Es war schon fast ein Hilferuf, den Michael Frank sandte. Als Geschäftsführer der Kfz-Innung Unterfranken sah er sich in den letzten Wochen mit großer Verunsicherung konfrontiert – sowohl von Seiten „seiner“ rund 850 Betriebe als auch der Fahrzeughalter. Wann dürfen Werkstätten öffnen? Ist ein Reifenwechsel ein triftiger Grund, das Haus zu verlassen? Inzwischen sind die Regeln klarer definiert. Und obwohl die Branche auch im Landkreis Kitzingen stark gelitten hat, verspricht Obermeister Roland Hoier: „Wir sind weiter für sie da.“

Die Corona–Krise bedeutete auch für die Kfz-Innungsbetriebe eine komplexe Herausforderung: Stationärer Handel war untersagt, der Online-Verkauf aber nicht. Wichtige Reparaturen zur Sicherung der Mobilität, Ersatzteilhandel, Pannenhilfe, Wartung und Fahrzeugübernahmen durften und dürfen durchgeführt werden, aber keine „Schönheitsreparaturen“. Das betont auch der ADAC: „Alle Arbeiten, die aufschiebbar sind, sind kein triftiger Grund, die Wohnung zu verlassen“, sagt Johannes Boos, verantwortlich für Kommunikation und Redaktion beim ADAC in Bayern. Er empfiehlt, unbedingt vorab einen Termin zu vereinbaren.

„In Einzelfällen ist bereits jetzt ein Umsatzrückgang von bis zu 90 Prozent zu spüren.“
Roland Hoier, Obermeister

„In jedem Fall ist auch in Werkstätten auf den vorgeschriebenen Mindestabstand zu anderen Menschen zu achten.“

Auch wenn der Reifenwechsel inzwischen erlaubt ist – die weitreichenden Beschränkungen haben für die Betriebe starke wirtschaftliche Auswirkungen. „In Einzelfällen ist bereits jetzt ein Umsatzrückgang von bis zu 90 Prozent zu spüren“, weiß Obermeister Hoier.

Erschwert wurde die Situation durch die teilweise komplette Schließung der Kfz-Zulassungsstellen. Tausende auslieferbereite Fahrzeuge überall in Bayern konnten nicht zu den Kunden gelangen. Nicht so in Kitzingen. „Die Zulassungsstelle war durchgehend geöffnet“, berichtet Corinna Petzold, Pressesprecherin am Landratsamt in Kitzingen. Seit 19. März wurde der Publikumsverkehr dort zwar eingeschränkt – man habe einen Termin vereinbaren müssen und die Besuche seien auf „dringend notwendige Erledigungen“ beschränkt gewesen. „Dass der öffentliche Dienst für den Bürger gerade in der Krise erreichbar bleiben muss, wurde von Seiten des Ministeriums aber immer mehr betont und hat uns in unserem Vorgehen bestätigt“, erklärt Petzold.

Die Bürger verhielten sich allerdings nicht immer so entgegenkommend. „Gerade vor den angekündigten Ausgangsbeschränkungen war sehr viel los in der Zulassungsstelle.“ März und April seien sowieso sehr starke Monate. Dann wurden auch noch die Einschränkungen in Zusammenhang mit Corona angekündigt. „Wir mussten den Wartebereich schließen, da wir eine Gruppenbildung nicht verhindern konnten“, erinnert sich Corinna Petzold. Die Bürger mussten teils im Innenhof warten, durch das online abrufbare Nummernsystem konnte man zwischendurch zumindest noch etwas anderes erledigen.

Stichwort online: Dieses Angebot werde nach wie vor sehr spärlich genutzt. Seit Einführung der Online-Zulassung im Jahr 2017 ließ ein einziger Fahrzeughalter seinen Wagen online zu, bei Um- und Abmeldungen lägen die Zahlen zwischen zwei (2017) und 33 (2018). In diesem Jahr haben bislang 24 Bürger den Dienst in Anspruch genommen.

Und so notierte die Zulassungsstelle in den Tagen vor der Kontakt- und Ausgangsbeschränkung bis zu 150 Besuche, inzwischen sind es etwa 45 Bürger, die täglich ihr Auto zulassen, um- oder abmelden wollen. Wobei grundsätzlich die Frage bleibt, ob zum Beispiel die Saison-Anmeldung eines Cabrios in diesen Zeiten einen Behördenbesuch rechtfertigt.

Alles andere als Luxus ist nach wie vor die Hauptuntersuchung beim TÜV. Die Fristen gelten in der Corona-Krise weiter, auch wenn die Polizei im Moment ein Auge zudrückt und das Überziehen um bis zu vier Monate nicht ahndet. „Danach werden aber, wie in Nichtkrisenzeiten, Bußgelder fällig“, steht in einer aktuellen Pressemitteilung von TÜV SÜD. Damit das vor allem auch denjenigen nicht passiert, die gerade in systemrelevanten Jobs arbeiten und besondere Leistung erbringen, bietet TÜV SÜD diesen „Alltagshelden“ seinerseits eine besondere Dienstleistung an. „Allen, die sich gerade besonders für unsere Gesellschaft einsetzen, wollen wir Danke sagen und damit auch einen kleinen Beitrag zur Bewältigung der Situation leisten“, sagt Patrick Fruth, Leiter der Division Mobility bei TÜV SÜD. „Deshalb holen wir die Autos jetzt für die HU ab und bringen sie schnellstmöglich wieder zurück.“

„Allen, die sich gerade besonders für unsere Gesellschaft einsetzen, wollen wir Danke sagen.“
Patrick Fruth, TÜV Süd

Gleiches gilt auch für viele KfZ-Innungsbetriebe.

Neben einem Bring- und Abholservice zähle auch dazu, dass die Betriebe nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch auf die aktuelle Situation eingestellt sind. Hygiene wird groß geschrieben, es wird desinfiziert und gelüftet, der vorgeschrieben Abstand zwischen Kunden und Mitarbeitern eingehalten. „Wir setzen alles daran, dass die Bürger, die dringend ihr Auto benötigen, dies auch weiter tun können“, erklärt Roland Hoier. Der Hilferuf wurde erhört, die Einschränkungen gelockert. Ob das Auto für den Einzelnen nun Luxus oder Lebensretter ist, das muss jeder selbst entscheiden.

TÜV und Corona

Termine Zur HU bei TÜV SÜD können die Kitzinger Fahrzeughalter sich zum Beispiel unter Tel. 09321/33455 oder www.tuvsud.com anmelden;

Aktion Alltagshelden Wer in einem systemrelevanten Beruf arbeitet und mit einer blauen Plakette unterwegs ist, deren Fälligkeit in den ersten Monaten liegt, kann sich unter www.tuvsud.com oder Tel. 0800/8888090 anmelden.