Jeder Mensch ist auf der Suche nach dem Glück. Stephan Landsiedel hat es gefunden. Und er verrät, wie wir alle dem Glück ein ganzes Stück näher kommen.

Frage: Wie haben Sie Ihr Glück gefunden?

Stephan Landsiedel: Dank einer Lebenskrise. Das passiert ja häufig, dass Krisen Auslöser sind, etwas zu ändern.

Wie alt waren Sie?

Landsiedel: 17.

Eine Lebenskrise mit 17?

Landsiedel: Ich war unsterblich verliebt und wollte mir das Leben nehmen.

Und dann?

Landsiedel: Dann habe ich mich mit der Psychologie beschäftigt und gemerkt, dass ich etwas ändern kann. Stück für Stück. Und diese Erfahrung wollte ich weitergeben.

Kann man das Glück erzwingen?

Landsiedel: Man kann viel dafür tun. Letztlich kann jeder glücklich leben.

Auch wenn man Pech in seiner Kindheit hatte? Geschiedene Eltern, vielleicht sogar Todesfälle?

Landsiedel: Absolut. Ungünstige Voraussetzungen sind ja eher die Regel als die Ausnahme. Aber gerade Leute mit traumatischen Erfahrungen können glücklich werden. Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben.

Wie bitte?

Landsiedel: Eine Kindheit ist nichts Abgeschlossenes. Man kann mit den Erlebnissen und Erfahrungen arbeiten, beispielsweise mit Hilfe einer Timeline.

Wie funktioniert das?

Landsiedel: Man geht gedanklich zurück in die Vergangenheit. Das ruft schmerzvolle Erinnerungen hervor. Der Fokus liegt aber auf der Frage, was damals gebraucht worden wäre. Hoffnung? Liebe? Vertrauen? Vielleicht alles zusammen? Genau das bekommen die Menschen durch diese Methode quasi nachträglich. Sie können die Angst von damals oder die Hoffnungslosigkeit loslassen.

Und dann kann ich irgendwann auf meinem Totenbett glücklich auf mein Leben zurückschauen?

Landsiedel: So einfach ist das nicht. Wissen Sie, was Sterbende am meisten bereuen? Dass sie ihren eigenen Weg nicht schon früher gefunden haben. Dass sie zu lange auf ihre Eltern, den Chef, die Kollegen gehört haben. Es ist natürlich tragisch, wenn einem so etwas erst kurz vor dem Tod klar wird.

Wie kann man sich denn vorher dessen bewusst werden?

Landsiedel: Durch die Löffelliste.

Wie bitte?

Landsiedel: Ich liste all die Dinge auf, die ich tun möchte, bevor ich den Löffel abgebe. Oder ich beginne eine Fantasiereise in die Zukunft. Bin ich erfüllt, wenn ich so weiter lebe? Bin ich glücklich? Wenn nicht, ist es dringend Zeit, etwas zu verändern.

Veränderungen sind schwierig.

Landsiedel: So ist das. Wir schieben alle etwas vor uns her. Aber wenn ich glücklich leben will, dann muss ich aktiv etwas dafür tun, beispielsweise Dankbarkeit gegenüber dem Leben empfinden.

Wofür sind Sie dankbar?

Landsiedel: Für den Schicksalsschlag von damals. Das war der Beginn eines zweiten Lebens. Eines selbstgestalteten Lebens.

Kann man sich Dankbarkeit antrainieren?

Landsiedel: Natürlich. Es gibt eine ganz einfache Technik: Wer sich jeden Tag zehn Minuten Zeit nimmt, um sich die Höhepunkte des Tages aufzuschreiben, der ist im Alter glücklicher. Das ist mittlerweile tausendfach wissenschaftlich bewiesen. Deshalb: Schreiben Sie ein Glückstagebuch.

Klingt einfach.

Landsiedel: Ist aber nicht so leicht, wie Sie denken. Man braucht dafür Willen und Ausdauer.

Manche Menschen haben diesen Willen, andere nicht. Manche haben Spaß am Leben, andere hadern und verzweifeln. Hat das Glück nicht etwas mit unsere Persönlichkeit zu tun? Mit unseren Genen?

Landsiedel: Es gibt viele Tests, die uns genau dieses Ergebnis liefern. Aber ich bin skeptisch. Viele Menschen wollen ihr Muster ja gar nicht durchbrechen und dann ist es logisch, dass solche Testergebnisse herauskommen. Ich kann meine Persönlichkeit ändern. Aber das muss ich wollen. Und ich muss etwas dafür tun.

