. Sehr schade, wie sie findet, hätte die krisengeplagte Zeit durchaus eine Chance darstellen können - gerade auch, um sich der Bedeutung der Kreisbibliothek als eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen im Kreis Kronach wieder mehr bewusst zu werden. Neben den Büchern können auch zahlreiche CDs, DVDs, Videokassetten, Zeitschriften und viele weitere Medien, mit denen man dem Medienzeitalter Rechnung trägt, ausgeliehen werden. Ein solches Angebot, wie es der Landkreis für seine Bevölkerung hier vorhalte, sei alles andere als selbstverständlich und sollte auch nicht so erachtet werden.

Dennoch gibt es für die drei Leiterinnen auch Grund zur Freude. Die treuen Leser, die nach wie vor kommen, hätten sich nämlich sehr über die Wiedereröffnung gefreut. Es habe viele schöne Reaktionen gegeben, dass sie vermisst worden seien - wie "Wie schön, dass Ihr wieder da seid", "Endlich ein Stück Normalität" usw. So hoffen diese, dass doch noch mehr Leser den Weg in ihre Büchereien finden und sich mit frischem Lesestoff versorgen, denn: Wann, wenn nicht jetzt?