Die Kompostbetreiber des Landkreises Kronach erhielten am Dienstagvormittag auf dem Kompostplatz in Posseck von der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) e.V. das "RAL-Gütezeichen Kompost". Somit haben die Kompostbetreiber den Nachweis zur Durchführung der Qualitätssicherung von Dünge- und Bodenverbesserungsmitteln aus Recyclingprozessen der Kreislaufwirtschaft.


Hochwertig und unbedenklich

Seit 23 Jahren betreibt Norbert Lang seinen Kompostplatz in Posseck. Für den Landwirt ist die Kompostanlage ein zweites Standbein. Aufgrund dieses "Nebenjobs" könne er die Auslastung seiner landwirtschaftlichen Maschinen wie Schlepper, Radlader optimieren, erzählt er.
Auch seine acht Kollegen aus dem Landkreis Kronach kommen aus der Landwirtschaft. Die wertvolle Erde, die sie auf ihren Kompostplätzen erzeugen, findet in der Landwirtschaft, beim Garten- und Landschaftsbau sowie bei Hobbygärtnern Absatz.
Nun haben sich alle neun Kompostbetreiber (diese sind als Kompostring beim Maschinenring Coburg-Kronach-Lichtenfels e.V. gelistet) zertifizieren lassen. Wie der Geschäftsführer des Maschinenrings, Holger Heymann, erläuterte, sei das Ziel der Zertifizierung, den Landkreis und auch den Bürgern gegenüber zu beweisen, dass die Kompostbetreiber permanent qualitätsmäßig hochwertiges und unbedenkliches Material liefern.
Der Sprecher der Kompostbetreiber, Klaus Siegelin (er betreibt den Kompostplatz Tiefenklein), sprach den "neuen Vertrag" des Maschinenrings mit dem Landkreis an, der für weitere sieben Jahre den Kompostbe-treibern eine gewisse Sicherheit gibt. "Wir zeigen, dass wir am Ball bleiben." Er sprach von Investitionen, die in die Hand genommen worden sind, um die "Kompostplätze am Laufenden zu halten".
Rund 30 000 Kubikmeter Grüngut pro Jahr liefert die Landkreisbevölkerung nach Aussage von Holger Heymann bei den Kompostanlagen an. Bevor dieser "Abfall" wieder zur Erde wird, laufen einige Prozesse ab. Zunächst wird das Grüngut gesammelt, danach wird es gehäckselt und zu sogenannten "Mieten" aufgesetzt. Dann laufen erstaunliche Prozesse ab. Milliarden von Mikroorganismen und kleine Bodentiere beginnen damit, die verrottbaren Abfälle in wertvollen Humus umzusetzen. In den ersten Tagen vermehren sich die Bodenlebewesen rasch. Durch die Erwärmung des Kompostes entstehen Temperaturen von 50 bis 80 Grad, bei denen Krankheitskeime und Unkrautsamen abgetötet werden.


Jährliche Überprüfungen

Heymann ging auch auf das Anerkennungsverfahren für das RAL-Gütezeichen Kompost ein. Das beginnt mit der Bestätigung des Antrags durch die BGK und dauert ein Jahr. Es müssen während des Anerkennungsverfahrens Nachweise wie Stammdaten der Produktionsanlage, Prüfbericht der Erstbegutachtung der Produktionsanlagen durch Qualitätsbetreuer, der Nachweis der Wirksamkeit des Verfahrens zur hygienisierenden Behandlung vorgebracht werden. Weiterhin werden Temperaturmessungen und Proben durch neutrale Fachleute entnommen, die an die Bundesgütegemeinschaft Kompost weitergeleitet werden.
Heymann stellte klar, dass der Prozess nun mit dem RAL-Gütezeichen nicht abgeschlossen ist, sondern jährlich weiterentwickelt wird. Das bedeutet, auch künftig werden sich die Kompostbetreiber jährlichen Prüfungen unterziehen, um die Qualität des Komposts sicherzustellen.
"Ich gratuliere zu dieser Auszeichnung", erklärte Oswald Marr. Der Landrat ist überzeugt vom System im Landkreis, wie aus Grüngut wieder Erde gemacht wird: "Es ist ein Super-Ding!" Sein Vorgänger Werner Schnappauf habe diese Partnerschaft zwischen Kompostbetreibern/Maschinenring und Landkreis eingeführt und es habe sich bewährt. Er wies darauf hin, dass der Landkreis jährlich 500 000 Euro zum Unterhalt der Kompostanlagen beiträgt, damit die Bürger ihre Abfälle wohnortnah und zu jeder Zeit entsorgen und wertvolle Erde erwerben können. Marr appellierte in diesem Zusammenhang an die Bevölkerung, nur kompostierbare Materialien an den Kompostanlagen anzuliefern. Der Pressiger Bürgermeister, Hans Pietz räumte ein, die Kompostanlage in Posseck regelmäßig zu nutzen. Er dankte dem Landkreis für dieses "dezentrale System mit dem Gedanken der Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit".