Winfried Wachter mustert aufmerksam den braunen Waldboden. Blätter, Nadeln, Moos, gebrochene Äste. Dann stoppt der Jäger abrupt. "Hier ist er entlang gekommen", sagt Wachter. Zu Gesicht würden wir den Verursacher der Spur - Blätter und Nadeln sind auf dem feuchten Boden etwas aufgeworfen - freilich nicht bekommen. Das liege nicht nur an der ungünstigen Tageszeit, meint Wachter. Der Dachs sei einfach zu aufmerksam. Er spüre schon von Weitem, wenn sich jemand seinem Bau nähert.

Deshalb wundert es Wachter auch nicht, dass die Leute stutzig werden, wenn sie Wildunfallstatistiken zu sehen bekommen. Die jüngste listete für das Jahr 2017 beispielsweise 41 Verkehrsunfälle mit Dachsen im Landkreis Kronach auf. Nur Rehwild (485) und Schwarzwild (77) waren häufiger in Zusammenstöße mit Fahrzeugen verwickelt. Selbst der immer wieder zu sehende Fuchs (30) geriet nicht so häufig vors Auto wie "Grimbart", so der Fabelname des Dachses.


Bestand hat sich erholt

Wachter weiß, dass kaum jemand vermutet, dass der Dachs ein so weit verbreiteter Bewohner unserer Wälder ist. Er erklärt, dass sich der Bestand des Tieres in den letzten Jahrzehnten gut entwickelt habe. "Der Dachs ist bei uns heimisch. Inzwischen gibt es richtig viele."

Früher sei das anders gewesen. In den 1970er Jahren seien Fuchsbaue zwangsweise begast worden, erinnert er sich. Da Fuchs und Dachs oft eine "Wohngemeinschaft" bilden, schlug sich das auch auf den Bestand von Grimbart nieder. Inzwischen sind solche Maßnahmen jedoch lange ad acta gelegt, und die Dachspopulation hat wieder zugenommen.

Wachter geht ein paar Schritte weiter auf dem rutschigen, abschüssigen Pfad unweit der Festung Rosenberg. Er zeigt am Wegesrand nach unten. Eine kleine Kletterpartie folgt. "Die Dachse mögen Hanglagen, den Sandstein. Sie graben sich hier zum Beispiel hinter entwurzelten Bäumen ein."


Für Jagd nicht relevant

Was dann entsteht, ist ein Dachsbau mit mehreren Ausgängen. "Er kann sich über ein riesiges Gebiet ausdehnen und verzweigen", stellt Wachter fest. Er warnt auch Jagdkollegen: "Da lässt man keinen Hund rein." Die Gänge können sich nämlich verengen und der Hund kann darin stecken bleiben. Für die Jagd ist der Dachs heute aber ohnehin kaum noch relevant.

Über einen Großteil des Jahres gilt eine Schonzeit für den gestreiften Waldbewohner, wie Wachters Jagdgenosse Eckhard Schneider berichtet. Zudem ist der Dachs nachtaktiv, hat gute Sinne und ist sehr vorsichtig. Weil er ein Allesfresser ist, muss ein erlegtes Tier außerdem einer Prüfung, der sogenannten Trichinenschau, unterzogen werden. Das kostet Zeit und Geld.

Schneider erinnert sich noch gut daran, dass es auch längst vergangene Zeiten gab, in denen der Dachs stärker bejagt wurde. "Mein Großvater hat früher geräucherten Dachsschinken gemacht", erinnert er sich. Der galt als Delikatesse. Dachsfett und Dachssalbe wurden aus dem Tier ebenfalls hergestellt. "Echthaar-Rasierpinsel werden immer noch mit Dachshaar gemacht", erzählt der Jäger, dass Grimbart nicht ganz aus dem Alltag verschwunden ist.


Kein tierischer Feind

In der Natur hat das Tier hingegen kaum einen Feind. "Er ist ziemlich robust, aber trotzdem relativ schnell", beschreibt Schneider den schwarz-weiß gestreiften Vierbeiner. Nur das Auto ist für ihn eine echte Gefahr. "Der Dachs ist eben nachtaktiv und hat eine andere Silhouette als beispielsweise ein Reh." Sprich: Grimbart wird auf der Straße leichter übersehen.

Eine gefährliche Zeit für Dachs und Verkehrsteilnehmer steht jetzt unmittelbar bevor, wie Wachter ausführt. Wenn die Zeitumstellung den Berufsverkehr wieder weiter in die Dämmerung rückt, heißt es besonders: Augen auf am Steuer!

Einen Dachs kann Wachter beim Waldspaziergang an diesem Tag - erwartungsgemäß - nicht präsentieren. So lange es hell ist, lässt sich der begnadete Tunnelgräber eben nicht blicken. Und selbst im Dunkeln gilt: "Der Dachs sieht gut, nimmt sehr gut Geräusche wahr und riecht hervorragend." Sobald er einen Menschen bemerkt, macht er sich in Windeseile aus dem Staub.


Weiterer Bericht

Unseren Bericht über die Wildunfallstatistik im Landkreis Kronach finden Sie hier.