Nach 21 Jahren möchte Johannes Weber nicht mehr Schützenmeister sein. "Ich bin 1992 mit 41 Jahren gewählt worden. Und eigentlich wollte ich schon mit 60 Schluss machen. Jetzt bin ich 62 Jahre alt und möchte allen, die mich begleitet haben, danken", sagte Johannes Weber. Er ließ in der Hauptversammlung der Schützengesellschaft Kronach keinen Zweifel daran: Sein Entschluss, nicht mehr anzutreten, war unumstößlich.

Für den langjährigen Schützenmeister ist der Abschied nicht leicht. Aber er wird den Schützen erhalten bleiben, wird weiterhin dabei sein. "Ich habe kein Verbot, auch in Zukunft aufs Freischießen zu gehen.

Und ich werde es in Zukunft lockerer und unbeschwerter Genießen können, als wenn man mit dem gesamten Vorstand permanent, rund um die Uhr, elf Nächte lang in der Verantwortung steht", freut sich Johannes Weber im Gespräch mit unserer Zeitung schon.

Ereignisreiche Zeit
Unter Webers Ägide hat sich bei der Kronacher Schützengesellschaft unheimlich viel getan: Der Luftgewehr- und der Pistolenstand wurden überdacht, der Platz und die Anlagen wurden modernisiert. Das Schützenhaus hat neue sanitäre Anlagen bekommen, wegen des Pächterwechsels im vergangenen Jahr wurde es saniert und modernisiert.

Interview mit Johannes Weber, Schützengesellschaft Kronach by Infranken.de

"Unser größtes Handicap war immer die Säureharz-Deponie", zieht Johannes Weber Bilanz. Tatsächlich geht die Sanierung dieser Deponie nun endgültig vonstatten.

"Die Sanierung war für uns mehr als zehn Jahre wie ein Damoklesschwert, mit allen wirtschaftlichen Risiken. Jetzt sind wir nur Zuschauer, weil die Maßnahme vom Freistaat Bayern über das Landratsamt durchgeführt wird", so Weber. Er ist zufrieden, dass auch dieses Problem nun eine Lösung findet.

"Ich bin froh, dass wir auch bei unpopulären Entscheidungen zusammengehalten haben", sagt Weber und erinnert an heiße Diskussionen bei der Einführung des Krugpfandes. Das Kronacher Freischießen war das erste Volksfest Oberfrankens, das ein solches Pfand verlangt hat. Doch der Einbruch der Bierabsatzzahlen ist ausgeblieben. Längst ist das Krugpfand üblich.

Die Schützenfamilie dankte Hans Weber mit der Verleihung des Ehrenschützenmeistertitels und mit einem sehr persönlichen Geschenk: mit einem Zug in der Spur N, also winzig klein.

Die Lok hat ein Wappen der Schützengesellschaft Kronach aufgemalt - nur wenige Millimeter groß, aber dennoch gut sichtbar. Und als Waggons hängen einige Güterwagen mit der Aufschrift Niederegger Marzipan daran. Denn Marzipan ist die nächste heimliche Leidenschaft des scheidenden Schützenmeisters.

Regelmäßig auf dem Schießstand
In Zukunft tritt Rechtsanwalt Frank Jungkunz, 41 Jahre alt, in die erste Führungsriege. Er ist seit 25 Jahren bei der Schützengesellschaft und hat vor allem für die Disziplin "stehender Rehbock" auf einer Distanz von 100 Metern ein Faible. Mindestens einmal pro Woche versucht er zu schießen. Aber Schützenkönig war Frank Jungkunz noch nie. "Wenn das auf mich zukommen würde, würde ich das natürlich annehmen", will Jungkunz aber nicht zu viele Erwartungen wecken.

 


Er möchte eigentlich in die Fußstapfen Webers treten, dessen Arbeit fortführen. "Kurs zu halten, lautet meine Devise", so Jungkunz. Er ist sich bewusst, dass dies keine leichte Aufgabe wird, denn der Landkreis Kronach soll bis 2030 fast ein Viertel seiner Bevölkerung verlieren. "Das wird sicherlich auch unseren Verein und vielleicht auch das Freischießen und die Besucherzahlen treffen. Aber wenn jeder sich mal fragt, was er für den Verein tun kann und nicht, was der Verein für ihn tun kann, dann ist mir um die Zukunft nicht bange", wünscht sich Jungkunz zu seinem Amtsantritt. Und natürlich möchte er sich besonders für die Jugend stark machen.

623 Mitglieder
Bei der Jahresversammlung wurde der übrige Vorstand im Amt bestätigt.

 

Die nächsten Sanierungen und Renovierungen stehen schon wieder an, wie festgestellt wurde: So ist die Erneuerung der Elektrik und die Modernisierung der Verteilerkästen auf dem Schützenplatz abgeschlossen, doch als nächstes Projekt stehen die Reaktivierung und der Austausch der Theke im kleinen Saal des Schützenhauses an. Die Schützengesellschaft hat derzeit 623 Mitglieder. Sie ist damit der stärkste Schützenverein Oberfrankens.

Zweiter Schützenmeister Matthias Kümmet blickte auf die sportlichen Erfolge zurück. Vor allem die Jugend habe tolle Ergebnisse einfahren können. An der Deutschen Meisterschaft hätten sechs Kronacher teilgenommen, bei der Bayerischen Meisterschaft seien zwei Einzel- und drei Mannschaftstitel verbucht worden.

Auch bei den Gaumeisterschaften seien gute Ergebnisse erzielt worden: Die Kronacher Schützen hätten neun Einzel- und vier Mannschaftstitel errungen.

Ehrungen
Ehrennadel Johannes Weber zeichnete verdiente Mitglieder aus. Mit der Ehrennadel der Bayerischen Sportschützen wurden Dieter Reifenscheidt und Manfred Jäckel geehrt.

60 Jahre Treue: Hans Eichner, Dieter Helbig, Rolf Voitländer

50 Jahre Zugehörigkeit: Dieter Dressel, Hans Heinrich Grebner, Dieter Nadler, Gerwin Reh, Hans Wolf

40 Jahre Mitgliedschaft: Johann Diestler, Bernd Korb, Hartmut Nenninger, Heinrich Schneider, Christa Seidel

25 Jahre Treue: Ute Emmert, Peter Frisch, Richard Herget, Frank Jungkunz, Angelika Langold, Herbert Liebl, Martin Mainardy, Matthias Mannser, Andrea Müller, Dietmar Müller, Christian Reif, Alfred Schöfer, Hermann Wich und Julian Zaich