Sie sitzen an den Wänden. Nicht einzeln, sondern in Massen. Manche krabbeln oder fliegen ins Haus und müssen behutsam entfernt werden. Marienkäfer sind derzeit auf der Suche nach ihren Winterquartieren. Und sorgen in manchen Haushalten für Unruhe.

„Die ganze Hauswand war voll“, erinnert sich Capo Düll an den Freitag letzter Woche. Die Sonne hat geschienen und schon sind die Marienkäfer ausgeschwärmt. An seiner Hauswand in der Alemannenstraße in Kitzingen haben sie sich offensichtlich wohl gefühlt. „Einige sind immer wieder zur Tür reingeflogen“, berichtet der Kitzinger. Im Wohnzimmer hatte er kurzfristig Besuch von Dutzenden Marienkäfern. Ähnliche Berichte erreichten diese Redaktion aus Castell oder Seinsheim.

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle handelt es sich um Asiatische Marienkäfer, wie Dr. Beate Wende von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau berichtet. Im Gegensatz zu den Heimischen sind sie in Rudeln unterwegs und suchen derzeit ihr Winterquartier. Das befindet sich sehr oft in Felsspalten oder Höhlen. „Die Hauswände sind lediglich eine beliebte Anflugschneise“, erklärt die Biologin und versichert: Die Tiere sind absolut harmlos – zumindest für den Menschen. Gegenüber ihren natürlichen Fressfeinden können sie eine unangenehme Flüssigkeit absondern.

Zur Schädlingsbekämpfung sind die Asiatischen Marienkäfer einst auch in Europa eingesetzt worden. Sie sollten Blattläuse im Gemüseanbau gezielt eliminieren. Mittlerweile haben sich die Tiere rasant verbreitet, vertilgen auch Nützlinge wie die Larven der heimischen Marienkäfer. „Der Asiatische Marienkäfer hat mit seinem Erscheinen großen Einfluss auf viele Marienkäfer mit ähnlichen Ansprüchen genommen“, berichtet Dr. Klaus Mandery vom Institut für Biodiversitätsinformation in Ebern. „Sie werden durch sein massenhaftes Auftreten zurückgedrängt.“ Dennoch konnten alleine im ehemaligen Standortübungsplatz in Ebern bis jetzt 36 Marienkäferarten nachgewiesen werden. Dass es sich in diesem Jahr um ein besonders zahlreiches Phänomen handelt, bezweifelt Dr. Mandery. „Ich kann nicht beobachten, dass es in diesem Jahr deutlich mehr Marienkäfer als sonst gibt.“ Im Herbst würden den Menschen Insektenschwärme immer wieder besonders vorkommen. Im Gegensatz zu den Jahren 2018 und 2019 hätten sich allerdings die Blattläuse in diesem Jahr besser entwickeln können als früher. Für die Marienkäfer und ihre Larven gab es während ihres Entwicklungsstadiums demnach eine größere Nahrungsgrundlage – eventuell eine Ursache für eine höhere Population als in den beiden vorherigen Jahren.

So lange es sonnig bleibt und die Tagestemperaturen über zehn Grad Celsius steigen, werden die Marienkäfer weiterhin an den Hauswänden zu beobachten sein. „Spätestens wenn die ersten Fröste kommen, ist es vorbei“, erklärt Dr. Wende. Hausbesitzer sollten sich keine großen Sorgen machen. „Eigentlich sind die Tiere nur lästig“, meint Dr. Mandery und rät: Wenn ein Schwarm an der Hauswand andockt, sollten die Fenster geschlossen werden, da die Tiere ins Innere des Hauses wollen, um überwintern zu können.

Ihr Winterquartier finden die Marienkäfer schließlich in geschützten Bereichen, von denen es in den Häusern etliche gibt. Natürlich sollen die Insekten im Freien fündig werden. Neben Ritzen in Natursteinmauern überwintern sie in Kompost- oder Laubhaufen, aber auch unter loser Rinde. Dr. Mandery rät allen Gartenbesitzern, auf Insektizide zu verzichten. „Dann vergiftet man zumindest nicht unbeabsichtigt auch die Marienkäfer.“ Im Frühjahr können die kleinen Insekten schließlich eine große Hilfe sein – beim Aufräumen der Blattläuse.