Klaus Sanzenbacher hat einen neuen Gast: Seit einiger Zeit kann er in seinem Garten einen Kernbeißer beobachten. Welche Vögel sich auf Büschen und Bäumen niederlassen, interessiert ihn. Klar, dass er bei der bundesweiten Aktion „Stunde der Wintervögel“ vom 5. bis 7. Januar dabei ist.

Zum 13. Mal ruft der Landesbund für Vogelschutz gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) alle Bürger auf, sich genauer anzuschauen, wer sich da an den Futterhäuschen in den Gärten herumtreibt. Eine Stunde lang soll man die Vögel beobachten und die höchste Anzahl notieren, die in diesem Zeitraum gleichzeitig gesehen wird. Diese Zahl wird dann dem LBV gemeldet.

Klaus Sanzenbacher, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, ist seit Jahren bei der Aktion dabei. Eine gute Sache, wie er findet, denn sie animiere die Bevölkerung, sich mit Vögeln zu beschäftigen. „Die Zählung der Vögel am Vogelhäuschen ist ein guter Weg dazu.“ Zudem gebe sie Aufschluss darüber, wie sich die Zahl der Vögel in Deutschland entwickle.

Der LBV bezeichnet die „Stunde der Wintervögel“ als „größte wissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands“. Die Langzeitstudie liefere Naturschützern eine Fülle wertvoller Informationen zum Schutz der Artenvielfalt. Die Zahlen, die im vergangenen Jahr gemeldet wurden, ließen allerdings die Alarmglocken schrillen. Der LBV sprach von einem massiven Bestandsrückgang bei einigen Arten. Wurden 2016 bayernweit noch durchschnittlich 40 Vögel pro Graten gezählt, waren es 2017 nur noch 33. In der Auswertung der Studie wurde als Hauptgrund für den Rückgang der geringe Zuzug an nordischen Wintergästen angegeben. Wie viele den Weg zu uns finden, hängt von der Witterung und dem Nahrungsangebot in den nordischen Ländern ab, in denen die Vögel eigentlich heimisch sind.

Mehr als 27 500 Bürger waren im letzten Jahr bei der Aktion in Bayern dabei, sie meldeten 648 293 Vögel. An der Spitze lag der Feldsperling, gefolgt vom Haussperling (Spatz) und der Amsel. Die Kohlmeise, die in den Jahren zuvor meist den Spitzenplatz eingenommen hatte, landete 2017 lediglich auf Rang vier.

Auch Bürger aus dem Landkreis Kitzingen hatten sich im vergangenen Jahr an einen ruhigen Beobachtungsplatz gesetzt und notiert, wie viele gefiederte Freunde sich am Futterhäuschen in ihrem Garten niederließen. 166 Teilnehmer waren dabei, sie meldeten dem LBV 4306 Vögel. Das waren deutlich weniger als im Jahr zuvor, als 132 Teilnehmer 4524 Vögel registrierten. Auf die Zahl der Gärten umgerechnet, bedeutet das einen Rückgang von durchschnittlich 44 auf 34 Vögel pro Garten.

Am häufigsten wurde im vergangenen Winter in den Gärten im Landkreis der Spatz gesichtet, gefolgt von der Kohlmeise und dem Feldsperling. Die Amsel nahm im Landkreis Kitzingen lediglich den 5. Rang ein.

Doch wie sieht es jetzt, zwölf Monate später aus? Das soll die Zählung der nächsten Tage zeigen. Ein besonderes Augenmerk legt der LBV dabei auf den Star, den Vogel des Jahres 2018. Der Zugvogel verbringt die kalte Jahreszeit eigentlich im Mittelmeerraum, doch in milden Wintern wie in diesem Jahr spart er sich den gefährlichen Flug in den Süden, so Martina Gehret vom LBV in einer Mitteilung der Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein. Da sich die Bedingungen in der kalten Jahreszeit bei uns geändert haben, finde er zuhause noch genügend Nahrung. Das habe sich 2015 gezeigt, als so viele überwinternde Stare wie nie zuvor im Freistaat gezählt wurden. Die Zahlen 2017 bestätigten den Trend.

Klaus Sanzenbacher hat Mitte November angefangen, die Vögel in seinem Garten zu füttern und beobachtet vom ersten Tag an interessiert, welche Tiere das Angebot am Futterhaus annehmen. Blaumeisen hat er gesichtet, Kohlmeisen, den Spatz und eben erstmals auch den Kernbeißer. Die Amsel dagegen sieht er nicht mehr so häufig wie in den vergangenen Jahren.

Auch er beobachtet, dass die Zahl der Vögel je nach Art teilweise rapide abgenommen hat. „Je spezialisierter die Art, desto größer ist der Rückgang“, sagt Sanzenbacher. Die Feldlerche beispielsweise leide unter der intensiven Agrarnutzung. „Außer Raps im Mai und ein bisschen Löwenzahn blüht nichts mehr.“ Das wirke sich auf den Insekten- und damit auf den Vogelbestand aus. Wenn Wiesen trockengelegt würden, habe das Einfluss auf den Bestand an Blaukehlchen, nennt der LBV-Vorsitzende im Landkreis ein weiteres Beispiel.

Einen Rückgang gebe es auch bei den Rebhühnern – und dem versucht man gemeinsam mit den Jägern im Landkreis zu begegnen. „Es wurden Futterstellen eingerichtet, die werden gut angenommen.“ In den letzten beiden Jahren trat zudem verstärkt das Amselsterben auf, das wohl auf einen Virus zurückgeht. „Vor allem in den Städten gibt es außerdem viel weniger Spatzen“, so Sanzenbacher, „allein durch die Wärmedämmung an den Häusern“. Sie verhindert, dass Spatzen ihre Nester bauen können. Zwar würden stattdessen Nistkästen aufgestellt, aber das sei „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Die Situation für die Vögel zu verbessern, dazu könne jeder einzelne Bürger beitragen. Man solle ein bisschen mehr Unordnung im Garten dulden, appelliert Sanzenbacher. Die Landwirte sollten nicht ganz so oft mulchen. Denn wer dafür sorgt, dass mehr blüht, tut den Vögeln Gutes. Und kann im nächsten Jahr vielleicht wieder mehr gefiederte Freunde am Futterhaus zählen.

Mitmachaktion: Die Stunde der Wintervögel

So funktioniert die Aktion: Von einem ruhigen Beobachtungsplätzchen aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen können im Internet unter www.stunde-der-wintervoegel.de bis zum 15. Januar gemeldet werden, die Ergebnisse werden dort ausgewertet. Unter dieser Adresse kann auch eine Zählhilfe heruntergeladen werden. Auch per Post (Einsendeschluss ist der 15. Januar 2018) und Telefon (kostenlose Rufnummer am 6. und 7. Januar von 10 bis 18 Uhr: 0800/115-7-115) ist die Meldung möglich, teilt der LBV mit.