Sie ziehen und sie schieben mit vereinten Kräften. Das Projekt ist schweißtreibend und es ist international. Russisch hört man an diesem Tag auf der Terrasse des Kitzinger Fastnachtmuseums, Deutsch, Französisch und Türkisch.

Das Produkt, um das sich die ganze Aufregung dreht, ist eindeutig in der ehemaligen DDR entstanden. Ein wenig rostig ist er, der Trabant, die Farbe blättert vor allem auf der Motorhaube. „Die Sonne hat ihm nicht so gut getan“, bedauert Museumsleiterin Dr. Katrin Hesse. Das ist aber nicht der Grund, warum der „Narren-Trabbi“ eine neue Heimat bekommen soll. Er zieht innerhalb des Museums um, bleibt auf einer der Terrassen stehen, einen Stock höher nur. Aber dieser Umzug hat es in sich.

Zwei versteckte Terrassen

Das Kitzinger Fastnachtmuseums ist ein verwinkelter Bau. Von außen kaum vorstellbar, dass sich hinter den Giebeln zwei geräumige Terrassen befinden. Die Besucher kommen bei ihren Rundgängen an diesen Terrassen vorbei. Die obere können sie gut einsehen und betreten, die untere nicht. Dort war seit mehr als fünf Jahren ein ganz besonderes Exponat geparkt: der „Narren-Trabbi“, auch „Narren-Schleuder“ genannt.

Der Trabant hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In der DDR gebaut, wurde er anlässlich der Wiedervereinigung dem damaligen Präsidenten des Fastnachtverbandes Franken, Franz Binder, als Geschenk überreicht. Absender war die Faschingsgesellschaft „Feucht Fröhlich“ aus Alach in Thüringen, die erst zwei Jahre vorher, 1988, gegründet worden war. Der Zusammenschluss der Narren in Deutschland sollte mit diesem Gastgeschenk gewürdigt werden.

Und tatsächlich: Der Trabbi fand einen würdigen Platz im Deutschen Fastnachtmuseum, musste aber wegen der Umbauarbeiten für zwei Jahre vorübergehend in den Bauhof ausgelagert werden. Dort wurde er gehegt und gepflegt, ehe er im April 2015 seinen ganz großen Auftritt hatte. Per Kran ist er während des „Kitzinger Frühlings“ auf die Terrasse des Museums gehoben worden, schwebte für kurze Zeit über den Dächern Kitzingens und sorgte für erstaunte Blicke.

Katrin Hesse möchte das besondere Stück nun zugänglicher machen. Die Besucher sollen sich nicht nur ein Bild von der „Narren-Schleuder“ machen, sondern sich auch einmal hineinsetzen können. Also packten neben zwei muskulösen russischen Profihandwerkern auch Nachbar Wolfgang Neeser sowie der aktuelle „Bufdi“ aus Frankreich an. Weil die Kräfte immer noch nicht reichten, um den Trabbi die hölzernen Leitplanken hinaufzuschieben, wurde kurzerhand bei den türkischen Nachbarn auf der anderen Seite angefragt. „Und die waren gleich dabei“, freut sich Hesse.

„Tarnkappen-Trabbi“

Jetzt steht der „Narren-Trabbi“ einen Stock höher auf der Terrasse und ein wenig mehr im Schatten. Die Besucher können künftig mühelos lesen, mit welchen Schriftzeichen die Thüringer das Fahrzeug einst versehen haben: „Tarnkappen-Trabbi, Radarfallen-sicher“, beispielsweise. Oder: „Alach-Feucht-Express“.

In den nächsten Tagen und Wochen soll das Fahrzeug restauriert werden, damit es wieder in altem Glanze erstrahlt und viele Gäste anlockt. Bestenfalls nationale und internationale.