Diese Nacht wird Harald Dellert nie vergessen. Sie hat sein Leben verändert. Eine Eule ist ihm ans Auto geflogen. Mehr als 20 Jahre ist das jetzt her. Seither kümmert sich der Würzburger um verletzte Vögel.

„Ich habe mich schon immer für Tiere eingesetzt“, sagt Dellert und blickt um sich. Wie ein kleines Paradies wirkt die Auffang- und Pflegestation für verletzte Greifvögel und Eulen, die der 67-Jährige seit beinahe 20 Jahren leitet. Nadel- und Laubbäume wechseln sich ab, im Umfeld nur Gärten und Felder. Sein Freund Jürgen Färber hat die Station in den 80er Jahren gegründet, Dellert war immer mal zu Gast. „Die Steinadler haben mir besonders imponiert“, erinnert er sich. Auf einer Heimfahrt von seinem Geschäft in Coburg flog ihm dann eine Eule ans Auto, Dellert hat sofort angehalten. „Das Tier hat noch gelebt“, erzählt er. Also hat er die Eule notdürftig verbunden und auf den Beifahrersitz seines Autos gesetzt, um sie nach Würzburg zu fahren. „Wie die mich während der Fahrt angeschaut hat“, staunt er auch heute noch. „Diese orangen Augen.“

Dellert hat die Eule zu seinem Freund Jürgen Färber gebracht, der hat ihn ein paar Tage später gefragt, ob er einen verletzten Turmfalken abholen wolle. Dellert wollte. Der Faszination Greifvögel war er da schon erlegen. Mittlerweile hat der 67-Jährige seinen Falknerschein gemacht, ist in Rente und kümmert sich nur noch um verletzte Greifvögel und Eulen. „Ein Full-Time-Job“, sagt er und lacht. Rund 30 Volieren hat er in der Auffangstation und in seinem Garten stehen, alle selbst gebaut. „Die sind das ganze Jahr über zu 80 Prozent ausgelastet“, erklärt er.

Im Frühjahr geht es los, dann brüten die Eulen. „Immer wieder kommt es vor, dass Jungtiere aus dem Nest fallen oder sich bei der Jagd verletzten“, berichtet er. Manche sind auch noch zu jung zum Jagen oder finden nicht genug Nahrung. Werden sie von aufmerksamen Menschen gefunden, ist die Chance recht groß, dass sie in der Auffangsstation wieder aufgepäppelt werden. Die meisten Exemplare sterben jedoch in der freien Wildbahn. „Nur fünf bis acht Prozent des Eulennachwuchses kommt durch“, berichtet der Experte. Er weiß: „Die Natur kann ganz schön grausam sein.“

Aus ganz Unterfranken werden ihm die verletzten Tiere gebracht. Die weiteste Anreise hatte einst ein Paar aus Thüringen auf sich genommen. „Die sind mit ihrem Waldkauz rund 250 Kilometer bis hierher gefahren.“ Geringfügige Verletzungen kann der Würzburger in seinem kleinen Labor versorgen, bei größeren Schäden nimmt er Kontakt mit einem Tierarzt auf.

Alle Arten von Greifvögeln werden in Dellerts Auffang- und Pflegestation behandelt: Schleiereulen, Waldkauze und Uhus genauso wie Falken und Bussarde. Das Ziel lautet, die verletzten Vögel möglichst bald wieder auszuwildern. „Manchmal geht es schnell, manchmal dauert es ein paar Monate“, erzählt der Tierfreund. Es gibt Vögel, die bleiben ein ganzes Jahr bei ihm. „Bis das Gefieder einmal durchgemausert ist.“ Mitunter kann auch Harald Dellert nichts mehr für so ein Geschöpf tun. Dann muss er den Vogel zusammen mit dem Tierarzt von seinem Schicksal erlösen. „Das geht ganz schön an die Nieren“, bekennt er.

Am Freitag, 28. August, wird er in Zusammenarbeit mit der Kitzinger Firma LZR seine Arbeit und das Leben der Eulen und Greifvögel am Hörblacher Baggersee im Rahmen einer Ferienpassaktion vorstellen. (Plätze schon ausgebucht). Unter dem Titel „Jäger der Nacht“ werden an diesem Abend auch verschiedene Falter und Insekten vorgestellt, die nachtaktiv sind. Harald Dellert wird zwei Eulen mitbringen, die an diesem Tag ausgewildert werden sollen. „Ich gewöhne sie schon langsam daran“, erklärt er. Das Futter platziert er dafür auf dem Dach der Volieren, lässt die Abdeckung offen. Ein paar Tage dauert es immer, bis die Greifvögel und Eulen tatsächlich davon fliegen. Bei Harald Dellert fühlen sie sich eben gut aufgehoben.

Wissenswertes

Kontakt: Harald Dellert, Email: info@falkner-dellert.de; Notruf: 0931/9911033 oder 0171/681666.

Weitere Infos: www.greifvogelhilfe-wuerzburg.de

Spendenkonto: DE 7001 0080 0825 8368 00