In der nächsten Woche starten die Abschlussprüfungen. Kein Grund für eine besondere Nervosität. Die Schulschließungen während der Hochphase der Corona-Pandemie haben den Realschülern nicht geschadet. Vielleicht waren sie für den einen oder anderen sogar von Vorteil.

Besuch in der Realschule Dettelbach: An den Wänden jede Menge Desinfektionsspender, in den Gängen vereinzelte Schüler. Alle tragen Mund- und Nasenschutz, die meisten einen schwarzen mit dem Emblem der Schule. „Eine spontane Idee der Schülersprecher und der SMV“, berichtet Petra Fackelmann. 500 Stück wurden bei einer Firma aus Großlangheim bestellt, die Produktion nach Ökostandards innerhalb Europas garantiert. „Das war uns wichtig“, ergänzt Fackelmanns Kollege Roman Kruse. Zum Selbstkostenpreis von 3,50 Euro gehen die Masken gut weg. Der Schutz vor Corona hat ein schulinternes Gesicht bekommen.

„Wir haben noch nie so viele Elternbriefe geschrieben wie in den letzten Wochen.“
Stefan Wolbert, Schulleiter Realschule Dettelbach

Schulleiter Stefan Wolbert nimmt sich zwischen einer Dienstbesprechung und einem Elterngespräch kurz Zeit.

Die letzten Wochen seien eine Herausforderung gewesen, gibt er zu. Jede Woche neue Stundenpläne, jede Woche neue Anweisungen aus München. Entscheidend: die Kommunikation. „Wir haben noch nie so viele Elternbriefe geschrieben wie in den letzten Wochen“, sagt er. Dennoch zirkulierten Fehlinformationen, beispielsweise, dass niemand das Schuljahr 2019/2020 wiederholen müsse. Das Vorrücken auf Probe sei zwar ein Baustein in der Corona-Zeit. „Aber es wird auch Härtefälle geben.“

Die Abschlussjahrgänge sieht Wolbert indes gut vorbereitet. Seit Wiederaufnahme des Unterrichtes werden fast nur noch die prüfungsrelevanten Hauptfächer unterrichtet. Und das in kleineren Einheiten als sonst. „Jede Klasse ist wegen der Abstandsregelungen nur halb besetzt“, erklärt Petra Fackelmann. Nach einer Woche kommt die zweite Gruppe ins Schulhaus. Sophia, Melina und Nina machen ab kommenden Montag ihren Abschluss. Sie sehen durchaus Vorteile in der neuen Regelung. „Mit zwölf Schülern in der Klasse lässt sich viel besser etwas nachfragen“, sagt Nina. Dass nun fast nur noch Hauptfächer unterrichtet werden, kommt den dreien auch zugute. „Wir können uns aufs Wesentliche konzentrieren“, meint Sophia. Selbst während des Lockdowns, als alle Schüler daheim bleiben mussten, sei die Vorbereitung auf die Prüfungszeit gut gelaufen.

„Wir haben schon drei Wochen vor dem Lockdown damit begonnen, Schulungen durchzuführen“, erinnert sich Roman Kruse. Schüler und Lehrer wurden auf die Nutzung der Lernplattform Mebis vorbereitet, parallel gab es Unterweisungen für die Nutzung von „Teams“. „Ich hatte vorher noch nie an einer Videokonferenz teilgenommen“, gibt Petra Fackelmann zu. Die Kenntnisse hat sie sich schnell angeeignet. „Es lief super.“

Für die Schüler hat Roman Kruse zusätzlich ein Videotutorial erstellt, das über die Plattform youtube angeschaut werden konnte. „Dem Datenschutz haben wir natürlich Rechnung getragen“, versichert er. Die Kameras wurden bei „Teams-Sitzungen“ deaktiviert. Ein Eingriff von außen sei ausgeschlossen.

So konnten die Schüler aller Jahrgangsklassen auch während der Schulschließungen mit Aufgaben und Informationen versorgt werden. Mehr noch: Über eine eigene Mebis-Plattform wurde auch auf einer persönlichen Ebene Kontakt gehalten, beispielsweise über Gewinnspiele mit Quiz-Fragen zu Dettelbach. Den persönlichen Kontakt kann der online-Unterricht trotzdem nicht ersetzen, da sind sich Schüler und Lehrer einig. „Die freie Zeiteinteilung ist zwar schön“, sagt Nina. Aber die Möglichkeit, gezielte Fragen zu stellen, ist begrenzt. „Da gehe ich lieber in die Schule.“

Optimistisch blickt man auch in der Kitzinger Realschule den nahenden Prüfungen entgegen. Seit der Wiedereröffnung am 24. April sind die Zehntklässler gezielt vorbereitet worden. „In den letzten Wochen wurden 18 Stunden nur in den Prüfungsfächern unterrichtet“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Jochen Hüllmandel. „Das ist mehr als in den regulären Jahren.“Fächer wie Geschichte, Physik und Chemie seien in allen Klassen zu kurz gekommen, hier gelte es, Versäumtes im neuen Schuljahr nachzuholen.

„Falls noch einmal eine ähnliche Situation kommen sollte, ist jeder super vorbereitet.“
Petra Fackelmann, Lehrerin Realschule Dettelbach

Genau darauf zielt das neueste Schreiben aus dem Kultusministerium ab. Im ersten Halbjahr des kommenden Schuljahres soll auf Wahlunterricht und Veranstaltungen wie Exkursionen oder Ausflüge verzichtet werden, um dank eines intensiven Förderunterrichtes Inhalte nachzuholen.

„So sollen möglichst alle Schüler wieder auf den gleichen Stand gebracht werden“, erklärt Hüllmandel. Gerade während der online-Beschulung habe es unterschiedliche Herangehensweisen gegeben, die jetzt sichtbar werden.

In vielen Familien sei vorbildlich gearbeitet worden, in anderen gab es Lücken. Eine ähnliche Erfahrung hat Petra Fackelmann in Dettelbach gemacht: „Die allermeisten Schüler haben sich super an die Aufgabenstellungen gehalten“, freut sie sich. So aufreibend die letzten Wochen und Monate auch waren, man habe viel gelernt. „Falls noch einmal eine ähnliche Situation kommen sollte, ist jeder super vorbereitet.“