Im Kreis Kronach sind am Dienstagabend (14. Juli 2026) die ortsansässigen Feuerwehren zu mehreren Einsätzen alarmiert worden. Nach Angaben der integrierten Leitstelle (ILS) Coburg zog eine sogenannte Superzelle über den nördlichen Landkreis Kronach. Es handelt sich dabei um einen bestimmten Gewittertyp, der schwere Unwetter verursachen kann. Wesentliche Bestandteile sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) die voneinander getrennten Auf- und Abwinde, die in normalen Gewitterzellen ungeordnet strömen, sowie eine Rotation. Dabei drehen sich Superzellen oft in dieselbe Richtung wie ein Tiefdruckgebiet.

Laut dem Kreisbrandmeister für Katastrophenschutz, André Stadelmann, sorgte das Unwetter vor allem rund um Tettau, Pressig, Wilhelmsthal und Wallenfels für Chaos. Die erste Meldung erreichte die Feuerwehr gegen 20.45 Uhr. In Tettau kam es zu starkem Hagelschlag, zudem wurden mehrere Dachfenster beschädigt. In Förtschendorf, einem Ortsteil von Pressig, stürzte außerdem ein Baum auf eine Niederspannungsleitung.

Unwetter wütet im Kreis Kronach: 20 Haushalte in Förtschendorf auch am Folgetag ohne Strom

In einem Facebook-Post schreibt die Feuerwehr Pressig: "An der Einsatzstelle sollte ein Baum/Ast auf einer Stromleitung liegen. Vor Ort stellte sich die Lage für alle Beteiligten deutlich dramatischer dar. Mehrere gerissene Stromleitungen, abgedeckte Dächer, vollgelaufene Keller und völlig verwüstete Straßen prägten das Ortsbild von Förtschendorf."

Rund 40 Haushalte seien  von der Stromversorgung abgeschnitten gewesen. Ungefähr die Hälfte konnte bis Mitternacht wieder ans Netz angeschlossen werden, teilt Kreisbrandmeister Stadelmann im Gespräch mit inFranken.de mit. Johanna Härtl, Pressesprecherin des Energieversorgers Bayernwerk, bestätigt den Vorfall. Gegenüber der Redaktion äußert sie: "Unsere Kollegen arbeiten seit der Nacht mit Hochdruck an der Wiederversorgung." Im Laufe des Tages sollen alle Häuser wieder an das Stromnetz angeschlossen werden.

Wie Stadelmann berichtet, habe es rund um die Gebiete Wilhelmsthal, Hesselbach und Wallenfels überflutete Straßen, umgefallene Bäume und mit Wasser vollgelaufene Keller gegeben. Rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) waren bis circa 0 Uhr vor Ort. In Förtschendorf dauerte der Einsatz bis 3 Uhr am frühen Morgen.

So hat das neue Unterwetterkonzept der Leitstelle Coburg funktioniert

Die Freiwillige Feuerwehr Pressig bedankt sich auf Facebook bei allen Helfern. "Nach mehreren Stunden konnten wir mitten in der Nacht ins Gerätehaus zurückkehren. In dieser Situation zeigt sich: Nur ZUSAMMEN ist man STARK! Vielen Dank an alle eingesetzten Kräfte für die sehr gute Zusammenarbeit!"

Bei den Vorfällen sei erstmalig ein Unwetterkonzept zum Einsatz gekommen, berichtet André Stadelmann. Dieses wurde von der Leitstelle Coburg ins Leben gerufen und koordiniert die Einsatzkräfte im Landkreis, um die Leitstelle zu entlasten. "Es hat super funktioniert“, resümiert der Kreisbrandmeister. "Das Konzept ist voll aufgegangen."

Auch im mittelfränkischen Erlangen hat das Unwetter gewütet. Dort ist eine Radfahrerin schwer verletzt worden. In Nürnberg sendet das Tierheim einen Hilferuf. Der Sturm hat dort für Verwüstung gesorgt.