Wäre Bürgermeister Timo Ehrhardt nicht im Urlaub, er hätte wahrscheinlich den Journalisten im Rathaus abgefangen, um ihn dann in die Mangel zu nehmen. Ludwigsstadt Schlusslicht im Breitbandausbau? Eine Unterstellung. Schon jetzt hat der Großteil der Haushalte Datengeschwindigkeiten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde zur Verfügung - in einem Jahr fast 100 Prozent der Bevölkerung im Norden des Landkreises. Nicht 20 Prozent, wie der Breitbandatlas verbreitet, nein, alle. Flächendeckend.

Doch weil Bürgermeister Ehrhardt derzeit nicht im Rathaus sitzt, macht er seinen Ärger über das Telefon Luft, das sein Geschäftsleiter Frank Ziener über den Schreibtisch reicht. Ludwigsstadt sei nicht abgehängt, sondern zukunftsweisend aufgestellt, sagt er aufgeregt.

Bürgermeister Ehrhardt hat recht. Das Hauptproblem, warum Gemeinden wie Ludwigsstadt und Wallenfels in den Statistiken so schlecht abschneiden, ist nicht nicht nur Fehler des Journalisten, sondern eine Lücke im Datenaustausch. Wie weit der Breitbandausbau wirklich ist, erklärt ausführlich der Verwaltungschef.

Lückenhafte Datenquelle

Obwohl die Zahlen und Daten aus dem Breitbandatlas häufig als sichere Datenquelle in den Medien genutzt werden, sind sie es nicht. Es besteht seitens der Telekommunikationsanbieter keine Pflicht, den Fortschritt der digitalen Infrastruktur dem Ministerium zu melden. Lediglich die Bitte ist bekannt. Tim Alexandrin von der Presseabteilung des Ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin erklärt, dass die großen Netzbauer wie Telekom und Vodafone standardisiert ihre Daten zur Verfügung stellen. Doch wenn es um Ludwigsstadt geht, da hat die Telekom nur einen Bruchteil der Haushalte mit Breitbandanschlüssen versorgt, erklärt Geschäftsleiter Ziener.

Den Großteil der Haushalte hat der örtliche Dienstleister Michael Korn in Zusammenarbeit mit Thüga Smartservice über Koaxialkabel oder mit Glasfaserkabel angebunden. Von Haus zu Haus. Quer durch die Gemeinde.

Während die Branchenriesen wie Telekom und Vodafone automatisch die Meldungen weiterleiten, ist es für Einzelkämpfer oft nicht leicht. Michael Korn erklärt, dass die Datenformulare, die Landkarten lückenhaft sind, zum Beispiel sei das Hotel Zur Post und andere Orte nicht eingezeichnet. Dennoch leitet er, so gut es geht, die Daten an das Ministerium weiter. Leser des Breitbandatlasses könnten schnell glauben, dass Ludwigsstadt rückständig im Internetausbau ist - und damit komplett falsch liegen.

Die Entwicklung miterlebt

Frank Ziener ist seit zehn Jahren Geschäftsleiter im Rathaus und hat die drei Phasen des Ausbaus begleitet. 2009, als die Landesregierung nur eine geringe Fördersumme für die Digitalisierung des Landes mit 3 Mbit/s bereitgestellt hat - deutschlandweit gab es Anlaufschwierigkeiten. Dann 2013, als die Fördergelder flossen, wenn auch noch etwas zögerlich. Das Förderverfahren war umständlich und wurde mehrfach überarbeitet.

2013 gab es eine Förderung für 30 Mbit/s schnelles Internet. Doch bereits zu der Zeit war den Verantwortlichen vor Ort klar, dass die immense Beschleunigung auf den Datenautobahnen eine Leitung mit dieser Geschwindigkeit schnell überholen wird. Ludwigsstadt setzte deshalb auf 100 Mbit/s-Leitungen. Das startete mit der bayerischen Breitbandrichtlinie im Jahr 2015. In diesem Jahr hat sich die Telekom auf die obligatorische Markterkundung gemeldet, den Breitband-Ausbau in Lauenhain in Eigenregie durchzuführen. Als die Fördergelder vergeben waren, zog die Telekom zurück. Lauenhain blieb neben einigen anderen Dörfern und Gehöften hinter dem Ludwigsstädter Standard zurück.

