Friedel Wagner war selbstständige Friseurmeisterin und führte mit ihrem Ehemann Fritz Wagner einen Friseursalon in der Strau in Kronach. Friedel Wagner (geborene Karl) erblickte in Kronach das Licht der Welt und ist in der "Strau" aufgewachsen.

Hier hatte sie von Kindesbeinen an im Friseurgeschäft der Eltern immer schon Kontakt zu anderen Menschen. Von Anfang 1960 bis Anfang 1990 führte sie selbst mit ihrem Ehemann Fritz das Friseurgeschäft in der Strau. Außerdem war die Friseurmeisterin auch als Fachlehrerin im Friseurhandwerk über 30 Jahre an der Berufsschule tätig. Mehrere Jahrzehnte war das Kronacher Urgestein in mehreren Kronacher Vereinen ehrenamtlich engagiert. Unter anderem in der Turnerschaft Kronach, im evangelischen Kirchenchor und im Gesangverein "Cäcilia".

Wie ein tiefes Loch

Die heute noch geistig vitale und sprachlich eloquente Seniorin ist immer lustig und fröhlich gewesen. Doch dann kam Corona und die damit verbundenen Einschränkungen. Sie fiel durch die Corona-Pandemie-Auflagen in ein tiefes Loch: "Corona macht einsam und verunsichert", bringt sie ihre Gefühlslage auf den Punkt. Die Tochter Evi, die selbst in einem Senioren- und Pflegeheim in Kronach tätig ist und im Seniorenkreis Kronach jahrelang ehrenamtlich engagiert war, erzählt, wie sehr ihre Mutter darunter leidet, dass sie keine Bekannten (wie auch zum Beispiel sogar in der Kirche) treffen kann.

"Alle halten Abstand und sind so unfreundlich", stellte sie einmal bei einem Einkauf fest, bei dem sie dabei war, nur um etwas anderes erleben und sehen zu können. "Sie hat mich gefragt, warum alle Menschen so unfreundlich sind. Niemand kommt her und begrüßt mich", habe sich ihre Mutter beklagt.

Andererseits sagt sie aber auch, dass sie wegen der Schutzmaske und wegen der Abstandsregeln niemanden versteht, wenn mal jemand mit ihr spricht. Andererseits hat sie aber auch Angst, dass sie jemanden ansteckt, wenn sie demjenigen zu nahekommt - alles in allem ist diese Situation für sie schwer zu verstehen. Auch die Verwandtschaft durfte sie nicht einmal am Totensonntag besuchen.

Evi bedauert diese Situation sehr. Denn soziale Kontakte gehören einfach zum Leben dazu. Gerade älteren Menschen fällt es sehr schwer Abstand zu halten und sich zuhause zu isolieren. "Meine Schwester Susanne und ich spielen mit unserer Mutter nachmittags öfters Scrabble", sagt sie. Es sei schade, finden beide, dass es keine Plattform gebe, ähnlich wie beim Schach, auf der ältere Menschen miteinander über PC spielen können, jedenfalls ist ihnen so etwas nicht bekannt.

Ausgleich Tagespflege

Ein bisschen Ausgleich finde die Mutter in der Tagespflege, die sie zweimal in der Woche besucht. Ansonsten versuchen die beiden Töchter mit viel Verständnis und Liebe sie immer wieder abzulenken und zu unterhalten. Darüber hinaus sucht Friedel Wagner aber auch Kontakt zu ehemaligen Nachbarn, Schulkameraden und Freunden von früher, von denen noch einige am Leben sein dürften. Auch wenn diese einige Jahre jünger sind, würde sich Friedel Wagner über Kontakte freuen.

"Friseurstocher aus der Strau"

Aus ihren drei Jahrzehnten Friseurtätigkeit in der Strau weiß sie noch viel zu erzählen, manches ist für die Friedel noch so nahe als sei es gestern erst gewesen, sagt die "Friseurstochter aus der Strau in Kronach" schmunzelnd, und fügt hinzu, früher sei sie nur von Kunden und Bekannten so genannt worden.

Als vor drei Jahren ihr Ehemann Fritz starb, war dies ein großer Schlag und eine enorme Umstellung in ihrem Leben, schließlich waren beide 66 Jahre verheiratet und immer zusammen.

Die Corona-Pandemie ist eine ganz andere, außergewöhnliche Herausforderung, die noch mehr das Gefühl der Einsamkeit weckt.

Wer Friedel Wagner von früher kennt und mit ihr wieder in Kontakt treten will, kann eine E-Mail an die FT-Redaktion schreiben (redaktion.kronach@infranken.de). Wir leiten die Anfragen weiter.