Etwa 260 mainfränkische Firmen exportieren Waren in die USA. Rund 20 haben dort sogar Niederlassungen. Die wirtschaftlichen Verknüpfungen sind traditionell sehr eng. Daran konnten auch die letzten vier Jahre nichts ändern.

Kurt Treumann ist „Leiter International“ bei der IHK in Würzburg-Schweinfurt. Angesprochen auf die letzten vier Jahre spricht er von turbulenten Zeiten für die regionale Wirtschaft. Mit der neuen Administration wird sich der Ton ändern. „Aber auch Joe Biden wird ein harter Verhandlungsführer sein.“

Handelstreit mit China, mit der EU. Immer wieder Ankündigung von neuen Zöllen als Drohgebärde: Die Unsicherheit in den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen war in den letzten vier Jahren groß. „Und Unsicherheit ist immer Gift für die Wirtschaft“, weiß Treumann. Etliche Firmen aus Mainfranken reagierten mit Pragmatismus beziehungsweise Fatalismus – nach dem Motto: Irgendwie werden wir schon zurechtkommen. „Die USA sind für uns nach wie vor der wichtigste Exportmarkt“, betont der Außenhandelsexperte. So wichtig die wirtschaftlichen Beziehungen mit Asien und insbesondere China auch sind: Der Handel mit den USA laufe nach wie vor einfacher, die Beziehungen sind nach wie vor gefestigter. „Auch wenn wir hart an der Grenze zu willkürlichen Zöllen waren, was eine globale negative Dynamik entfacht hätte“, erinnert Treumann.

Mit der Vereidigung Joe Bidens an diesem Mittwoch verbindet er die Hoffnung, dass die wirtschaftlichen Beziehungen wieder stabiler und verlässlicher werden. „Es wird auch weiterhin mit harten Bandagen gekämpft“, ist er überzeugt. „Aber das ist okay.“ Gerade im Maschinenbau, im Automotive- und Elektrobereich gebe es enge wirtschaftliche Beziehungen. Aus dem Landkreis Kitzingen sind beispielsweise die Firmen Fehrer, Knauf und Göpfert eng mit den USA verknüpft.

Äußern möchten sie sich allerdings nicht zu dem Thema. Die Firma Göpfert schickte eine Absage auf die schriftliche Anfrage, die Firma Fehrer antwortete gar nicht und von Knauf kam die Antwort: „Wir haben das Thema als zu tagespolitisch eingeordnet. Zu solchen Themenkomplexen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“ Nachvollziehbar, schließlich wollen deutsche Firmen ihre Geschäftskontakte mit den USA pflegen – egal welcher Präsident gerade im Weißen Haus regiert.

Der enorme Einfluss der USA auf die Weltwirtschaft ist laut Kurt Treumann ungebrochen. „Oftmals haben sie ihren verlängerten Daumen drauf.“ Ob im Iran, in Asien oder Mittel- und Südamerika. Die transatlantischen Handelsbeziehungen bleiben seiner Meinung nach deshalb auch für die EU entscheidend. Dank der neuen Administration in Washington verbinden sich künftig vielleicht auch ganz neue Chancen für mainfränkische Unternehmen. Joe Biden hat angekündigt, dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten. Im Bereich Recycling und Umwelt seien hiesige Firmen gut aufgestellt, erinnert Treumann. Der Neuanfang birgt deshalb durchaus auch Chancen. Foto: Archiv