Alle paar Zentimeter ein neuer Farbklecks. Blau, gelb, weiß und zart lila blüht es im Grün auf der Fläche neben dem Flurbereinigungsdenkmal an der Klinge. Ein schöner Anblick und doch viel mehr als das, wie seit kurzem zwei Infotafeln erklären. Im Mittelpunkt: die Bauern, die Natur und das Trinkwasser.

Oberhalb von Kitzingen, erst Richtung Golfplatz, dann geht's links ab Richtung Sulzfeld. Hier bietet sich ein weiter Blick über die Landschaft. Doch die fünf Männer, die sich am Flurbereinigungsdenkmal getroffen haben, blicken nicht weit hinaus ins Land, sondern hoch auf zwei Schilder, die dort kürzlich aufgestellt wurden. Gerd Düll und Thomas Karl vom Amt für Landwirtschaft, Roger Lindholz und Wassermeister Uwe Starkmann von den Licht-, Kraft- und Wasserwerken Kitzingen (LKW) sowie Günter Schwab als einer der beteiligten Landwirte sind ein bewährtes Team – und das schon seit drei Jahrzehnten. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, das Kitzinger Trinkwasser zu schützen, das unter anderem den sechs Brunnen in der Klinge entstammt. Eine der Maßnahmen heißt „artenreiches Grünland“. Und das wird den Bürgern auf den neuen Schildern erklärt.

1987 waren Werte viel zu hoch

Blick zurück auf das Jahr 1987: Damals lag der Nitratwert im Trinkwasser bei 54,7 Milligramm pro Liter. Ein erschreckend hoher Wert. Es musste sich etwas tun. Die Licht-, Kraft- und Wasserwerke wählten zwei Lösungsansätze: Zum einen wurde eine Denitrifikationsanlage gebaut, die von 1990 bis 1998 in Betrieb war. Parallel dazu begann vor 30 Jahren die Zusammenarbeit mit den Landwirten, erinnert Roger Lindholz, Prokurist der LKW Kitzingen. Das Unternehmen erwarb landwirtschaftlich genutzte Flächen in den engeren Schutzzonen der Trinkwasserschutzgebiete und wandelte sie in Dauergrünland um. Die Düngung auf diesen Flächen wurde ebenso eingestellt wie die Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln. Eine zweimalige Mahd pro Jahr übernahmen die ehemaligen Eigentümer. 25,06 Hektar Fläche haben die LKW mit den Jahren erworben in den engeren Schutzzonen der Brunnenstandorte in der Klinge, an der Mainstockheimer Straße, in Repperndorf und im Tännig.

Um das Nitrat im Wasser zu senken, bieten die LKW den Landwirten zudem seit 1987 an, Bodenproben untersuchen zu lassen. „Wir kennen die Ergebnisse nicht, nur die Landwirte und das Amt kennen sie“, sagt Lindholz. Aus den Daten wird eine Düngeempfehlung erarbeitet, an der sich die Bauern orientieren können. Für die Landwirte sind diese Bodenproben sehr hilfreich. „Damit können wir standortspezifisch düngen“, sagt Günter Schwab. Damit spare man Dünger ein, was gut für das Trinkwasser und auch für die Landwirte selbst sei, die Geld sparen, wenn sie weniger Düngemittel benötigen.

Was in drei Jahrzehnten Partnerschaft erreicht wurde, kann sich sehen lassen: Der Nitratwert im Wasser ist stark zurückgegangen, von damals über 54 auf jetzt 30,2 Milligramm. „Ein Rückgang um 24,5 Milligramm, das sind 45 Prozent des Ausgangswertes“, so Lindholz. Damit liegt der Kitzinger Wert heute weit unter dem Grenzwert von 50 Milligramm und auch deutlich unter dem Wert von 37,5 Gramm, ab dem Maßnahmen eingeleitet werden sollen, um den Nitratwert zu senken.

Bei allem Erfolg nennt Roger Lindholz aber auch einen Wermutstropfen: Für den erzielten Rückgang auf 30,2 Milligramm hat es 32 Jahre gebraucht. „Das zeigt, wie wichtig eine langfristige Zusammenarbeit ist.“ Und es zeigt auch, warum die Landwirte angesichts der Düngemittelverordnung auf die Barrikaden gehen: „Der Nitratwert ändert sich nicht in zwei Jahren“, sagt Günter Schwab. „Man muss geduldig sein.“

Zumal die Nitratwerte auch von den Niederschlagsmengen abhängen. Eine Grafik verdeutlich das: In den Jahren, in denen es im sowieso niederschlagsarmen Landkreis Kitzingen wenig geregnet hat, ging der Nitratwert wieder leicht nach oben, 2003 zum Beispiel, 2011 und 2018. Zum Glück ging die Kurve danach jeweils wieder kontinuierlich nach unten.

