Kitzingen

Der Kontakt zu Oma und Opa, der Schüler im Home Office, die Frage, ob eine Maskenpflicht sinnvoll oder sinnlos ist: Die Mitglieder dieser Redaktion haben sich auch in dieser Woche so ihre Gedanken zu Corona gemacht. Und berichten über ihre Erlebnisse.

Daniela Röllinger:

Wir haben daheim nur einen Drucker. Reicht aus, selbst in Zeiten, in denen ich im Homeoffice arbeite und Schule an den heimischen Computern und Schreibtischen stattfindet. Immer mal wieder brummt das Gerät los, das im Arbeitszimmer neben meinem Computer steht, und spuckt ein paar Blätter aus. Ausgedruckt wird zwar nur das Nötigste, aber ganz ohne geht es halt derzeit doch nicht, sonst verliert man den Überblick im Wust an Aufgaben der verschiedenen Schulfächer.

Als Journalist zur Neugier verpflichtet, werfe ich natürlich einen Blick auf die Seiten meines Sohnes. Da geht es um Valenzstrichformeln und elektrophile Addition, um Leiterschaukeln und Kommutatoren, da muss auf Französisch erklärt werden, warum ein Film erfolgreich war, während auf den Englisch-Blättern etwas von Infinitivkonstruktionen und Gerundium steht. Die Aufgaben, die in den jeweiligen Sprachen gestellt werden, verstehe ich noch halbwegs. Mit den Antworten schaut es eher mau aus. Dabei habe ich das Meiste davon mal gewusst – abgesehen von Physik vielleicht, das war noch nie mein Ding.

Doch inzwischen ist vieles von dem, was ich mal kapiert hatte, irgendwo im Hinterstübchen abgelegt und kaum mehr auffindbar. Sich wieder reinzufinden, kostet Zeit – und erhöht den Respekt vor den Schülern.

Die haben nämlich ganz schön viel zu tun. Was die Eltern auch mal lobend erwähnen sollten, statt zu schimpfen, warum die Kids am Computer sitzen und Musikvideos anschauen und -hören. Denn als ich gemeckert habe, musste ich feststellen, dass der junge Mann gar nicht gechillt hat. Er erforschte die Hörtypologie, informierte sich über Ressentimenthörer, Experten und Bildungskonsumenten. Und über gute Zuhörer. So einer bin ich, das habe ich jetzt schriftlich vom Musiklehrer. Weil der Hörtyp des guten Zuhörers nämlich Metallica hört. „Nothing else matters“. Ein toller Song, wie ich finde. Ich fange in Gedanken an zu singen – und schon ist alles andere wurscht...

Nina Grötsch:

Jeden Tag backt meine Mama Kuchen. Daran hat zum Glück auch Corona nichts geändert – nur, dass der Kuchen jetzt nicht mehr beim gemeinsamen Ratschen verzehrt wird. Meine Mama liefert aktuell ans Fensterbrett – alternativ ist auch eine kontaktlose Abholung möglich. Dann wartet der Streuselkuchen zum Beispiel auf Mamas Gartentisch.

Dennoch ist es nicht wie sonst. Der fast tägliche gemeinsame Kaffeeklatsch fehlt einfach. Zwar bin ich mit meiner Mama und meiner Schwester jetzt noch öfter per Handy in Kontakt als vor der Pandemie (verrückt, dass eine Steigerung überhaupt möglich war), doch Oma und Opa, beide über 80, die sonst mindestens zweimal die Woche beim Kuchentreff dabei sind, sehen wir nur noch winkend aus dem Wohnzimmerfenster. Mit über 80 wollen die beiden nicht mehr in die Welt der Videotelefonie einsteigen – ganz anders als mein Fußballer Zuhause. Dessen wöchentliches Altherren-„Training“ findet jetzt online statt. Aus wenig Sport ist gar kein Sport geworden, dafür steigt die Biermenge. Ebenso die Teilnehmerzahl. „Heute waren wir zehn Mann beim Training“, sagte Thomas am Mittwochabend ganz stolz – und klang zum ersten Mal seit Wochen wieder wie ein zufriedener Fußballtrainer.

