Die Leiter der Volkshochschule in Kitzingen, Cornelia Rauh und Richard Arndt-Landbeck, haben ihr Herbst- und Winterprogramm mit einem Vorwort versehen, das für Aufregung sorgt . Thema: Corona und die Demokratie. Bundes- und Landespolitiker würden in einhelliger Allianz mit vielen Behörden und Wissenschaftlern Angst und Panik verbreiten, schreiben sie. Und weiter: „Ein wissenschaftlicher Diskurs scheint offensichtlich nicht erwünscht.“ Wir haben Oberbürgermeister Stefan Güntner und den Chefarzt der Klinik Kitzinger Land, Dr. Volker Fackeldey, zu den Thesen im vhs-Vorwort befragt. Die Reaktionen reichen von Verwunderung bis Ablehnung.

Herr Oberbürgermeister, haben Sie das Vorwort vor Drucklegung gesehen?

Güntner: Nein. Die vhs Kitzingen ist eine eigene Einrichtung der Stadt Kitzingen mit eigenem hauptamtlichen Verwaltungspersonal. Wir leben in einem freien Land, in dem insbesondere die Meinungsfreiheit ein hohes Gut darstellt. Insofern dürfen die Mitarbeiter der Stadt Kitzingen natürlich auch ihre Meinung haben und vertreten, auch wenn diese ausdrücklich nicht der Meinung des Oberbürgermeisters entspricht.

Sie distanzieren sich von dem Vorwort?

Güntner: Aufs Schärfste. Ich kann ihm inhaltlich nicht zustimmen, mir fehlt der Bezug zum Eigentlichen, nämlich zum Programm der Vhs. Wäre ich ein Lehrer, würde ich dieses Vorwort als Themaverfehlung bewerten.

Herr Dr. Fackeldey, im Vorwort heißt es unter anderem: „Das Bundesministerium für Gesundheit wirbt ganz unverblümt mit dem Motto „AHA.“ Ist daran etwas falsch?

Fackeldey: Im Gegenteil. Das Vorgehen des Ministeriums ist völlig korrekt. Abstand plus Hygiene plus Alltagsmasken sind nach wie vor die wichtigsten Mittel im Kampf gegen Corona. Ich kann diese Aussagen nicht nachvollziehen.

Obwohl die Industrie bereits seit zehn Jahren an der Erforschung von Impfstoffen gegen Coronaviren arbeitet, habe es bislang kein einziger bis zur Marktreife geschafft, weil Probleme aufgetreten sind, schreiben die vhs-Leiter.

Dr. Fackeldey: Das ist falsch, die aktuellen Studien laufen erst seit etwas mehr als einem halben beziehungsweise dreiviertel Jahr und sind noch gar nicht abgeschlossen. Es dauert so lange, weil Qualität und Sicherheit eben nicht vernachlässigt werden. Zumindest nicht in der EU und in Deutschland. Früher benötigten die Wissenschaftler für die Entwicklung eines Impfstoffes zehn und und mehr Jahre.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es bei keinem Wirkstoff eine hundertprozentige Wirksamkeit gibt.

Dr. Fackeldey: Diese Aussage ist grundsätzlich richtig, gilt aber für alle Wirkstoffe. Die Wirksamkeit der weltweit zirka 180 getesteten Impfstoffe kann zurzeit auch gar nicht abgeschätzt werden, da die Studienergebnisse überhaupt noch nicht vorliegen.

Demnach haben Rauh und Arndt-Landbeck recht, wenn sie schreiben, dass die Coronaviren nicht ausgerottet werden können?

Dr. Fackeldey: Das ist auch gar nicht das Ziel der Impfungen. Es geht um die „Herdenimmunität“. Ein Ausrotten von Viren ist auf Grund der häufigen Mutationsrate sehr schwierig. Das ist bisher nur beim Pockenvirus gelungen.

Bundes- und Landespolitiker verbreiten in einhelliger Allianz mit vielen Behörden und Wissenschaftlern Angst und Panik, schreiben Rauh und Arndt-Landbeck. Was sagen Sie als Kommunalpolitiker und Dienstherr zu dieser These?

Stefan Güntner: Jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, und dies gilt natürlich auch für Bundes-, Landes- oder Lokalpolitiker, ist die Ernsthaftigkeit der Situation bewusst. Nicht einmal den Fachleuten, den Virologen, sind die tatsächlichen Auswirkungen der Krankheit und die weitere Entwicklung der Krankheitsverläufe, geschweige denn die Spätfolgen, bekannt. Darum ist es nur vernünftig zu Verantwortungsbewusstsein aufzurufen und das hat meines Erachtens nichts mit Panik- oder Angstmache zu tun.

Dr. Fackeldey: Diese Aussage ist für mich unverständlich und nicht nachvollziehbar und entbehrt einer sachlichen Grundlage. Vernunft, kluges Management und Solidarität scheinen mir angemessenere Begriffe. Verwunderlich, dass so etwas in einem offiziellen Vorwort erscheint.

Güntner: Wie gesagt, das entspricht in keiner Weise meiner Meinung und sicher auch nicht der Mehrheit meiner Mitarbeiter. Es gibt einige Aussagen in diesem Vorwort, die mich irritiert haben. Ich habe das Gespräch mit den vhs-Leitern auch schon gesucht und es wird ein weiteres Gespräch geben, in dem ich sie nochmals auf ihre Verantwortung hinweisen werde.

Manche Leser des vhs-Programms werden sich jetzt womöglich fragen, ob die Hygienebestimmungen angesichts dieses Vorwortes eingehalten werden.

Güntner: In der Stadtverwaltung bemühen wir uns, die geltenden Hygienerichtlinien so gut wie möglich umzusetzen. Im Rathaus heißt es: Abstand, Hygiene und dort, wo kein Abstand gehalten werden kann, besteht eine Maskenpflicht. Ich gehe davon aus, dass dies auch in den von der vhs angebotenen Kursen gilt. Beide Leiter haben mir das auch so bestätigt.