Im Hintergrund läuft leise Musik, auf dem Boden liegt eine Gymnastikmatte mit einer kuscheligen Wolldecke. In Griffweite stehen Baumwolltücher. Windeln und ein Handtuch sind zu sehen. Dann kommt eine Frau mit Baby auf dem Arm ins Bild – dass es eine Puppe ist, erkennt man erst beim zweiten Hinsehen. „Hallo zusammen“, sagt Christina Wittstadt und winkt aus dem Bildschirm heraus. „Willkommen zum ersten Online-Schnupperkurs Babymassage, präsentiert vom Familienstützpunkt Dettelbach.“

Sechs weitere Teilnehmerinnen sind zu sehen. Sie haben es sich zu Hause mit ihren Babys gemütlich gemacht und lächeln jetzt in die Kamera ihres Tablets oder Laptops. Eine davon ist Alexandra. Sie nimmt mit ihrem vier Monate alten Sohn an dem Kurs teil. Ein echter Neuling bei der Babymassage ist sie zwar nicht, ihr älterer Sohn durfte den Kurs bei Christina Wittstadt auch schon genießen. Damals aber live, vor Ort. „Ein Ersatz für den richtigen Kurs ist das Online-Angebot vielleicht nicht“, sagt Alexandra. „Chrissie schafft mit ganz viel Ruhe und Liebe eine richtig kuschelige Atmosphäre, das kann man über einen Bildschirm nicht so richtig transportieren“, erklärt sie. „Aber sie ist eine so angenehme und entspannte Person, dass sich offensichtlich auch in dieser Situation die Babys und die Mütter wohlgefühlt haben.“ Das hat die Referentin selbst auch so empfunden. „Ich denke schon, dass der Online-Kurs ein gutes Instrument ist“, sagt Christina Wittstadt, die freiberuflich Baby-Kurse anbietet. Die sollen für Mutter und Kind ein Erlebnis sein. „Diese Atmosphäre kann man nur schwer übers Smartphone vermitteln.“

„Wir wollen jetzt sehen, wie die Kurse angenommen werden und das Programm dann eventuell weiter ausbauen.“
Julia Zimmermann-Giek, Koordinatorin Familienstützpunkte

Außerdem stellen sie einen Termin dar, bei dem die Mütter mit ihrem Baby auch einmal ihre vier Wände verlassen, sich mit Gleichgesinnten austauschen können. Das alles fehlt beim Online-Kurs. Trotzdem hat Christina Wittstadt viele positive Rückmeldungen auf das Angebot bekommen. „Ich würde nicht komplett ausschließen, dass es eine Wiederholung gibt.“

Julia Eichner, die Leiterin des Dettelbacher Familienstützpunktes, wird sich darüber sehr freuen. Zusammen mit ihren Kolleginnen aus Wiesentheid, Volkach und Kitzingen hat sie im April und Mai ein digitales Kursprogramm erarbeitet. Mit dem 15. März musste das Angebot der Familienstützpunkte eingestellt werden, die Erziehungs-, Ernährungs- und Bewegungskurse konnten nicht stattfinden. Jetzt wird das Programm langsam wieder hochgefahren.

Online-Beratung, Hilfe und Tipps fürs die Corona-Zeit gab es zwar schon frühzeitig: Auf den Internetseiten der Familienstützpunkte konnten Eltern verschiedene Podcasts zu Erziehungsfragen anhören, es gab Videos, mit deren Hilfe man zum Beispiel ein Muttertagsfrühstück zaubern konnte. Das Online-Kursangebot startete aber erst am 15. Juni mit dem Thema „Heilen mit Pflanzen“, das man online verfolgen konnte. „Wir wollen jetzt sehen, wie die Kurse angenommen werden und das Programm dann eventuell weiter ausbauen“, erklärt Julia Zimmermann-Giek, Koordinatorin der Familienstützpunkte des Landkreises.

Die Kurse sollen dann zwar wieder überwiegend als Präsenzkurse stattfinden wenn der Verlauf der Corona-Pandemie es erlaubt. Für das Programm wurden alternativ und in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Erziehungsberatungsstelle sowie externen Kursleitern, auch Online-Versionen erstellt. „Sie sind eigentlich ein gutes Medium, um Inhalte zu übermitteln“, findet Julia Eichner. „Wir wollen sie, vor allem auch für sehr beschäftigte Eltern, im Hinterkopf behalten.“

Von der bisherigen Resonanz ist sie positiv überrascht. „Es scheint, als hätten die Eltern fast schon darauf gewartet, dass wir wieder etwas anbieten.“ Umso mehr freut sie sich, dass ab dem 1. Juli auch die Offenen Elterntreffs in den einzelnen Gemeinden wieder stattfinden können, dann unter freiem Himmel. Gerade die jungen Eltern mit Säuglingen suchten doch gerne den Kontakt mit Gleichgesinnten. Bisher hat die Pandemie diese Ansprache verhindert. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Das wäre auch im Sinne von Mama Alexandra. Sie nutzte mit ihrem ersten Kind die Krabbelgruppe im Dettelbacher Familienstützpunkt als Anlaufstelle, hat schon Vorträge besucht – und jetzt auch an einem Kurs teilgenommen. „Als Ergänzung würde ich jederzeit wieder mitmachen“, sagt sie und findet, dass manche Veranstaltungen einfach Geschmacksache sind. „Ich kann nur jedem empfehlen, es einmal zu versuchen.“ Die Verantwortlichen der Familienstützpunkte seien immer darum bemüht, mit ihrem bunten Kursangebot die vielen Geschmäcker zu bedienen.