Er sei ein „Nerd“, was Autos angeht, sagt Matthias Bauer über sich. Er will nicht nur genau wissen, wie etwas funktioniert, sondern auch, warum es wie funktioniert. Dahinterblicken, nachfragen, lernen – sein Wissensdurst ist schier unersättlich. Das hat sich jetzt doppelt ausgezeichnet.

Vorsichtig holt Bastian Birnack eine große gläserne Eins aus einem Karton. Es ist der Ausbildungspreis 2020, den er kürzlich von der Kfz-Innung Unterfranken überreicht bekam. Nachgereicht, weil die übliche Freisprechungsfeier dem Corona-Virus zum Opfer fiel. Die Eins steht dafür, dass in diesem Betrieb der beste Auszubildende des Jahrgangs in ganz Unterfranken gelernt hat. In diesem Jahr war das Matthias Bauer. 363 weitere Auszubildende ließ er hinter sich.

Matthias Bauer kommt aus Hüttenheim, ist 31 Jahre alt und hat schon immer gern an Autos geschraubt. Trotzdem hat er mit 20 erst mal eine Lehre zum Industriemechaniker absolviert. Doch mit den Jahren wurde ihm klar: „Das ist irgendwie nicht meine Welt.“ Über einen Kumpel, der bei Birnack arbeitet, kam er auf die Idee, sich mal genauer über den Job des Kfz-Mechatronikers zu informieren. „Und dann bin ich reingerutscht“, sagt Matthias Bauer und lacht. Reingerutscht mitten in eine Welt voller Motoren und Elektronik, Technik und Öl, Kabeln, Reifen und vielen, vielen Einzelteilen, aus denen sich ein Auto zusammensetzt. „Aus den ganzen einzelnen Teilen etwas Funktionierendes zu bauen oder etwas zu reparieren, das fasziniert mich“, sagt er. „Und jemandem zu helfen, der ein Problem hat.“

Die zunehmende Technisierung, die vermehrte Elektronik, die Einführung von E-Autos und Hybrid-Modellen, all das hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Autos komplizierter geworden sind. Je mehr Technik, desto mehr Wissen muss ein Kfz-Mechatroniker haben. Wer glaubt, mit dem Anstöpseln eines Laptops und dem Auslesen des Fehlerprotokolls sei der Großteil getan, der irrt. Es schränkt lediglich die Suche ein, ganz genau finden und dann beheben muss das Problem immer noch der Mitarbeiter in der Werkstatt. „Früher, beim Käfer, gab es drei große Problemfelder: Zündanlage, Vergaser oder was mit dem Kraftstoff“, blickt Bastian Birnack zurück. „Heute gibt es 1000 Sachen, die der Grund sein können, dass etwas nicht funktioniert.“

Dass etwas nicht stimmt, merkt der Fahrer oft erst mal nur durch ein Piepsen oder eine Warnleuchte. Diese Warnungen sollte man ernst nehmen. Sie zu ignorieren, kann teuer werden und teure Rechnungen übergibt auch Kfz-Meister Birnack nicht gern. Das Problem in der Werkstatt zu erkunden und zu beheben, dieser Herausforderung stellt sich Matthias Bauer gern. Knifflig, schwierig, das ist sein Ding. Er mag die abwechslungsreiche Tätigkeit. Sechs, sieben verschiedene Arbeiten fallen täglich mindestens an. Mal geht es um einen Motorschaden, mal um Unfallinstandsetzung, um Bremsen, Ölwechsel, eine Achsvermessung.... „Reifenwechseln finde ich nicht so schön“, gibt Bauer auf Nachfrage zu. Eine Aussage, die sein Chef mit einem Lachen quittiert, das Verständnis ausdrückt. Zwei Monate im Frühjahr, zwei Monate im Herbst werden in der Werkstatt ganz viele Reifen gewechselt, oft von morgens bis abends. Keine allzu abwechslungsreiche Zeit, aber etwas, das eben dazugehört zum Job in der Werkstatt. Und was zudem auch nicht mehr so einfach ist wie früher. Die Elektronik muss angepasst werden, wenn neue Reifen montiert sind. Zudem kann so ein Reifen bei modernen SUVs 30 bis 35 Kilo wiegen. „Das Fitnessstudio können wir uns in der Zeit sparen“, sagt Bastian Birnack.

Zweieinhalb Jahre hat die Ausbildung von Matthias Bauer gedauert. Kürzer als die normale Ausbildungszeit, weil er schon einen Beruf gelernt und das Fachabitur gemacht hatte. Seine erste Ausbildung kam ihm zugute: Vieles in Sachen Materialkunde war ihm nicht neu. „Wie dehnt sich Metall aus, wann reißt eine Schraube.... Das wusste er schon alles“, so Birnack – und trotzdem sei der Wissensdurst von Matthias Bauer nach wie vor groß. Neben der Ausbildung im Betrieb und der Schule liest er zuhause viele Berichte und Fachzeitschriften, informiert sich im Internet, studiert Zeichnungen. „Ich schau überall rein, wo ich Wissen herkrieg.“ Und im Betrieb fragt er nach wie vor viel nach, will alles genau wissen. Den Kfz-Meister Bastian Birnack, der den von seinem Großvater Herbert Birnack 1949 gegründeten und dann von seinem Vater weitergeführten Betrieb seit 2017 leitet, freut das. Ihm ist es wichtig, gute Mitarbeiter auszubilden und dann auch zu behalten. Daher findet er es super, dass Matthias Bauer auch jetzt, nach der Ausbildung, weiter bei Birnack bleiben will.

Obwohl er gern und viel lernt, hat Bauer aber überhaupt nicht damit gerechnet, Prüfungsbester in ganz Unterfranken werden zu können. Direkt nach der Prüfung hat Birnack ihn gefragt, wie es gelaufen ist. „Ich hab' bestanden, aber ob es gut wird, weiß ich nicht“, hat er geantwortet. Eine Skepsis, die nicht angebracht war. Die gläserne Eins ist der Beleg.