Sie stehen seit Jahrzehnten, teils Jahrhunderten da, erinnern an Unfälle, sind Mahnung zur Dankbarkeit oder Zeichen der Volksfrömmigkeit: Feldkreuze und Bildstöcke sind wichtiger Bestandteil der fränkischen Flur. Doch um sie zu erhalten, braucht es das Engagement der Bürger. Die Familien Drobek und Haack zeigen, wie es gehen kann.

Auf dem Rennerberg und am Hollergraben, im Katzental und auf dem Hühnerberg, am Georgsplätzla und am Holzweg... Wer in der Flur rund um Willanzheim unterwegs ist, stößt an vielen Stellen auf Bildstöcke, Wegkreuze und Matterle. 14 sind es an der Zahl, weiß Karl-Heinz Wolbert. „Das ist schon etwas Besonderes, was wir hier haben“, sagt der Kreisheimatpfleger über seine Heimatgemeinde.

Wer von Willanzheim nach Tiefenstockheim fährt, sieht eines dieser Holzkreuze – besser gesagt, er sieht es wieder. Bis vor kurzem nämlich war es nicht nur stark verwittert, sondern von Büschen und Bäumen zugewuchert und damit kaum noch zu erkennen. Ein Anblick, der Ernst Drobek gar nicht gefiel. Täglich auf dem Weg zu seinem Stall hatte er die Stelle im Blick, direkt gegenüber seinem Anwesen, auf der anderen Seite der Kreisstraße. Eines Tages entschied er, dass es so nicht bleiben konnte. „Man kann ja auch mal was machen, was einen nichts angeht“, findet Ernst Drobek. Also haben er und sein Sohn Marcel das Kreuz abgebaut, das Holz überarbeitet, das eingedellte und verrostete Dach saniert, die Figur wieder mit Farbe versehen. Die Haare sind nun wieder erkennbar, das Lendentuch erstrahlt in leuchtendem Blau.

„Was einen nichts angeht“ ist ein wesentlicher Aspekt, wenn es um Bildstöcke, Flurkeuze und Matterle geht. Häufig nämlich ist nicht mehr bekannt, wann, von wem und aus welchem Anlass sie aufgestellt wurden. Oft fühlt sich niemand mehr familiär verpflichtet, sich darum zu kümmern, und auch die Zahl der Bürger, dies sich dem Erhalt dieser Erinnerungszeichen verpflichtet fühlen und die Pflege über Jahre und Jahrzehnte übernommen haben, wird in vielen Gemeinden im Landkreis kleiner. Wenn aber niemand die Flächen pflegt, die Kreuze streicht, die Figuren herrichtet, verwittern sie völlig und müssen womöglich irgendwann abgebaut werden – ein Verlust für die fränkische Flur.

Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Wolbert ist sich dieser Gefahr bewusst und deshalb liegen ihm die Zeichen der Dankbarkeit und Volksfrömmigkeit in der Landschaft besonders am Herzen. So hat er die 14 Willanzheimer Bildstöcke, Wegkreuze und Matterle in Willanzheim im Jahr 2012 in einem Bildband dokumentiert. Das Kreuz Richtung Tiefenstockheim ist natürlich enthalten, ebenso wie das Kreuz auf dem Rennerberg. Dem haben sich, zur Freude des Kreisheimatpflegers und völlig unabhängig vom zeitgleichen Engagement von Ernst Drobek, Dietrich und Annegret Haack angenommen. Das Kreuz steht auf ihrem Acker und erinnert daran, dass der Mensch seine Lebenszeit nicht unnütz verstreichen lassen soll. Aufgestellt wurde es um 1890, weil Bauer Meinzinger beim Kartoffel-Lesen dort durch einen Herzschlag ums Leben kam, berichtet Karl-Heinz Wolbert. Damit ist das Kreuz ein Beispiel dafür, dass es früher durchaus üblich war, an solchen Unfall- oder Unglücksorten zum Zeichen der Trauer und des Gedenkens an den Verstorbenen ein Holzkreuz zu errichten. Auch die Haacks haben das Kreuz auf eigene Initiative und auf eigene Kosten sanieren lassen, wobei Dietrich Haack das Kreuz selbst überarbeitet hat und die Figur von einem Maler überarbeiten ließ. Sehr erfreut über das Engagement der beiden Familien zeigte sich nicht nur der Kreisheimatpfleger, sondern auch Pfarrer August Popp. „Ein herzliches Vergelt?s Gott“, sagte er und wählte damit einen der Aspekte, auf die die hölzernen und steinernen Zeugen vergangener Tage zurückgehen: Dankbarkeit für das, was man erreicht hat, war neben dem Glauben und der Erinnerung einer der Gründe, warum sie einst aufgestellt wurden. Sie zu erhalten, auf sie Acht zu geben, sei wichtig, so Karl-Heinz Wolbert. „Denn sie sind weit mehr als ein religiöses Denkmal und ein Wahrzeichen für die Landschaft.“