Nicht nur die Bienen profitieren

Extensive Grünlandnutzung, wie sie rund um die Brunnen betrieben wird, ist nicht nur gut für das Trinkwasser, sondern auch für die Biodiversität. Knapp 40.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche gibt es im Landkreis Kitzingen, informiert Thomas Karl. Etwa zehn Prozent dieser Fläche sind Dauergrünland, was im Vergleich zu anderen Regionen wenig ist. „Wir haben die zweitwenigsten Grünlandflächen in Bayern“, so der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Gerd Düll. Thomas Karl führt zwei Gründe dafür an: Die Witterung, also die geringen Niederschläge, und die Tatsache, dass der Boden besser für Ackerbau geeignet ist.

Weil die Landwirte Dauergrünland-Flächen nur eingeschränkt nutzen können, erhalten sie einen Ausgleich: 2163 Hektar, das ist etwas mehr als die Hälfte des Dauergrünlandes, sind in Agrarumweltmaßnahmen wie dem bayerischen Kulturlandschaftprogramm (Kulap) oder dem Vertragsnaturschutzprogramm zur extensiven Nutzung von Dauergrünland aufgenommen. Bewirtschaftet werden sie von 825 Betrieben, das sind zwei Drittel der Betriebe im Landkreis. Die Zahlen zeigen laut Thomas Karl, dass die Landwirtschaft sich schon lange bemüht, einen Beitrag zum Natur- und Trinkwasserschutz zu leisten.

Wie sich das Dauergrünland samt der Altstreifen, die nur einmal im Jahr gemäht werden, auf die Flora und Fauna auswirkt, zeigen nun die beiden neuen Informationstafeln. Eine hat den offenen Feldstreifen als Lebensraum für Wildbienen zum Thema. Der Streifen, der am Flurbereinigungsdenkmal angelegt ist, soll insbesondere den im Boden nistenden Arten einen Lebensraum bieten, denn nur ein Teil der in Bayern vorhandenen 520 Bienenarten lebt in Bienenhäusern, der Großteil lebt im offenen Boden. „Den gibt es aber kaum mehr“, so Karl.

Die zweite der vom AfL entworfenen und von den LKW finanzierten Tafeln hat das artenreiche Grünland insgesamt zum Thema. Der Betrachter erfährt, wie sich das Grünland und die Altgrasstreifen auf die Biodiversität auswirken. „Die frisch erblühte Wiese ist schön fürs Auge. Sie ist aber auch noch gut für die Natur, wenn sie im Oktober nicht mehr ganz so schön aussieht“, so Thomas Karl. „Sie bietet ein gutes Refugium für die Insekten, um zu überwintern.“ Auch über die Mahd wird informiert und darüber, was mit dem gemähten Gras passiert: Es wird in einer Biogasanlage zur Strom- und Wärmeerzeugung verwendet. Und natürlich geht es auch darum, wie sich das Grünland auf den Gewässerschutz auswirkt.

Mit diesen Tafeln will die Landwirtschaft laut Karl deutlich machen, dass sie etwas für die Biodiversität tut und das in Kooperation mit den LKW schon seit drei Jahrzehnten. Eine langfristige, lebendige Partnerschaft, die Erfolg hat. Roger Lindholz: „Gewinner sind das Trinkwasser und die Kitzinger Bürger.“ Wer das im Hinterkopf hat, wenn er die Gräser, Blüten und Insekten betrachten, den erfreut der Anblick doppelt.

Vom Ackerland zum Grünland

Fläche: Seit Ende der 1980er Jahre haben die Licht-, Kraft- und Wasserwerke Kitzingen 25,06 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen in den engeren Schutzzonen der Trinkwasserschutzgebiete erworben, die dann in Dauergrünland umgewandelt wurden. Die Düngung wurde eingestellt, Pflanzenschutzmittel werden nicht mehr ausgebracht. Gekauft hat das Unternehmen im Bereich der Klinge von 1987 bis 1993 insgesamt 13,26 Hektar Fläche, in der Mainstockheimer Straße acht Hektar (1994), in Repperndorf zwischen 1993 und 1997 eine Fläche von 3,10 Hektar und im Tännig 0,7 Hektar (2005).

Brunnenförderung: 2019 förderten die Brunnen der LKW Kitzingen folgende Wassermengen: in der Klinge 687.560 Kubikmeter (44 Prozent), im Tännig 488.560 Kubikmeter (31 Prozent), in der Mainstockheimer Straße 329.300 Kubikmeter (21 Prozent) und Repperndorf 47.580 Kubikmeter (drei Prozent). Insgesamt liegt die jährliche Trinkwasserabgabe bei rund 1,5 Millionen Kubikmetern.