Neue Investitionen des Freistaats

Doch dank der dritten Förderung im Zuge der bayerischen Gigabitrichtlinie - die Investitionssumme ist erneut gestiegen und Fördergelder von 90 Prozent fließen vom Land an die Kommune - werden nun bis August 2021 auch die restlichen Dörfer und Einzelhöfe angeschlossen. Verfolgt man die Dokumentreihen der bayerischen Breitbandförderung, wird man schnell fündig. Geschäftsleiter Ziener zeigt zwei Dokumente, die die Anzahl der Häuser beziffern, die mit mindestens 100 Mbit/s im Internet surfen können.

Ludwigsstadt hat einen Vorteil: Durch die Firma Korn war es bereits gut mit Fernsehkabeln, den sogenannten Koaxialkabeln versorgt. Ein Netz, das sich schnell ausbauen lässt und schnelle Geschwindigkeiten zulässt. Gemeinsam mit Thüga Smartservices wurde dieses Vorhaben durch den privaten Kabelnetzbetreiber realisiert. An nicht erschlossenen Orten hat Michael Korn schließlich neue Glasfaserleitungen verlegt. Bis voraussichtlich August 2021, erklärt der Geschäftsleiter, werden mehr als 99,5 Prozent der Haushalte Internetgeschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr zur Verfügung stehen. In Lauenhain laufen derzeit die Arbeiten. Bereits 2017 war ein Großteil der Haushalte in der Kommune mit schnellem Internet versorgt. "Ich meine sogar, dass es in Ludwigsstadt schneller gegangen ist, als anderswo." Damit bezieht sich Frank Ziener auf die regionalen Anbieter, die flexibler arbeiten, als die Branchenriesen.

Trotz Breitband: weiße Flächen im Atlas

Ein Blick auf die Landkarte im Breitbandatlas verrät, dass die Datensätze voller Fehler stecken. Auch in den benachbarten Gemeinden im Landkreis Hof, weiß der Geschäftsleiter, dass Thüga Smartservice das Netz ausgebaut hat. Doch auf der Karte sind viele weiße Flächen zu sehen.

Die Stadt Ludwigsstadt hat zwei Kooperationsverträge mit Breitband-Förderung abgeschlossen. Die bayerische Regierung bezuschusst den digitalen Ausbau derzeit mit bis zu 90 Prozent. Von den rund zwei Millionen Euro, die Ludwigsstadt investiert hat, werden nur rund zehn Prozent, also 200.000 Euro nicht übernommen. Die Flächengemeinde im Frankenwald kommt also relativ günstig weg.

Das bayerische Finanzministerium hat den Quantensprung der Datengeschwindigkeiten auf dem Land bereits forciert, der so nicht aus dem Breitbandatlas herauszulesen ist. Laut Minister Albert Füracker (CSU) sind in Bayern bereits jetzt 96 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet versorgt. Das Ministerium versteht unter schnell etwas anderes als Ludwigsstadt: In München spricht man bereits ab 30 Mbit/s von "schnellem Internet".

Wallenfels: Weiterer Ausbau geplant

Auch Wallenfels schneidet im Breitbandatlas als Verlierer der Digitalisierung ab, was so nicht stimmt. Wallenfels sei bereits zu 95 Prozent mit mindestens 30 Mbit/s versorgt und könne weitere Verbesserungen durch die Gigabitrichtlinie anstreben, schreibt die Pressestelle des Ministeriums.

Der Geschäftsleiter im Wallenfelser Rathaus, Christoph Hohlweg, bestätigt, dass die Angaben im Breitbandatlas nicht richtig sind und die Gemeinde mit dem neuen Förderprogramm einen weiteren Ausbau plant. Investitionen von 800.000 Euro sollen bald durch die Gigabitrichtlinie gefördert werden. Den Antrag hat die Gemeinde am 17. August gestellt. Auch für Wallenfels gilt: Die Datenverbindung ist quasi flächendeckend schnell - und sie wird noch schneller.