Selbst wenn der Bierverbrauch in Deutschland seit Jahren rückläufig ist - 2011 hat jeder Deutsche im Durchschnitt 102 Liter im Jahr getrunken -, hält sich die oberfränkische Brauereilandschaft. In 200 Betrieben wird hier noch Bier gebraut. Im Landkreis Kronach sind es nach der Insolvenz des Ludwigsstädter Traditionsunternehmens Jahns Bräu noch vier Brauereien.

Mit Abstand die kleinste ist das Antla in der Kronacher Altstadt. "Wir sind eigentlich eine Mikrobrauerei", sagt Brauer Martin Logsch. "Wir setzen im Jahr rund 235 Sude an." Ein Sud ergibt rund 250 Liter Bier - aufs Jahr hochgerechnet, macht das 58 750 Liter, also circa 580 Hektoliter Bier. Im Antla ist eben alles eine Nummer kleiner: Das Sudhaus, bei großen Brauereien normalerweise ein eigenes Gebäude, passt in die Mitte der Gaststube. Im Keller stehen insgesamt 14 Lager- und Gärtanks, wo die drei Stammbiere hergestellt werden.

Bierbrauen am Computer

Handarbeit sei das Brauen im Antla, erklärt Logsch, was ihm gut gefalle, denn vorher war er bei einer großen Brauerei angestellt und habe seine Tage hauptsächlich vor dem Computer verbracht.
Das Antla-Bier wird nahezu ausschließlich in der Gaststätte getrunken und in einigen Getränkemärkten im Landkreis verkauft. Kürzlich habe aber eine Bamberger Gastwirtschaft angefragt, sagt Manager Markus Steller. "Die wollen im Monat rund 300 Liter Bier abnehmen." Für die Verhältnisse der Mikrobrauerei ein dickes Geschäft.

"Inklusive den Festbieren brauen wir elf verschiedene Biersorten", sagt Christian Höfner, Geschäftsführer von Gampertbräu. Pils werde bei Gampertbräu "mit Abstand" am meisten gebraut, "weil Franken ein Pilsland ist". Im Jahr sorgen die 54 Mitarbeiter von Gampertbräu dafür, dass rund 90 000 Hektoliter gebraut werden, die von Weißenbrunn aus ihre Reise zu den Biertrinkern der Umgebung antreten. Einen weiten Weg muss das Bier nicht in Kauf nehmen. "Wir vertreiben unser Bier sehr regional", sagt Höfner. Getrunken wird es vor allem in den Regionen Kronach, Hof, Coburg, Bamberg "und im angrenzenden Südthüringen". Neben diesem Hauptabsatzgebiet kämen schon mal Anfragen von weiter her: München, Stuttgart, Hamburg, im Januar sogar eine Anfrage aus England.

"Obwohl wir alle unsere Fans bedienen wollen, lässt sich diese Nachfrage nicht befriedigen." Zu klein seien die nachgefragten Mengen. Dennoch ist er froh, dass das Bier nachgefragt wird, ja bei manchen sogar Kultstatus erreicht haben soll. "Es kam schon eine Anfrage eines Tätowierers, der eine Vorlage für unsere Kultfigur, den Förster haben wollte." Dennoch sorgt sich Höfner, dass weniger Bier getrunken werden wird. Stichwort: Demografischer Wandel. "Dann müssen wir uns neue Absatzmärkte suchen." Eine Herausforderung, weiß Höfner.

Ein Bier für Zigarrenliebhaber?

Thomas Kaiser, der Braumeister von Kaiserhofbräu aus Kronach, ist sich sicher: "In ein paar Jahren werden wir einen ganz anderen Biermarkt haben. Der Bier trinkende Verbraucher wird noch mehr ausprobieren wollen, weswegen man sich noch interessanter machen muss."

Mit den großen Brauerein könne Kaiserhof Bräu, das sein Bier hauptsächlich im Kreis Kronach und den Nachbarlandkreisen verkauft, mit den rund 11.000 Hektolitern Jahresproduktion preislich nicht mithalten. Deswegen sucht Kaiser seine Bier-Nische: Das Schmäußbräu, das er vor rund fünf Jahren erfunden hat, verkauft sich gut. "Es ist süß und nicht so herb. Gerade bei Frauen ist es ein Volltreffer", sagt Kaiser. Im Herbst wird er wieder experimentieren: Er hat selbst Hopfen angebaut, mit dem er im September rund 500 Liter Bier brauen will, "nach alten Rezepten", betont er.

Dass die Brauerei nur sechs Mitarbeiter hat, sieht Kaiser als Vorteil. "Die Veränderungen werden uns nicht so treffen wie die großen Betriebe, die sich umstrukturieren müssen. Thomas Kaiser sucht lieber das Besondere: "Wieso nicht mal ein Bier für Zigarrenraucher?", fragt er. In einem ist er sich jedenfalls sicher: "Die nächsten Jahre werden sehr interessant."


Mehr Vielfalt - mehr Umsatz?

Interessant möchte sich auch Franken Bräu aus Mitwitz machen, wo im vergangenen Jahr rund 64 000 Hektoliter Bier gebraut wurden. "Wir favorisieren den Bügelverschluss", sagt Geschäftsführer Henry Bolgehn. Rund 80 Prozent der verkauften Flaschen werden laut Bolgehn damit ausgestattet.

Der Großteil des Bieres werde in den Kreisen Kronach und Coburg verkauft, weil dort der Heimliefer-Service unterwegs sei. Aber: "Durch den Getränkefachhandel kann man in jedem Bundesland unsere Hauptsorte Pils kaufen, wenn auch noch nicht flächendeckend, aber daran arbeiten wir." Braumeister Edgar Schönmüller betont, dass das Unternehmen auf Vielfalt setze. "Vergangenes Jahr haben wir das Urhell, das ähnlich dem bayerisch Hell ist, wiederbelebt", sagt Schönmüller. "Und vor Kurzem haben wir den Urtrunk, ein filtriertes Kellerbier, kreiert. Speziell in letzter Zeit hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nach anderen Bieren da ist." Zu den bestehenden vier durchgehend verfügbaren Bieren sind bei Franken Bräu zwei weitere dazugekommen - Kro nachs Brauereien setzen offenbar auf Vielfalt.