Ein „R“ macht den Unterschied. Wer einen Wiesen-Bärenklau pflückt, dem passiert nicht viel. Wer sich aber an einem Riesen-Bärenklau vergreift, für den brechen schmerzhafte Zeiten an.

Gelangt der Saft der Pflanze auf die menschliche Haut, gibt es eine phototoxische Reaktion. Das heißt: Je stärker die Sonne scheint, desto mehr Blasen bilden sich. Die Haut sieht aus, wie nach einer schlimmen Verbrennung – und tut auch so weh.

„Das kann dramatisch sein“, warnt Markus Schmitt, Geschäftsführer des Kitzinger Landschaftspflegeverbandes (LPV). Um ahnungslose Bürger zu schützen, will Schmitt sie für die Gefahren am Wegesrand und auf der Wiese sensibilisieren. Zudem will er die Bestände der gefährlichen Pflanzen erfassen.

„Reizende“ Landkreisbewohner

Denn der Riesen-Bärenklau ist nicht der einzige grüne Landkreisbewohner, der Probleme macht. Auch das Jakobskreuzkraut, das sich durch die wärmeren Temperaturen immer mehr ausbreitet, wirkt toxisch.

Die prächtig blühende Pflanze breitet sich, wie in vielen Gebieten Deutschlands, auch im Landkreis Kitzingen aus. An Weg- und Straßenrändern, an Bahndämmen sowie auf Wiesen und Weiden leuchten die sonnengelben Blüten um die Wette. „Dies wäre in unseren oftmals blütenarmen Fluren ja zu begrüßen – immerhin leben bis zu 170 verschiedene Insektenarten an oder von der Pflanze. Aber leider enthält sie eben auch Giftstoffe“, betont Markus Schmitt. Diese Gifte machen Weidetiere krank, insbesondere Pferde. Die Stoffe reichern sich in der Leber an und können sogar zum Tod des Tieres führen.

Dabei ist die frische Pflanze gar nicht so furchteinflößend: Sie schmeckt sehr bitter und wird von Tieren deshalb meist gemieden. Gefährlicher ist das Jakobskreuzkraut, wenn es zu Silage oder Heu verarbeitet wird. Die Bitterstoffe werden durch die Konservierung abgebaut, die Giftstoffe bleiben aber enthalten. „Um der Vergiftung von Weidetieren vorzubeugen, muss eine Ausbreitung der Pflanze verhindert werden“, macht Markus Schmitt deutlich.

Damit Standorte mit großen Vorkommen vom Landschaftspflegeverband und der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises kartiert werden können, bittet das Landratsamt um Mithilfe. „Wir hoffen, dass Landwirte und Bürger große Bestände bei uns melden. Einzelne Pflanzen im eigenen Garten können problemlos selbst entfernt werden. Sie müssen nicht gemeldet werden“, stellt Schmitt fest und gibt tatkräftigen Bürgern auch gleich Tipps mit auf den Weg: „Zum Ausreißen am besten wasserfeste Gartenhandschuhe anziehen, um Hautreizungen zu vermeiden. Die Pflanze möglichst mit Wurzeln ausreißen und in der Restmülltonne entsorgen.“

„Ausreißer“ mit Ganzkörperschutz

Als Restmüll, der verbrannt wird, soll laut Schmitt auch der Riesen-Bärenklau entsorgt werden. Mit einem Bufdi und einem Praktikanten fährt Schmitt alle bekannten Wuchsstellen im Kreis Kitzingen ab. „Spätestens nach der Blüte reißen wir die Pflanzen aus.“ Mit Handschuhen, langen Hemden und Hosen schützen sich die Männer bei der Arbeit. „Wichtig ist, dass wir die Pflanzen erwischen, bevor die Samen reif sind.“ Der Riesen-Bärenklau würde sich sonst riesenhaft vermehren – jede Pflanze bildet tausende gut schwimmfähige Samen.

Wie kommt der bis zu vier Meter hoch wachsende Doldenblütler eigentlich in unsere Gegend? Markus Schmitt weiß die Antwort: „Es war wohl so, dass unter anderem Imker die Pflanze gezielt ausgesät haben, ohne zu wissen, wie gefährlich sie sein kann.“ Ab Anfang Juli blühen in der Flur nur noch wenige Pflanzen. „Da war der Riesen-Bärenklau mit seinen großen Blütendolden als Trachtpflanze willkommen.“

Mittlerweile gibt es überall im Landkreis Stellen, an denen der Riesen-Bärenklau gedeiht – vorwiegend auf Wiesen und an Wegrändern. Panik soll deshalb aber nicht aufkommen. Markus Schmitt: „Solange man die Stängel und Blätter nicht berührt, passiert einem ja nichts.“ Durch seine gezackten Blätter und die ausgeprägten Dolden mit unzähligen weißen Blütchen ist der Riesen-Bärenklau relativ einfach zu erkennen. Vom harmlosen Engelwurz und dem ebenfalls ungiftigen Wiesen-Bärenklau unterscheidet er sich allerdings im Wesentlichen nur durch die Größe. Markus Schmitt rät: „Im Zweifelsfall lieber Hände weg!“

Auch das sonnengelbe Jakobskreuzkraut hat Doppelgänger. Es sieht zum Beispiel den völlig ungefährlichen Johanniskräutern ähnlich. Deshalb bittet Markus Schmitt alle Bürger, ganz genau hinzuschauen. „Gemeinsam bekommen wir die Ausbreitung in den Griff.“

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Achtung vor diesen Pflanzen

Neophyten: So bezeichnet man Pflanzen, die aus verschiedenen Teilen der Welt nach Deutschland einwanderten oder bewusst eingeführt wurden. Etwa 30 Neophyten bergen hierzulande gesundheitliche Gefahren für Mensch und Tier. Riesen-Bärenklau: „Heracleum mantegazzianum“ – Riesen-Bärenklau oder auch Herkulesstaude genannt – ist eine mehrjährige krautartige Pflanze, die aus dem Kaukasus stammt und im 19. Jahrhundert als Zier- und Trachtpflanze nach Mitteleuropa eingeführt wurde. Sie wird bis zu vier Meter hoch und besiedelt Äcker, Wiesen, Parks und Wegränder. In Verbindung mit Sonnenlicht bildet sie toxische Substanzen. Bei Menschen und anderen Säugetieren kommt es nach Berührung von Stängel oder Blättern zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen auf der Haut. Jakobskreuzkraut: In der bis in den Herbst hinein sonnengelb blühenden Pflanze sind Giftstoffe enthalten, die sich in der Leber von Weidetieren, insbesondere Pferden, anreichern und sogar zum Tod der Tiere führen können. „Senecio jacobaea“ sieht den ungefährlichen Johanniskräutern und dem Rainfarn ähnlich. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 30 bis 100 Zentimetern. Die Stängel sind oft rötlich gefärbt, die Blätter tief gefiedert und an der Unterseite schwach behaart. Die Blütenstände sind in Doldentrauben angeordnet, aus 15 bis 20 Millimeter großen, gelben Korbblüten mit Zungenblüten am Rand und Röhrenblüten im Zentrum. Fragen und Meldungen: Landschaftspflegeverband Kitzingen, Kaiserstraße 4, Tel. (0 93 21) 9 28 62 30, E-Mail: markus.schmitt@kitzingen.de *ldk*