Aus einer US-Kaserne wurde ein deutsches Gewerbegebiet. Aus den Larson-Barracks der Innopark. Für Michael Klos ist es eine Erfolgsstory, die heute vor zehn Jahren ihren Anfang nahm.

„Ein bisschen größenwahnsinnig waren wir schon“, sagt Klos, wenn er auf die Anfangszeit angesprochen wird. Mit Bernhard Beck, Gründer des Photovoltaik-Unternehmens Belectric, übernahm ein ambitionierter Unternehmer die 54 Hektar große Fläche im Westen Kitzingens. „Für Kasernen hat sich damals niemand interessiert“, erinnert sich Klos, der als Projektleiter für Belectric arbeitete und seit acht Jahren Geschäftsführer des Innoparks ist. Der ist mittlerweile in die Hoch.Rein-Gruppe übergegangen, deren Mitbegründer Bernhard Beck war.

In Aschaffenburg, in Schweinfurt, in Würzburg und vielen anderen Orten standen nach dem Abzug der Amerikaner riesige Flächen leer. „Kasernen haben den Immobilienmarkt quasi überschwemmt“, erinnert sich Klos. Entsprechend zäh und schwierig war anfangs auch die Vermarktung – zumal sämtliche Gebäude erst einmal in das deutsche Baurecht überführt werden mussten. „Das hier war alles Territorialgebiet der Vereinigten Staaten“, sagt Klos und deutet auf ein überdimensionales Bild einer Luftaufnahme im Besprechungszimmer. 54 Hektar groß ist das Gebiet, 118 Gebäude sind darauf zu finden. Wohneinheiten genauso wie Sporthallen, Lagerhallen und ein Kindergarten.

Nach deutschem Recht durften all diese Gebäude nicht genutzt werden. Also mussten Klos und seine Mitarbeiter einen Flächennutzungsplan und Bebauungsplan entwerfen und für jedes Gebäude einen Bauantrag einreichen. Die modernen Vorgaben des deutschen Baurechts mussten eingehalten werden – vor allem der Brandschutz ging ins Geld. „Der hatte die Amerikaner nicht interessiert“, erinnert sich Klos. Alleine für den Brandschutz mussten pro Gebäude zwischen 300.000 und 500.000 Euro investiert werden. Für die Instandsetzung derjenigen Gebäude, die nach zehn Jahren genutzt werden können, ist ein zweistelliger Millionenbetrag ausgegeben worden. „Ein paar Löcher haben wir noch“, sagt Klos und zeigt auf einen Gebäudekomplex nicht unweit der Einfahrt. Hier hat sich seit dem Auszug der Amerikaner im Jahr 2006 noch nichts getan.

Von Anfang an legte der Innopark Wert auf eine möglichst geringe Umweltbelastung. Bis auf ein Geschäftsauto sind alle Fahrzeuge elektrisch unterwegs, 1000 Kilowattstunden beträgt die Leistung, die auf einigen Dächern und einer Freifläche im Zentrum des Gewerbeparks installiert sind. „Am liebsten würden wir uns hier ganz autark versorgen“, sagt Klos. Dafür müsste allerdings das Leitungsnetz ausgebaut werden.

Rund 70 Prozent der Fläche des Innoparks wird mittlerweile genutzt. Die Palette der Mieter reicht vom Landschaftsarchitekten über den Steuerberater hin zum Onlinehändler und etlichen Speditionen. Ab 2013 stieg die Nachfrage von Unternehmen aus ganz Franken. Die Lagerplätze sind längst vermietet, auch für Groß-Produktion ist kein Platz mehr vorhanden. Büroflächen hat Michael Klos dagegen noch anzubieten. An eine Vergrößerung des Innoparks hat er wegen der Anfragen von Industriebetrieben schon gedacht. „Aber keiner will Flächen verkaufen.“

Warum der Innopark so gut nachgefragt wird? Michael Klos muss nicht lange überlegen. Die gute Anbindung lockt Firmen an, die vergleichsweise günstigen Immobilienpreise. Parkplätze gibt es vor der Tür und Mitarbeiter finden sich in der Region. Aktuell sind 580 Menschen auf dem Gelände beschäftigt. „Tendenz steigend“, sagt Klos, der das Areal nach zehn Jahren längst nicht am Ende der Entwicklung wähnt.

Bis 2030 soll das Gelände komplett in Betrieb sein, alle Büros in Nutzung. Eine Stadt in der Stadt schwebt dem 34-Jährigen vor. Den Kindergarten möchte er gerne reaktiviert haben, die Sporthalle ist vor kurzem wieder in Betrieb genommen worden. Sie dient unter anderem den Würzburger Kickers und den Basketballern von S.Oliver als Trainingsstätte für die talentierten Jugendmannschaften. Ein zentraler Anlaufpunkt fehlt dem Geschäftsführer noch, ein Ort, an dem sich die Mitarbeiter der verschiedenen Firmen idealerweise treffen und austauschen können.

An Arbeit mangelt es Michael Klos und seinen 32 Mitarbeitern nicht. Wohnungen müssen renoviert, Konzepte entwickelt, Mieter umsorgt und Anfragen beantwortet werden. Der Innopark soll sich weiter mit Leben füllen. Die Erfolgsstory ist für Michael Klos noch längst nicht am Ende.