Im Grunde genommen gehören strenge Winter zum Erscheinungsbild des Frankenwaldes, der nicht von ungefähr das "bayerische Sibirien" genannt wird. Beim Blättern in alten Zeitungen wird der Leser schnell fündig. Besonders schlimm war es im Winter des Jahres 1928/29. Damals sank die Temperatur stellenweise bis 37,5 Grad unter Null. Überall waren - falls vorhanden - die Wasserleitungen eingefroren. Erst im Mai konnten die Rohre aufgetaut werden. Die Totengräber entzündeten nächtliche Feuer, um die Gräber ausheben zu können, denn der Boden war noch weit unter der Metermarke hart gefroren.

1942/43 wütete der Winter ebenso gnadenlos. Dies bekam insbesondere die deutsche 6. Armee unter General Paulus in Stalingrad bitter zu spüren.

Die Nachkriegsjahre, vor allem 1946 und 1947, standen ebenfalls ganz im Zeichen bitterster Kälte. Das Leben im kriegszerstörten Deutschland war regelrecht erstarrt, so auch im Frankenwald. Insbesondere sorgte der Brennstoffmangel für unangenehme Monate. In Berlin kamen schon in den ersten Kältewochen 134 Menschen um. Und die Todesliste Hamburgs zählt 85 Namen von Erfrorenen.

Die Kältewelle traf auf Menschen, die ohne ausreichenden Brennstoff und mit oft weniger als 1000 Kalorien täglich dem Winter unerbittlich ausgeliefert waren. Regelmäßige Stromsperren verschärften die Lage. Heimlich gefällte Bäume, eine zersägte Gartenbank oder ein Sack bei der Bahn gestohlener Kohlen mussten helfen. Notfalls mussten auch die Fußbodenbretter dran glauben. Innerhalb weniger Wochen verschwanden damals zwischen dem Ruhrgebiet und Süddeutschland mehr als 12 000 Zentner Kohlen. Zu Hunderten sprangen die Frierenden auf die Kohlenzüge auf, füllten ihre Säcke und warfen sie an verabredeten Stellen wieder ab.

Unangenehm wurde es auch 1954 und 1956. Selbst die Kirchturmuhren gaben auf Grund der Dauerkälte - so unter anderem auch in Haig - ihren Geist auf.

Zweistellige Minusgrade in der Region

Besonders turbulent ging es 1963 zu. Zwei Monate saß "Väterchen Frost" fest im Sattel. Die Spitzenwerte lagen bei 32 Grad unter Null. Stolze Minus 25,6 Grad meldete am 15. Januar 1963 die Coburger Wetterstation. Am 19. Januar 1963 kam es besonders dick. Ein starker Sturm brachte Schneeverwehungen bis zur Höhe von 180 Zentimetern und legte auf einigen Straßen des Frankenwaldes den Verkehr völlig lahm.

Eine besonders schlimme Situation entwickelte sich auf der Straße Kronach-Wilhelmsthal-Tschirn. Bei Hesselbach war - in nördlicher Richtung - kein Fortkommen mehr möglich. In der Gegenrichtung blieben die Fahrzeuge zwischen Lahm und Effelter im meterhohen Schnee stecken. Ein Postomnibus und ein Werksomnibus saßen von Samstagmorgen bis in die Abendstunden fest. Zu allem Unglück konnte die Schneeschleuder des Straßen- und Wasserbauamtes nicht eingesetzt werden, da die längst bestellten Ersatzteile noch nicht eingetroffen waren. Erst nach elf Stunden konnten die Hilfskräfte den Postbus wieder freischaufeln.

Auch am Samstag, 20. Januar, war die Welt noch längst nicht in Ordnung. So blieb beispielsweise Hain abgeschnitten, Burkersdorf war in der Nacht "wieder zugeweht" worden, und in Marienroth entschlossen sich die Bürger am Sonntag zur Selbsthilfe, um den Weg nach Pressig freizubekommen.

Viel Einfallsreichtum bewiesen die Wildenberger im Winter 1963, um der "weißen Pracht" Herr zu werden. Drei Bulldogs, alle mit einer Kette verbunden, zogen einen Schneepflug, auf dem etliche Wildenberger Bürger als "Ballast" standen und auf diese einfache Weise die Straße wieder für den Verkehr befahrbar machten.

Chaotische Zustände entwickelten sich in der ersten und zweiten Dezemberwoche 1981. Berstende Bäume blockierten viele Fahrbahnen und zerrissen Stromleitungen. Besonders hart traf es den Tettauer Winkel, und in den heimischen Wäldern krachte es unentwegt. Tausende von Fichten wurden durch die Schneelast entweder entwurzelten oder sie zersplitterten. Vor allem die 80- bis 100-jährigen Bestände wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.

Am Dienstag, 8. Dezember 1981, traf es den Zweigbetrieb der Polsterfirma Willi Schillig aus Frohnlach im Windheimer Zweigbetrieb besonders hart: Infolge der 63 Zentimeter hohen Schneemassen brach das mit Nagelbindern und Wellasbestplatten versehene Dach zusammen. Der Unfall ereignete sich zu Arbeitsbeginn gegen 8.30 Uhr. Die Beschäftigten hatten Glück im Unglück. Die Betroffenen hörten zunächst von der Mitte ausgehend, ein verdächtiges Knistern und Klopfen. Als diese Geräusche lauter wurden, verließen die Arbeiterinnen fluchtartig das Betriebsgebäude. Wenige Sekunden später war fast die gesamte Dachkonstruktion unter der gewaltigen Schneelast zusammengebrochen.

Fast mannshoch lag der Schnee

1993 kam es für den nördlichen Frankenwald knüppeldick. Obwohl in der Kreisstadt Kronach am Samstag, 20. Februar, die Dachziegel gut erkennbar waren, kam es im Landkreisnorden innerhalb kürzester Zeit zu einem regelrechten Schneeinferno. Binnen kürzester Zeit wurden bis zu 60 Zentimeter Neuschnee registriert. Der scharfe Wind türmte die Massen der weißen Pracht stellenweise bis zu eineinhalb Meter hoch auf. Das Resultat: 26 Menschen waren viereinhalb Stunden lang regelrecht eingeschneit. Eingeschlossen waren Personen zwischen Hesselbach und Lahm sowie zwischen Heinersberg, Nordhalben und Brennersgrün.

Entwarnung konnte erst um 4.48 Uhr gegeben werden. Die eingeschlossenen Personen wurden vom BRK versorgt. Zwischen 6 und 7 Uhr wurden dann auch die 14 Personen im Bereich des ehemaligen Grenzübergangs Lobenstein aus ihrer misslichen Lage befreit.