Für Petro Schiller ist die Sache klar: Die Außenfassade des Kitzinger Rathaus muss saniert werden. Generell halten sich die Schäden zwar in einem normalen Rahmen. „Aber einige Natursteine sind in einem katastrophalen Zustand.“

Schiller ist Restaurator. Zu seinem Job gehört es, historische Gebäude zu überprüfen. Kitzingen ist dem Mann aus Königsberg in den Haßbergen wohlbekannt. Vor etwa zwei Jahren hat er die katholische Kirche untersucht. In diesem Frühjahr war das Rathaus dran.

Zwei Tage lang hat sich der Experte die Fassade von oben bis unten genauestens angeschaut. Dank eines Hubsteigers ging es für ihn bis hinauf unters Dach. Seine Erkenntnis: „Das ist schon eine größere Maßnahme.“ Bröckelnde Stellen hat er gesehen, einige Risse und auch Schäden an besonders wertvollen Stellen wie dem Allianzwappen oder den Schrifttafeln. Beim Kitzinger Häcker ist er gleich tätig geworden. Die Symbolfigur hat in der einen Hand eine Kandel und in der anderen einen „Korscht“, was mit Weinbergshacke ins Hochdeutsche übersetzt werden kann. Die war allerdings nicht mehr ordnungsgemäß befestigt, drohte bei Sturm aus rund fünf Meter Höhe herunterzufallen. „Das hätte tatsächlich für einen Passanten böse enden können“, sagt Klaus Rützel, Leiter des Hochbauamtes in Kitzingen. In dessen Räumen lagert der rund vier Kilogramm schwere Korscht so lange, bis er wieder an seinen ursprünglichen Platz kommt.

Wunsch: Einheitliche Gestaltung

Wann das sein wird? Rützel zuckt mit den Schultern. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Derzeit wartet er noch auf die letzten Expertisen von Petro Schiller, dann will er die gebündelten Informationen dem Stadtrat vorlegen. Seine Idee: Im nächsten Jahr wird die komplette Rathausfassade überarbeitet. „Das bietet sich an“, versichert er. Derzeit wird das Rathaus durch die Sanierung des benachbarten Anwesens in der Kaiserstraße 17 erweitert. Eine einheitliche Gestaltung der gesamten Fassade wäre aus seiner Sicht sinnvoll und wünschenswert.

Die Kosten für diese Maßnahme werden gerade im Büro des Restaurators in Königsberg ermittelt. Klaus Rützel tut sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer, eine Summe zu nennen. Im sechsstelligen Bereich werden sich die Arbeiten aber bewegen, bestätigt er auf Nachfrage. Ein Gerüst muss erstellt werden, die Fassade muss abgedampft, saniert und neu gestrichen werden. An den Gesimsen sind Spenglerarbeiten nötig. „Eventuell brauchen wir dann neue Blechabdeckungen.“ Immerhin: Das Schieferdach auf dem Rathaus ist noch in Ordnung. Auch das kam bei der zweitägigen Untersuchung heraus.

Wechselvolle Geschichte

Das Kitzinger Rathaus hat eine wechselvolle Geschichte. Es ist zwischen 1561 und 1563 errichtet worden, davor stand an Ort und Stelle ein hölzernes Kaufhaus am Markt. Das Rathaus hat den Dreißigjährigen Krieg und zwei Weltkriege überstanden. „Es ist schon ein ungewöhnlicher Bau“, sagt Petro Schiller. Ein ungewöhnlicher Bau, der auch ungewöhnliche Mieter beherbergte. In den 60er Jahren war die Stadtpolizei in einem Nebengebäude untergebracht und die Feuerwehr nutzte die historische Rathaushalle als Gerätehaus. In der Silvesternacht 1984 sorgte ein Feuerwerkskörper für einen Großbrand im Dachstuhl. Die Feuerwehr konnte das Rathaus retten.

Die letzten Arbeiten an der Fassade standen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts an. Der Stadtrat hatte im November 1975 die Renovierung und Erweiterung des Rathauses, Marktstraße 36 und Kaiserstraße 13/15, genehmigt. Der Bau war im Juli 1978 fertiggestellt. „Die Außenfassade des Rathauses, so wie wir sie jetzt kennen, entstand bei diesen Umbauten“, erklärt Stadtarchivarin Doris Badel. Bei seiner Arbeit hat Petro Schiller auch Einmeißelungen mit den Jahreszahlen 1864 beziehungsweise 1934 gefunden. „In diesen Jahren war das Rathaus auch schon mal eingerüstet“, erklärt er.

Tatsächlich wurde im Februar 1934 mit der Renovierung der Rathausfassade begonnen. „Man stellte das – vermutlich – ursprüngliche Äußere wieder her und entfernte Grisaille-Malereien aus dem 19. Jahrhundert an den Giebelschmalseiten“, erklärt Badel. In den Räumen des Bürgermeisters im ersten Stock und im großen historischen Sitzungssaal im zweiten Stock wurden damals die Fenster mit Glasmalereien eingesetzt. Es waren Motive aus der Kitzinger Stadtgeschichte, Emblemes aus der Germanenzeit sowie Wappenschilder des Dritten Reichs, die nach Kriegsende zum größten Teil entfernt wurden.

Neue Farbgestaltung?

Ob im Jahr 2021 ebenfalls ein Gerüst aufgebaut wird, wird der Stadtrat wahrscheinlich noch in diesem Jahr entscheiden. „In der zweiten Jahreshälfte wollen wir dem Gremium eine Beschlussvorlage vorlegen“, kündigt Klaus Rützel an. Gut möglich, dass sich die Fassade dann auch farblich verändern wird. Bei seinen Arbeiten hat Petro Schiller festgestellt, dass die Farbgestaltung in früheren Jahrzehnten eine andere war als die aktuelle.