Ich habe heute zufällig die Corona-Warn-App geöffnet, weil ich nachsehen wollte, ob ich die aktuelle Version installiert habe. Ich hatte eine Begegnung mit einer Corona-infizierten Person, stand da. Das war die erste Überraschung. Die Corona-Warn-App sieht keinerlei Handlungsbedarf – das war die zweite.

„Sie hatten eine Begegnung mit einer später Corona-positiv getesteten Person“, informierte mich die App. „Ihr Infektionsrisiko wird auf Grundlage der Daten der Risiko-Ermittlung dennoch als niedrig eingestuft.“ Schau an, interessant, dachte ich mir. Wie kann das denn sein?

Corona-Warn-App: Absurde Risiko-Ermittlung

„Ein niedriges Risiko besteht insbesondere dann, wenn sich Ihre Begegnung auf einen kurzen Zeitraum oder einen größeren Abstand beschränkt hat.“ An dieser Stelle wurde ich unruhig. Kurzer Zeitraum? Was soll das denn heißen? Gilt hier noch die meiner Meinung nach höchst zweifelhafte Marke von 15 Minuten? Und der größere Abstand? Das sind vermutlich die berühmten 1,5 Meter. Was also, wenn die später Corona-positiv getestete Person und ich nur 14 Minuten lang die Köpfe zusammengesteckt haben, ist das Risiko dann folglich „niedrig“? Das ist geradezu absurd.

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Zum Glück tut die App alles dafür, mich zu beruhigen: „Sie müssen sich keine Sorgen machen und es besteht kein besonderer Handlungsbedarf. Es wird empfohlen, sich an die allgemein geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu halten.“ Puh, da hab‘ ich ja noch mal Glück gehabt! Ich leg‘ mich wieder hin und tu so, als sei gar nichts gewesen.

Unvollständige und widersprüchliche Informationen

Aber Moment mal: Macht es sich die gute Corona-Warn-App da nicht ein bisschen zu einfach? Um ehrlich zu sein, fühle ich mich gerade extrem verunsichert. Was soll ich mit dieser unvollständigen, widersprüchlichen Information anfangen? Warum steht da nicht, wann diese Begegnung wo stattgefunden hat? In einem Restaurant? Auf der Straße? Bei einem Freund? Im Büro? Apropos Büro: Ist es ratsam, mit dem Wissen um meine Risikobegegnung noch ins Büro zu gehen? Was, wenn ich mich doch angesteckt habe? Ist es ratsam, mich jetzt noch mit Freunden zu treffen? Ist es ratsam, meinen 80-jährigen Vater zu besuchen? Chef sagt „Nein!“. Freunde sagen „Nein!“. Vater sagt „Nein!“. Corona-Warn-App sagt „Ja!“.

Danke für gar nichts, Corona-Warn-App!

Wenn es nach der Corona-Warn-App ginge, würde ich all das weiterhin tun, schließlich besteht nicht der geringste Grund zur Sorge. Worin also liegt der Sinn dieser App? Worin liegt der Sinn dieser Wohlfühl-Warnung, die mich erst zutiefst verunsichert mit der Mitteilung, dass ich eine Risikobegegnung mit einer infizierten Person hatte, und mich dann einlullt wie heißer Tee und eine warme Decke an einem kalten Wintertag, weil es nichts, absolut nichts zu befürchten gibt? Kommt das Kratzen in meinem Hals von Corona oder vom Anschreien der Corona-Warn-App?

Danke für gar nichts!

Auch interessant: Alle Informationen zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland und der Welt finden Sie in unserem Corona-Newsticker.

Aktuell sind 12 Städte und Kreise in Franken Risikogebiete (Stand: 23.10.2020, 11 Uhr). Alle Informationen zur Lage in Franken finden Sie in unserem fränkischen Newsticker.

 

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