Was?

Landsiedel: Die meisten Techniken basieren auf unserer Vorstellungsfähigkeit. Sportler stellen sich vor, wie sie einen Weltrekord laufen, Redner stellen sich vor, wie sie auf der Bühne stehen. Unglücklicherweise stellen sich manche Menschen, die abnehmen wollen, vor, wie sie zum Kühlschrank gehen, um sich Schokolade zu holen. Was passiert in meinem Kopf? Ein innerer Dialog entsteht. Den kennt jeder. Und den kann man beeinflussen. In jeder Lebenslage.

Haben Sie ein Beispiel?

Landsiedel: Ich war früher extrem schüchtern. Der eine Gedanke lautete: Sprich die hübsche Frau doch mal an. Der anderer Gedanke sagte: Du blamierst dich bloß. Man kann lernen, mit diesem Dialog etwas zu machen. Verändern Sie mal Ihre Stimme und sprechen den zweiten Gedanken wie Micky-Maus. Das Ergebnis: Sie müssen lachen und denken darüber nach, doch auf die fremde Person zuzugehen.

Und wenn der Kontakt in die Hose geht?

Landsiedel: Das wäre natürlich fatal. Aber tatsächlich ist es doch so, dass die meisten Leute positiv reagieren, wenn jemand auf sie zugeht. Schon habe ich eine gute Referenzerfahrung und traue mich wieder. Das Selbstbewusstsein wächst nach und nach.

Je selbstbewusster, desto glücklicher?

Landsiedel: Selbstbewusstsein darf nicht in Arroganz umschlagen. Aber jeder Mensch blüht auf, wenn er seine Stärken einsetzen kann. Das wird auf der Arbeit leider viel zu oft unterdrückt.

Es heißt immer: Man sollte an seinen Schwächen arbeiten?

Landsiedel: Psychologisch gesehen ist das grundlegend falsch. Das Prinzip lautet: Die Stärken stärken.

Deshalb macht der Mathe-Unterricht manche Kinder nicht gerade glücklich?

Landsiedel: In der Schule geht es manchmal nicht anders, aber auch hier wäre es besser, viel mehr Zeit auf die Stärken der jeweiligen Kinder zu verwenden. Stellen Sie sich vor, ein Kind ist in Mathe schlecht, muss dann vielleicht auch noch Nachhilfe am Nachmittag nehmen. Es beschäftigt sich einen Großteil seiner Zeit mit Sachen, die es unglücklich machen. Eventuell bekommt es auch noch Angstzustände. Die Zeit wäre besser investiert in Dinge, an denen das Herz des Kindes hängt: Das kann Kunst sein oder Musik oder Sport.

Das heißt: Um glückliche Kinder groß zu ziehen, müssten wir das Schulsystem ändern?

Landsiedel: Wir sollten es zumindest dahingehend überdenken, immer die besonderen Fähigkeiten der Kinder zu fördern.

Sonst ist der Glückszug abgefahren?

Landsiedel: Nein, das Gute ist ja: Wenn wir ein starkes Motiv haben, dann können wir viele Dinge wieder aufholen.

Indem wir immer wieder die innere Stimme in unserem Kopf manipulieren.

Landsiedel: Klar. Es geht immer um die Struktur des Denkens. Vor einem Gespräch macht es Sinn, sich in den Gesprächspartner hineinzudenken, seine Perspektive einzunehmen. Dadurch kann ich mich auch selber besser kennenlernen. Ich bin davon überzeugt: Je mehr Menschen solche Methoden anwenden, desto besser wird die Welt. Dieser Gedanke treibt mich an.

Zur Person

Stephan Landsiedel ist in Wiesentheid aufgewachsen. Er Gründer von Landsiedel NLP Training, einem Institut für Neuro-Linguistisches Programmieren mit über 30 Standorten. Der Diplom-Psychologe ist Autor von zahlreichen Büchern und Hörbüchern. Seit über 15 Jahren ist er NLP-Ausbilder. Er gehört mit über 2500 durchgeführten Seminartagen zu den erfahrensten NLP-Trainern weltweit. Firmensitz ist in der Friedrich-Ebert-Straße 4 in Kitzingen.