Es wird der erste offizielle Termin seit dem 14. März sein. Irina und Mirja Reuß freuen sich darauf wie kleine Kinder. „Es ist ein gutes Gefühl, dass es endlich wieder losgeht“, sagen die beiden s. Oliver Würzburg Dancers. „Wir sind gespannt, welche Mädchen sich bei uns melden, wo sie herkommen und was sie schon drauf haben.“ Die beiden Wiesentheiderinnen haben akribisch auf diesen Moment hingearbeitet: Auf die „Tryouts“ – das große Cheerleader-Casting in Würzburg.

Die Bezeichnung „Cheerleader“ mögen die beiden Schwestern eigentlich nicht. Sie transportiert ein Bild, von dem sich die sportlichen, athletischen und tänzerisch äußerst begabten jungen Frauen entschieden distanzieren. Das gilt auch für Pauline Günzel. Die Kitzingerin muss schmunzeln, als sie nach dem Kontakt zu den Spielern gefragt wird. „Man trifft sich beim Spiel, man klatscht sich ab. Mehr ist da nicht“, erklärt die 19-Jährige, deren Freund fast immer auf der Tribüne der Arena saß, wenn sie unten tanzte. „Er ist sehr stolz auf mich, genauso wie meine ganze Familie.“ Allen voran der große Bruder Jakob, der von je her beim Basketball mitfiebert – inzwischen auch speziell in Würzburg. Er war es auch, der Pauline auf die Dancers aufmerksam machte. „Sie haben bei einem Heimspiel dafür geworben, Jakob hat mir das erzählt und ich habe gleich Kontakt aufgenommen.“

30 unterschiedliche Choreografien

Persönlich hatten sich die Mädchen bis zu den Tryouts 2019 nicht gekannt, die sportlichen Grundlagen waren aber dieselben: Wie die beiden Reuß-Schwestern betrieb Pauline Gardetanz, seit sie sechs Jahre alt war, in der Schule ging sie zum Voltigieren und Turnen. Und auch sonst hielt sie sich gerne fit. Gute Voraussetzungen also für einen Platz im Team der Dancers. „Ich hatte anfangs Probleme, in die Tänze rein zu kommen“, erinnert sie sich. „Inzwischen habe ich sie aber gut drauf und es macht mir einfach unheimlich viel Spaß.“ Zu viel wurde ihr das Ganze nie. „Ich war immer heiß auf die Spiele, auch aufs Training. Das gehört eben dazu.“

30 unterschiedliche Choreografien müssen die jungen Damen schließlich beherrschen, Irina Reuß hat sie zusammen mit ihrer Schwester Mirja entwickelt. An jedem Spieltag kommen andere zum Einsatz. „Je nachdem, wie viele Dancers dabei sind“, weiß Irina Reuß. „Zwölf müssen es mindestens sein.“ Und so ist es nur folgerichtig, dass auch in diesem Jahr wieder neue Mitglieder gesucht werden. Die ein oder andere verlässt Würzburg, manche haben ihr Abitur in der Tasche, beginnen ein Studium oder verändern sich beruflich. Zudem gibt es immer mal wieder private Termine, die sich mit den Heimspielen kreuzen. „Da brauchen wir schon einen guten Stamm an Tänzerinnen.“

Eine davon ist die Albertshöferin Jenny Endres. Sie hat, bis zu einer Auslandsreise im Februar, kaum ein Training, geschweige denn einen Auftritt verpasst – und war wie vor den Kopf gestoßen, als nach ihrer Rückkehr gar nichts mehr ging. „Ich habe die Mädels noch mal sechs Wochen länger nicht gesehen und ich muss sagen, mir fehlt wirklich etwas.“ Das zwischenzeitliche Gruppentraining via Skype war da kein echter Ersatz. „Es hat schon ganz gut geklappt, aber zusammen im Trainingszentrum fühlt es sich einfach viel besser an.“ Die 21-Jährige fühlt sich im Team pudelwohl, hat die Zeit mit den Kolleginnen immer in vollen Zügen genossen. „Wenn man sich jeden Tag sieht, dann ist es schon irgendwann anstrengend.“ In der Anfangszeit war das so, es gab ein Trainingslager und viele Termine, zum Beispiel beim Stadtfest, um sich dem Publikum zu präsentieren. Letztendlich hat aber genau dieses Ziel die Truppe auch immer wieder vereint: die Auftritte in der s. Oliver-Arena. „Ich hatte meine ganze Familie schon in der Halle dabei, sogar meine Oma“, erzählt die Albertshöferin. „Sie haben sich alle so gefreut, mich dort tanzen zu sehen.“ Für sie gibt es keine Alternative mehr. Sie will auf jeden Fall dabeibleiben.

Schichtbetrieb bei den Tryouts

Auf die Anwärterinnen dürfte sie genauso gespannt sein wie Irina und Mirja Reuß. In zwei Schichten wollen sie die Mädchen empfangen, ihnen verschiedene Tänze zeigen und dann innerhalb von gut zwei Stunden entscheiden, wer neues Teammitglied der s. Oliver Würzburg Dancers wird. „Man sieht relativ schnell, wer das Zeug dazu hat und wer nicht“, weiß Irina Reuß. Die intensive Arbeit mit den Mädchen in der Gruppe, ein Casting, wie es letztes Jahr ablief, wird es 2020 nicht geben. Auch danach sollen sich die Neuen mit den etablierten Dancers in Kleingruppen treffen, um die Tänze einzuüben. „Wir müssen die weiteren Lockerungen abwarten“, erklärt Irina. Sie ist froh, dass jetzt zumindest die Tryouts stattfinden können. Und hofft auf viele Bewerbungen.

Wann sich die Dancers wieder vor Publikum beweisen dürfen, steht noch nicht fest. Zusammen mit der Deutschen Eishockey-Liga und dem Deutschen Handballbund sind die Verantwortlichen der Basketball-Bundesliga gerade dabei, ein Konzept für den Spielbetrieb der Hallensportarten zu erstellen. „Wir trainieren einfach auf gut Glück, in der Hoffnung, dass irgendwann wieder Normalität einkehrt“, sagt Irina Reuß. Eine Normalität mit etwa zehn Stunden s. Oliver Würzburg Dancers die Woche. Darauf freuen sie sich alle wie kleine Kinder.

Tryouts 2020

Wer an den Tryouts am Sonntag, 12. Juli, im Trainingszentrum von s. Oliver Würburg teilnehmen möchte, sollte sich im Vorfeld über Instagram oder per Mail an dancers@soliver-Würzburg.de melden. Die Bewerberinnen sollten frühestens 2002 geboren sein. Spaß am Tanzen ist die wichtigste Voraussetzung, akrobatische Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich.