Ein Ort mit einer bewegten Geschichte und einem einzigartigen Ausblick auf die Mainschleife - das ist die Vogelsburg bei Volkach. Unten im Tal schlängelt sich der Main entlang, man befindet sich inmitten von Weinbergen, und ganz in der Ferne kann man den Steigerwald erahnen. Zu Füßen der Vogelsburg liegen Escherndorf und Köhler, auf der anderen Mainseite befindet sich Nordheim.

Berühmte Weinlagen rund um die Vogelsburg sind "Escherndorfer Lump", "Escherndorfer Fürstenberg" und "Vogelsburger Pforte". Im Tal fließt der Altmain, der von einem Kanal zwischen Volkach und Gerlachshausen abgetrennt wurde. In diesem Abschnitt des Flusses, wo die Schifffahrt aufgrund der zu engen Radien für Schiffe und Schubschiffe ruht, kann man heute Floß oder Kanu fahren und baden. "Für die Schifffahrt wäre es eine Möglichkeit gewesen, einen Kanal unter der Vogelsburg hindurch zu graben", sagt Herbert Meyer. Dieser Plan wurde aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt. Zum einen hätten die Weinlagen und das Dorf Escherndorf unter dem Kanal gelitten. "Zum anderen hätte der Muschelkalk in diesem Gebiet die Wasserhaltung schwierig gemacht", so Meyer.


Foto: Theresa Müller - Bild 1

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Der Stand der Dinge nach dem ersten Bauabschnitt auf der Vogelsburg

Einige Besucher fragten sich angesichts des Namens "Vogelsburg", wo denn hier nun eigentlich die Burg sei, erzählt der Kulturreferent und lacht. Die Erklärung: Von der alten Burganlage ist heute nichts mehr erhalten - im Laufe der Geschichte wurde vieles verändert. Gegründet wurde die Vogelsburg von den Karolingern, die sie später an das Kloster Fulda und an die Grafen von Castell weitergaben. Diese wiederum widmeten das Ganze im Jahr 1282 in ein Kloster, eine Niederlassung der Karmeliten, um. 

Im Bauernkrieg wurde das Kloster von aufrührerischen Bauern der Umgebung zerstört und niedergebrannt. Es wurde nie mehr richtig wiederaufgebaut. Die Mönche flohen zu ihren Mitbrüdern nach Würzburg, von wo aus man die Arbeiten an den Weinbergen verwaltete. Die Ruinen der Vogelsburg wurden nur zeitweise und nicht ganz wiedererrichtet.

In der Säkularisation kam die Vogelsburg 1803 in den Besitz des Staates, der das Anwesen versteigerte. Escherndorfer Winzer kümmerten sich darum, bis die Würzburger Familie Walter sich auf der Vogelsburg niederließ und das Ganze zu einem Ausflugsort umgestaltete. Später kamen Augustinus-Schwestern dazu, die in den 50er- und 60er-Jahren das erste Mal den Weinbau in Mainfranken auf ökologischer Grundlage betrieben.

2011 übernahm das Juliusspital in Würzburg diese Arbeit; außerdem wurde ein Tagungshotel erbaut. Als "neue Vogelsburg" wurde das Ganze nach den Umbauarbeiten erst vor wenigen Wochen der Öffentlichkeit präsentiert. Und auch die alte Kirche zeigt sich in zeitgemäßem Gewand. "Somit spielt die Vogelsburg nicht nur als Ausflugsgaststätte und Tagungshotel eine Rolle, sondern auch als spiritueller Ort", ist Meyer überzeugt.