Streitereien zwischen Auto- und Radfahrern gehören auf unseren Straßen schon fast zur Normalität - aber woran liegt das? Die Vorurteile halten sich schon lange: Autofahrer regen sich über Radl-Rüpel auf, Radfahrer fühlen sich von zu schnellen und rücksichtslosen Autofahrern gefährdet. Dabei sind die meisten Menschen um eine friedliche Koexistenz auf der Straße bemüht. Oder doch nicht?

Immer wieder gibt es Berichte über schwere Radunfälle mit Todesfolge. Gerade unter diesen Beiträgen kommt es auf sozialen Medien häufig zu heftigen Grundsatzdiskussionen: Radfahrer beschweren sich über riskante Überholmanöver oder Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Autofahrer beschimpfen Radfahrer, fordern Sie dazu auf nur dort zu fahren, wo es Radwege gibt und manche schreiben sogar: "Selbst schuld, wenn man auf der Straße fährt." Da jeder von uns im Straßenverkehr unterwegs ist, hat jeder eigene Erfahrungen im Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern und eine Meinung zu diesem Thema. Was denken Sie?

Rad oder Auto: Eine Frage der Sicherheit?

Egal ob auf dem Weg in die Arbeit, zu Freunden, zum Einkaufen oder Fitnessstudio: Die meisten Menschen entscheiden sich meist für ein Verkehrsmittel. 

Der größte Vorteil am Radfahren ist für viele die Flexibilität: Man kann nahezu überall parken, kann jederzeit losfahren oder stehenbleiben und ist - gerade in Städten - schneller unterwegs als mit dem Auto. Trotz der Beachtung von Verkehrsregeln sind Räder deutlich wendiger und flexibler einsetzbar als Autos. Das stört manche Autofahrer, denn das Verhalten von manchen Radfahrern ist so nicht immer klar vorhersehbar. 

Die Radfahrer müssen immer wieder Angst haben: Denn manche Autofahrer achten nicht darauf, ob beim Abbiegen von hinten ein Radfahrer kommt. Sie überholen zu nah oder fahren auch über den Radweg. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass von insgesamt 88.472 Fahrradunfällen mit Personenschaden im Jahr 2018, 74,1 % der Unfälle mit einem Auto zu tun hatten. Bei 75 % dieser Unfälle war der Autofahrer Schuld. 

Zukunftsmusik: Autofreie Stadt?

Doch nicht nur die Radfahrer haben es schwer im Straßenverkehr: Autofahrer haben mit immer mehr Regulierungen zu kämpfen. Gerade die sinkende Zahl an Parkplätzen und höhere KFZ-Steuern sollen dafür sorgen, dass aus Umweltschutzgründen weniger Auto gefahren wird. 

Autofahrer zahlen nicht nur für ihr Fahrzeug, den Tank und Parkplätze - mit den fälligen Steuern tragen sie auch ihren Teil zum Erhalt und Ausbau des Straßennetzes bei. Für Radfahrer sind hier jedoch keine Abgaben fällig, obwohl sie die Straßen ebenfalls benutzen.

Bisher war es so, dass die Straßenplanung am Auto ausgerichtet war - immer mehr Regionen und Städte planen ihre Wege mittlerweile eher mit dem Fokus auf das Fahrrad. So soll der Verkehr in der Stadt entzerrt, Umweltschutz verbessert und auch für eine gesündere Lebensweise gesorgt werden. 

Fahrrad und Auto im Straßenverkehr: Lieber gemeinsam oder getrennt?

Am einfachsten wäre es scheinbar, wenn es für Autos, Radfahrer und Fußgänger separate Wege geben würde - doch das ist wegen des begrenzten Platzes meistens nicht machbar. Viele Straßen haben am Seitenstreifen einen Radweg, der lediglich durch aufgemalte Linien gekennzeichnet ist.

Viel spricht für das Rad: Die bessere Klimabilanz im Verkehr, die gesundheitlichen Aspekte durch die Bewegung und auch der vergleichsweise niedrige Anschaffungspreis sind nur ein paar Punkte für das Zweirad. Die vielen Unfälle mit Autos zeigen allerdings, dass es bis zu einem fairen nebeneinander von Rad und Auto im Straßenverkehr noch viel Handlungsbedarf gibt.