Sie verfolgen das gleiche Ziel: Menschen in Not helfen. Und dennoch ist es jetzt zu einem Missverständnis gekommen.

Anruf von Manfred Seigner in der Redaktion: Der Vorsitzende der Tafel in Kitzingen möchte etwas klarstellen. Ein Artikel in dieser Zeitung hat ihm und seinen Mitstreitern nicht gefallen. Zumindest einige Aussagen nicht. Am 25. November berichteten wir unter der Überschrift „Wer kommt, der bekommt“ von einem ökumenischen Projekt mit dem Titel „Weihnachten im Einkaufswagen“.

Der katholische Pfarrer Gerhard Spöckl und sein evangelischer Kollege Thilo Koch sowie Bürgermeisterin Astrid Glos haben die Idee ins Leben gerufen. In drei Kitzinger Lebensmittelläden können die Kunden Sachspenden für Bedürftige kaufen und in einen bereitgestellten Wagen legen. „Warum reden wir im Vorfeld so einer Aktion nicht miteinander?“, fragt Seigner und ist überzeugt: Gemeinsam hätte man mehr bewegen können. Die Kitzinger Tafel gibt es seit dem Mai 2003. Ihr Anliegen: Bedürftige Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Gebrauchs versorgen. Dafür fahren die Mitarbeiter etwa 15 Lebensmittelläden, Gärtnereien oder Bäckereien im gesamten Landkreis an und teilen die gespendeten Waren jeden Mittwoch und Samstag gegen einen kleinen Obolus aus. Wer von dem Konzept profitieren will, der muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Unterlagen vom Sozial- und Einwohneramt müssen beispielsweise vorgelegt werden. „Die Frage ist doch, ob jemand wirklich hilfsbedürftig ist“, sagt Seigner. Entsprechend erstaunt war er über die Ankündigung im Zeitungsartikel, dass es bei der Ausgabe der Spenden von „Weihnachten im Einkaufswagen“ keine „peniblen Kontrollen“ geben solle. „Das hat mir und meinen Mitarbeitern schon aufgestoßen“, gibt er zu. Die Mitarbeiter der Tafel wurden in dem Artikel nicht genannt – fühlten sich aber angesprochen. Seigner verteidigt das Vorgehen: Die Kontrollen bei der Tafel seien zum Einen vom Bundesverband vorgeschrieben, zum Anderen machten sie auch Sinn. „Wir wollen schließlich diejenigen erreichen, die Hilfe auch wirklich nötig haben.“ Penibel seien die Kontrollen keineswegs, seine rund 50 Mitarbeiter schon gleich gar nicht. Die seien für ihren Einsatz und ihre Großherzigkeit bekannt.

Die Aktion der beiden Kirchen findet Seigner grundsätzlich schön und wichtig. „Aber die Frage ist doch, was danach kommt.“ Die Hilfe der Tafel sei jedenfalls langfristig angelegt. Und daran könnten sich die beiden Kirchen gerne beteiligen. „Zumal sie anscheinend über genug ehrenamtliche Helfer verfügen“, so Seigner. Sein Wunsch für die Zukunft: Gemeinsam an einem Strang ziehen, zusammen Projekte auf die Beine stellen. „Und nicht gegeneinander arbeiten.“

Das – so darf man den Initiatoren von „Weihnachten im Einkaufswagen“ getrost unterstellen – war auch sicherlich nicht deren Ansinnen.