Sie will helfen zu schützen, was den Menschen in der Region wichtig ist. Dazu beitragen, die kulturellen Besonderheiten im Kitzinger Land zu erhalten – und daraus für die Zukunft zu lernen. So definiert Susanne Kornacker ihre neue Aufgabe: Sie ist seit dem 1. Mai Kreisheimatpflegerin.

43 Jahre lang war Hans Bauer Kreisheimatpfleger für den südlichen Landkreis Kitzingen. Nachdem er Ende vergangenen Jahres auf eigenen Wunsch aus dem Amt schied, hat die Suche nach einer Nachfolge die Iphöfer Stadtarchivarin aufhorchen lassen. Sie ist bereits im kulturhistorischen Bereich tätig, sehr interessiert an Vergangenheit und Zukunft der Region, forscht und publiziert gern und vermittelt Wissen gern weiter. „Es wäre spannend, das auch in größerem Rahmen zu machen“, fand Susanne Kornacker, bewarb sich und wurde prompt aus dem Bewerberkreis ausgewählt.

„Hier atmet jeder Stein Geschichte“, sagt die neue Kreisheimatpflegerin. Das habe sie schon als Kind fasziniert, wenn sie bei ihren Großeltern in Iphofen zu Besuch war. Alle Ferien hat sie bei ihnen verbracht und mit Begeisterung zugehört, wie Oma und Opa von früher erzählten. „Ich habe das geliebt.“ Als Erwachsene ist sie nach Iphofen gezogen, hat das Haus, das der Urgroßvater einst direkt an die Stadtmauer angebaut hat, umfassend saniert. Sie weiß daher aus eigener Erfahrung, worum es geht, wenn ein historisches Gebäude modernen Wohnansprüchen gerecht werden soll, was es bei der Denkmalpflege zu beachten gilt, was wichtig ist, um das Ambiente eines historischen Ortskerns zu erhalten und zugleich fit für die Zukunft zu machen. Heute gehört die Beratung von Bauherren, die derartige Sanierungsmaßnahmen im südlichen Landkreis sowie in den Verwaltungsgemeinschaften Kitzingen und Großlangheim planen, zu ihren Aufgaben als Kreisheimatpflegerin. Sie gibt ihre Meinung ab, verweist auf Fördermöglichkeiten, auf zuständige Behörden, auf eventuelle Hürden. „Das ist so etwas wie ein Erstimpuls für die Bauherren.“

Ihr allererster Einsatz allerdings war keine Bauanfrage und keine Stellungnahme zu einem Baugebiet, sondern eine private Anfrage. Ein Foto wurde ihr geschickt, ein Stein war darauf abgebildet. „Ein Herr wollte eine Einordnung haben und wissen, was ich darüber weiß“, erzählt Susanne Kornacker. Ein Grenzstein, zwischen Iphofen und Rödelsee eingebracht, das konnte die Archivarin sofort sagen. Kein ganz normaler Stein also, sondern ein wichtiges amtliches Dokument und zugleich ein Teil einer langjährigen, andernorts völlig unbekannten Tradition. Denn Siebener oder Feldgeschworene, die bei Grenzgängen die Steine kontrollieren, die Steine an Grenzen neu setzen oder beschädigte Vermessungspunkte erneuern, gibt es nur in wenigen Gebieten in Deutschland. Veraltet wirkt die Tradition im heutigen Computerzeitalter nur auf den ersten Blick. „Auch wenn heute vieles über GPS läuft, braucht das Vermessungsamt das Wissen der Siebener immer noch“, sagt Susanne Kornacker. „Vor allem im unwegsamen Gelände.“ Alles das hat sie dem Herrn erklärt, ihm verschiedene Unterlagen zukommen lassen. Archaisch, veraltet, das verbinden viele mit dem Begriff „Heimatpflege“, weiß die Iphöferin. Der Begriff „Heimat“ mag unterschiedlich definiert werden, aber irgendwo geht es dabei immer um ein Gefühl, findet sie: Die Heimat wirkt sich auf unser Leben, auf unser Wohlbefinden aus. „Es geht um das, was uns wichtig ist, wo wir uns wohlfühlen, um die Menschen, die uns umgebende Landschaft und prägende Kultur. Und das wollen wir erhalten – und daraus für die Zukunft lernen und diese gestalten.“

Auch wenn Corona den Tatendrang der neuen Kreisheimatpflegerin bremst, es beispielsweise kaum Ausstellungen und Veranstaltungen gibt, hat sie doch inzwischen auch von Behörden und Gemeinden schon Anfragen erhalten. Und sie hat sich bereits mit ihren beiden Kollegen Karl-Heinz Wolbert und Heinrich Stier zusammengesetzt. Stier ist für die Anfragen zu Bauleitplanungen und Denkmalschutz im nördlichen Landkreis samt der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid und dem Markt Geiselwind zuständig, Wolbert für die Pflege von Brauchtum, Trachten, Volkslied, Volksmusik, Volkstanz sowie die Betreuung von Heimatmuseen und privaten Sammlungen im gesamten Landkreis. Damit hat jeder seinen eigenen Zuständigkeitsbereich. „Aber wir vernetzen uns natürlich und haben uns gegenseitige Unterstützung zugesagt.“

Wichtig ist Susanne Kornacker, das Wissen um die Heimat den Bürgern zu vermitteln, vor allem Kindern und Jugendlichen. Als Stadtarchivarin hat sie schon mit den Iphöfer Einrichtungen zusammengearbeitet, jetzt hat sie als Kreisheimatpflegerin die weiterführenden Schulen angeschrieben. Wenn die Schüler nicht nur hören, was früher passiert ist, sondern die Folgen in ihrer direkten Umgebung erleben, lernen sie mit Begeisterung über die und von der Vergangenheit. Zu erleben, wie Kinder reagieren, wenn sie Bilder von den Kriegsschäden in Dornheim sehen oder das Holzgerüst, das ans zerstörte Rathaus erinnert, wenn sie zugleich erfahren, dass wenige Kilometer entfernt in Iphofen die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden unversehrt blieb, weil sie Lazarettstandort war, sei immer wieder beeindruckend.

Ähnliches könnte sie sich zum Thema Flüchtlinge vorstellen, die es ja nach dem Krieg auch schon gab. Wie gingen die Menschen damals damit um? Wie konnten die Leute integriert werden? Was können wir für die heutige Situation daraus lernen? Wenn Omas und Opas, Senioren aus dem Bekanntenkreis oder der Heimatgemeinde davon erzählen, was sie erlebt haben, sei das lehrreicher als ein anonymer Vortrag, findet Susanne Kornacker. „Das Wissen setzt sich viel eher fest, wenn es mit unserem Leben zu tun hat.“ Das Angebot der Kreisheimatpflegerin zur Zusammenarbeit steht. Sie freut sich auf die Rückmeldung der Schulen und aller interessierten Bürger.

Info: Susanne Kornacker ist zu erreichen unter der Email-Adresse susanne.kornacker@heimatpfleger.bayern