KITZINGEN
E-Scooter

Elektroroller sind im Kommen - aber nicht in Stadt und Landkreis Kitzingen

Dieter Franz ist mit seiner „Tante Paula“ eine Ausnahme. Seit drei Jahren ist der Kitzinger mit ihr unterwegs.
Auch wenn er erst nach dem Überqueren der Mainbrücke wieder aufsteigen darf, möchte Dieter Franz seinen E-Scooter namens „Tante Paula“ nicht mehr missen. Foto: Julia Volkamer

Man hört nur ein leises Summen, das unwesentlich lauter wird. Dann ist er auch schon an den Fußgängern vorbeigerollt. Dieter Franz ist vielleicht Kitzingens prominentester E-Roller-Fahrer. Der Herr über den Wohnmobilstellplatz am Main hat sich das windschnittige Fahrzeug schon vor drei Jahren angeschafft – und möchte es heute nicht mehr missen. In Stadt und Landkreis Kitzingen ist das allerdings noch eine Seltenheit: Die Nachfrage nach (Tret-)Rollern mit Elektro-Antrieb hält sich in Grenzen. Die Verstöße ebenfalls.

So berichtet Thomas Schneider, Sachbearbeiter Verkehr bei der PI Kitzingen, von verschiedenen Wissenslücken bei den E-Scooter-Besitzern. „Der überwiegende Teil dieser Verkehrsteilnehmer hält sich an die geltenden verkehrsrechtlichen Bestimmungen“, sagt der Polizeihauptmeister. Ein Problem sei eher, dass die Rechte und Pflichten, was Versicherung und Fahrerlaubnis angeht, nicht geklärt seien – obwohl sich der Zeitraum für die (Wieder-)Versicherung immer von 1. März bis zum letzten Tag im Februar des Folgejahres erstreckt.

Kaum E-Roller in Kitzingen: Woran liegt das?

Die Zulassung geht einher mit dem Abschluss einer Versicherung, die inzwischen fast alle Agenturen anbieten – unter anderem auch Dominik Peschel von der Kitzinger Niederlassung der HUK Coburg. „Die Zahl der Kunden, die einen E-Scooter bei uns angemeldet haben, hat leicht zugenommen“, bestätigt der Versicherungsfachmann. „Allerdings nicht in dem Maße, wie man es vielleicht erwartet hätte.“

Er habe es oft erlebt, dass die Besitzer solcher eKF erstaunt gewesen seien, dass sie ein Kennzeichen für ihren Scooter bräuchten – beziehungsweise die entsprechende Betriebserlaubnis, um ihn zulassen zu können. „Viele haben ihr Fahrzeug online gekauft, sind vom Händler aber nicht aufgeklärt worden und letztlich erstaunt, dass sie es anmelden müssen. Oder dass sie ihr gekauftes Modell nicht anmelden dürfen, wenn die Betriebserlaubnis für den öffentlichen Verkehr nicht gegeben ist.“ In diesem Fall dürften die Besitzer den Scooter nur auf ihrem eigenen Grundstück fahren – was natürlich wenig Sinn ergibt.

In den Augen von Zweirad-Experte Tilo Kutzer ergibt die Anschaffung eine solchen elektrisches Kleinfahrzeug (eKF) ohnehin wenig Sinn. Der Besitzer des Fachgeschäfts Monte Velo könnte seine Kunden zwar aufklären, wurde aber bisher noch nie nach einem E-Scooter gefragt. „Ich sehe für diese Fahrzeuge keinen Nutzen“, winkt Kutzer ab. „Vielleicht in größeren Städten. Aber nicht bei uns.“

Kein Bedarf bei Touristen

Die Verantwortlichen der Stadt Kitzingen können dem nur zustimmen. „Wir sehen keinen Bedarf, für die Stadt E-Scooter anzuschaffen“, erklärt Pressesprecherin Claudia Biebl. Ein Mehrwert, gerade für Touristen, die sich die Fahrzeuge mieten könnten, um die Stadt und die nähere Umgebung zu erkunden, sei nicht zu erwarten. Im Gegenteil. „Die Wege sind voll von Spaziergängern, Rad- und E-Bike-Fahrern. Wo sollen da noch E-Scooter hinpassen?“

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Auch die Leiterin der Tourist-Info, Vanessa Feineis, sei noch nie nach einem Miet-Scooter gefragt worden. „Wenn solche Fahrzeuge angeschafft werden sollten, dann eingebunden in ein Gesamt-E-Konzept“, schaut Biebl in die Zukunft. „In der aktuellen Situation können und wollen wir das aber nicht zur Steigerung der Tourismusaktivität forcieren.“ Dafür sei der Aufwand zu groß – und die Stadt Kitzingen als Zentrum eines ländlich geprägten Landkreises nicht aufgestellt. Schließlich könnten E-Scooter-Fahrer Gehwege und die Fußgängerzone nur dann befahren, wenn es entsprechend beschildert wäre, erklärt Polizeihauptmeister Schneider.

In Kitzingen ist das nicht der Fall, und das wiederum wüssten viele Fahrer von E-Scootern nicht. „Es besteht eine Benutzungspflicht von Radfahrstreifen und Radwegen, sofern solche vorhanden sind“, klärt Thomas Schneider auf. Ansonsten müssten auch die Fahrer von E-Scootern auf die Fahrbahn ausweichen. Und das könne, gerade für jugendliche Scooter-Fans, in der Stadt gefährlich werden.

Für Pendler nicht interessant

Aus all diesen Gründen hat sich auch Jochen Knott, Fachmann für motorisierte Zweiräder, dagegen entschieden, die E-Scooter in seinem Laden zu vertreiben. Er könne sie zwar bestellen, die Nachfrage sei aber gleich Null. Weder seine Kunden noch er selbst seien überzeugt von der Leistungsfähigkeit der Elektroroller. „Sie haben nur eine sehr begrenzte Reichweite und sind deshalb zum Beispiel für Berufspendler nicht interessant.“ Außer vielleicht, sie fahren von der Siedlung aus in die Stadt. Oder eben von Etwashausen. So wie Dieter Franz.

Er findet es prima, dass er ohne großen Aufwand und mit einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern schnell einmal zum Wohnmobilstellplatz düsen kann. Oder zur Touristinfo oder ins Rathaus. „Über die Alte Mainbrücke muss ich zwar auch laufen“, gibt der schnittige Senior zu. „Aber trotzdem bin ich bei kleinen Erledigungen wie dem Gang zum Bäcker oder ins Amt schneller. Und kann dabei noch etwas für die Umwelt tun.“ Den täglichen Gang zur Steckdose hat Dieter Franz nur anfangs immer wieder mal vergessen, inzwischen ist es schon zur Gewohnheit geworden. 20 bis 30 Kilometer kann er mit einem vollgeladenen Akku aktuell fahren. Allerdings befürchtet er, dass sein Fahrzeug des Hamburger Herstellers „Tante Paula“ in naher Zukunft ein neues Ladeteil braucht. „Das kann dann schon zwischen 600 und 800 Euro kosten“, weiß Franz, der nicht nur gerne auf zwei Rädern, sondern oft auch als leidenschaftlicher Wanderer in der Flur unterwegs ist. „Vielleicht schaffe ich mir dann eher ein Elektrofahrrad an“, überlegt der Etwashäuser. Bis dahin wird er weiterhin mit seinem E-Roller durch die Stadt fahren – und zumindest in Kitzingen noch ein Exot bleiben.