Drei Tage im Monat zusätzlich frei - und das pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft. Was sich auf den ersten Blick wie ein wunderbares Sommergeschenk anhört, hat beim Kronacher Traditionsunternehmen Loewe einen ernsten Hintergrund.

"Der für uns wichtige deutsche Markt ist im ersten Halbjahr eingebrochen", erläutert Pressesprecher Roland Raithel. "Im Schnitt sank der Absatz in der Branche um zehn Prozent. Bei uns war der Rückgang zwar geringer, aber immer noch so stark, dass wir reagieren mussten." Die Folge: Wie im Zuge der Betriebsversammlung am Mittwoch öffentlich wurde, greift im Unternehmen seit rund einer Woche das Instrument der Kurzarbeit.


Bis August etwas weniger Geld

Die Rahmenbedingungen: Die 121 betroffenen Mitarbeiter der Fertigung bleiben drei Monate lang je drei Tage zu Hause. Das ist das Minimum, was mit Kurzarbeitergeld möglich ist. Dafür verdienen die Angestellten an diesen Tagen 60 Prozent ihres Nettogehalts. Handelt es sich um Mitarbeiter mit Kindern, sind es 67 Prozent.

Den großen Vorteil für das Unternehmen erläutert Matthias Klar, Pressesprecher des Arbeitsagenturbereichs Bamberg-Coburg, dem auch Kronach angehört: "Loewe überweist das Geld zwar seinen Mitarbeitern, erhält es aber nach Antrag von der Bundesagentur für Arbeit zurück.

Klar: "Die Kurzarbeit ist ein Instrument, um Kündigungen zu vermeiden und Fachkräfte zu halten. Sie ist im Regelfall auch ein Zeichen dafür, dass eine Firma damit rechnet, nach dem Ende einer Durstrecke die Produktion wieder voll hochzufahren."


Hoffnung, dass Markt einpendelt

Und genau das hat Loewe vor: "Wir wollen mit der Kurzarbeit saisonale Schwankungen ausgleichen. Die Hoffnung ist begründet, dass sich der Markt über das Jahr gesehen wieder einpendelt", sagt Raithel.

Fernseher des Premium-Segments würden schließlich nicht jeden Tag gekauft. Wer sich zur Fußball-WM einen angeschafft habe, falle beispielsweise als Kunde fürs Weihnachtsgeschäft weg.

"Erfahrungsgemäß gleicht sich der Markt aber immer wieder aus", sagt Raithel. Sorge um ihre Arbeitsplätze müssten sich die insgesamt 540 Loewe-Mitarbeiter, von denen circa 450 am Standort Kronach arbeiten, nicht machen. "Wir produzieren eine geringere Stückzahl und gleichen damit die Marktentwicklung aus."


Betriebsrat segnet Konzept ab

Thomas Bisani, einer der Loewe-Betriebsräte, trägt das strategische Konzept des Unternehmens mit. "Ich persönlich finde das nicht schlimm. Solche Situationen gibt es immer mal, das ist nichts Neues."
Der Betriebsrat sei in den für Bisani "normalen Vorgang" im Vorfeld eingebunden gewesen und habe auch zugestimmt. "Es gab keine größere Diskussion", sagt Bisani.

Dass die Einführung des Kurzarbeitergeldes ausgerechnet zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft geschehe, sei nichts Negatives. "Den WM-Effekt merken wir immer erst mit zeitlichem Versatz. Die Händler haben die Lager noch voll und müssen erst nach einigen Verkäufen bei uns nachbestellen."

Die Hoffnung auf einen Schub aus Russland hat auch Roland Raithel noch nicht aufgegeben. Außerdem erwartet er sich auch einen Verkaufsanstieg durch den Loewe-Auftritt bei der Internationalen Funk-Ausstellung (Ifa) in Berlin vom 31. August bis 5. September.


Produkte weiterentwickeln

Des Weiteren wolle das Unternehmen auch mit seiner Produktpalette neue Kunden gewinnen. "Der Fernseher wird zum Home Entertainment System." Eine wichtige Rolle spielten dabei Audiosysteme. "Wir holen die Stadionatmosphäre ins Wohnzimmer." Und auch die Vernetzung von Fernseher und Smartphone werde immer wichtiger.

Um die Zukunft ihrer Firma zu garantieren, verzichten aber nicht nur die 121 von Kurzarbeit Betroffenen auf Geld, sondern arbeiten seit vergangener Woche alle Mitarbeiter wieder zwei Stunden umsonst.


Zwei Stunden umsonst arbeiten

"Der Ergänzungstarifvertrag wurde Anfang 2017 eingeführt und auf zwei Jahre angelegt", erläutert Raithel. Dank der guten wirtschaftlichen Lage wurden die beiden unbezahlten Stunden zunächst zum 1. Januar 2018 wieder abgeschafft. Nun sind sie bis Ende des Jahres wieder eingeführt.