Irgendetwas fehlt. Oder ist zumindest anders als sonst. Auf dem Main sind so gut wie keine Hotelschiffe mehr unterwegs. Daran wird sich auch in den nächsten Wochen nichts ändern.

„Das Aufkommen hat sich tatsächlich sehr reduziert“, bestätigt die Leiterin der Kitzinger Tourist-Info, Vanessa Feineis. Während der Corona–Hochphase war an einen Urlaub auf engem Raum natürlich gar nicht zu denken gewesen. Die Hotelschiffe blieben in ihren Häfen. Aber auch nach den Lockerungen hält sich das Interesse der Reedereien und der Touristen offensichtlich in Grenzen. „Es gelten immer noch Abstandsregeln“, erinnert Feineis. Ein Betrieb der Schiffe ist damit schon aus wirtschaftlicher Sicht kaum rentabel.

Neue Schiffe sollen kommen

USA, Australien, Neuseeland: Aus diesen Ländern kommen die meisten Hotelschiff-Touristen am Main. Im Moment haben sie andere Dinge im Kopf, als einen Urlaub auf dem „Alten Kontinent“ zu buchen. Marco Maiberger geht davon aus, dass die meisten Touristen ihre gebuchte Reise aufs kommende Jahr umbuchen konnten. Mit entsprechend vielen Ankünften rechnet der Leiter der Volkacher Tourist-Info dann auch.

Ungefähr 65 Schiffe hatten sich für dieses Jahr angekündigt, im letzten Jahr legten 57 Hotelschiffe in Volkach an. Die Anlegestelle ist von zwei Reedereien gebaut worden und wird von ihnen auch betrieben. Anders in Kitzingen. Dort hatte die Stadt die Finanzierung übernommen.

Auch deshalb ist die Zahl der Ankünfte schon in den letzten Jahren, vor Corona, gesunken. „Die Reedereien sparen sich die Gebühren und legen lieber an ihren eigenen Stellen an“, erklärt Feineis. Sie will das Potenzial der Hotelschiffe trotzdem nicht vernachlässigen. „Es werden neue Schiffe auf den Markt kommen“, kündigt sie an. Eventuell werden dann auch neue Zielgruppen erschlossen. Schifftourismus für Familien beispielsweise. „Das kann durchaus ein interessanter Markt sein“, meint sie.

Rund 85.000 Euro nimmt die Stadt Volkach in einem normalen Jahr mit den Hotelschiffen ein. Geld, das Maiberger und Kollegen ins Marketing stecken. „Diese Einnahmen fehlen uns schon“, gibt er zu. Neun verschiedene Programme bietet die Tourist-Info den Gästen an – von Stadtführungen über Rad- und Kanutouren.

Neue Gäste aus der Schweiz?

140 bis 160 Menschen passen auf ein Hotelschiff. Im Durchschnitt „landeten“ 110 Hotelschiffgäste pro Fahrt in Volkach. Maiberger geht davon aus, dass die Auslastung im kommenden Jahr steigen wird – falls die Flusskreuzfahrten wieder in einem Vor-Corona-Stadium laufen werden. Möglicherweise wird das Segment auch auf Gäste aus anderen Ländern ausgedehnt. In diesem Frühjahr standen eigentlich Gespräche mit Reedereien in der Schweiz an. Dann kam Corona.

Auch wenn die Schiffstouristen derzeit noch ausbleiben: Grundsätzlich sind die Tourismusleiter mit den Besuchszahlen der letzten Wochen zufrieden. „Wir haben im Juni und Juli dieses Jahres mehr Besucher in der Tourist-Info gezählt als im gleichen Zeitraum 2019“, erklärt Vanessa Feineis. Vor allem Radfahrer, Tagesausflügler und Wohnmobilisten informieren sich. „Autarkes Reisen ist der absolute Boom-Markt“, sagt Feineis. Auch darauf will sich die Tourismus-Leiterin einstellen.