Julia Volkamer:

Die letzte Woche war ein Wechselbad der Gefühle. Gerade hatten wir uns ein bisschen daran gewöhnt, einfach zu Hause zu sein. An den entschleunigten Alltag. An die immer gleichen Gesichter. Daran, dass es Weinfest, Kirchweih und sogar die Wies?n nicht geben wird. Und dann erfahre ich, dass ich als Zeitungsredakteurin zu einer systemrelevanten Berufsgruppe gehöre – und meine Kinder wieder in den Kindergarten schicken darf! Was war das für eine Freude! Ich sah schon vor mir, wie viel Zeit ich zurückgewinnen würde. Das Arbeiten wäre viel entspannter, ich könnte mich mal wieder über saubere Fenster oder ein staubfreies Bücherregal freuen, mich verabschieden vom verspannten Nacken und dem Corona-Bauchansatz. Kurzum: Mein Leben könnte wieder ein bisschen mehr sein wie vorher.

Doch die Zweifel kamen gleich hinterher: Sollen wir die Betreuung der Kinder in dieser Situation wirklich abgeben? Ist das Hygiene-Konzept gut durchdacht und können sich meine Kinder überhaupt daran halten? Und letztendlich: Wie viele Kinder werden überhaupt in den Kindergarten kommen? Das nette Gespräch mit unserer Kindergartenleitung brachte nur teilweise Klarheit und konnte das ungute Gefühl nicht vertreiben. Dabei hatte doch vor allem mein Vorschüler den Kindergartenbesuch herbeigesehnt wie sonst nur das Bratwurstbrötchen mit Ketchup, sein Fußballtraining oder den Riesen-Rettungshubschrauber im Osternest. Unzählige Gedanken, einige Diskussionen und schlaflose Nächte später haben wir uns entschlossen, die Möglichkeit nicht zu nutzen und uns weiter ohne Kindergarten durchzukämpfen. Dem Vorschüler habe ich davon lieber nichts erzählt. Dem Chef auch noch nicht. Bis jetzt.

Ralf Dieter:

Es gibt auch schöne Dinge in Corona-Zeiten. Kaum Kondensstreifen am Himmel, weniger Autos auf der Straße und die Suche nach einem Parkplatz ist seit ein paar Wochen kein Problem. Am herausforderndsten sind derzeit die Diskussionen mit Kollegin Fu. über das Für und Wider der Maskenpflicht. Fu. ist so was von Wider, dass es fast schon widerlich ist. Ich halte einen Mund- und Nasenschutz beim Einkaufen sowie in Bus und Bahnen für vernünftig. Schon deshalb, weil meine Frau die Einkäufe übernimmt und ich seit ein paar Wochen keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutze. Erstaunlich finde ich allerdings die Tendenz mancher Mitbürger, die Anweisungen der Politik über die Maßen umzusetzen. Immer öfter sehe ich beispielsweise Menschen, die alleine in ihrem Auto sitzen und eine Maske tragen. Ganz schön abgefahren. Klar: Sicherheit geht vor. Aber man muss es nicht übertreiben.

DIANA FUCHS:

Ein einziges Mal kann und will ich dem Kollegen Di. Recht geben: Ich finde so genannte Community-Masken ziemlich bescheuert. Ich setze auf Abstand und Hygiene – aber nicht auf irgendein Stück Stoff, einen luftigen Schal womöglich, irgendwie um den Mund gewunden. Damit soll man seine Mitmenschen schützen? Ganz ehrlich: Das ist mir zu luftdurchlässig, ja gespenstisch. Manche tragen eine Art ausgebeulte Windel vor dem Mund, andere – mein großer Sohn zum Beispiel – haben sich aus alten Unterbuxen (frisch gewaschen, wie er versichert) vermeintlich witzige Gesichtsschleier gebastelt. Der Anblick schlägt mir auf die Psyche.

Mir, die früher so gern shoppen war, wird jetzt beim Einkaufen schlecht. Deshalb versuche ich, meinen Mann zu überreden, das Nötigste für unsere Familie zu besorgen. Allerdings hat er auch keine rechte Lust auf die Maskerade. Na ja, wir haben noch einiges an Konserven in der Speis', dann geht es in den nächsten Wochen halt ans Eingemachte...