Wie die Stadt Hof mitteilt, haben die Mitglieder des Stadtrates in ihrer jüngsten Sitzung das erste Mal im neu gestalteten großen Sitzungssaal getagt. Drei Jahre lang war das Gremium in der Freiheitshalle zusammengetreten, da der traditionell genutzte Rathaussaal in der Pandemie zu klein war.
Durch die Neugestaltung sollte der Raum moderner und freundlicher werden, aber gleichzeitig traditionelle und lang etablierte Elemente beibehalten. So hängt weiterhin die historische Uhr im Bereich über der Eingangstür, die goldenen Kronleuchter sorgen für die Beleuchtung und Stuckelemente zieren Fenster und Decke.
Neu ist die Wandfarbe: Helles Lichtgrau zusammen mit weißen Stuckelementen sorgt für eine moderne Raumoptik, die trotzdem den offiziellen Charakter des Raumes wahrt. Hinter dem Podium erstrahlt die neue Videowall, die anstelle des Gobelin-Wandteppichs angebracht wurde. Der Teppich, der die Wand 70 Jahre lang zierte, ist nun im Museum untergebracht, wo das historisch wertvolle Textil erhalten wird.
Auch die Anordnung der Tische ist anders: Zuvor saßen die Stadträtinnen und Stadträte in einem U-förmigen Halbkreis – jetzt in Reihen frontal zum Podium. Die Sitzordnung wird durch das Ortsrecht geregelt.
In früheren Zeiten, in denen das Gremium weniger Mitglieder umfasste, fanden die Sitzungen des Stadtrates im kleinen Sitzungssaal im ersten Obergeschoss statt.
Im zweiten Obergeschoss wurde das Rathaus als Hopfenspeicher genutzt. Mit dem Verkauf des von auswärts bezogenen Hopfens an die brauenden Bürger finanzierte die Stadt Hof einen Teil ihrer Ausgaben. Im Jahr 1592 wurde der Speicher zur oberen Ratsstube umgebaut, in der Ofen, Bänke und Fenster ergänzt wurden.
Der verheerende Stadtbrand im Jahr 1823 ließ nur die Mauern des Rathauses zurück. Beim Wiederaufbau zwischen 1825 und 1827 blieb die Raumaufteilung im Innern fast unverändert.
Der zweite Stock erhielt einen Saal mit zweiflügeliger Tür und sieben Zimmer, welche für das Stadtgericht bestimmt waren. Der große Saal, der im ersten Plan noch nicht vorgesehen war, erforderte ein Höherlegen des Hauptgebälks um 2 Fuß 3 Zoll, wodurch die Balkenenden unmittelbar hinter die Zackengalerie und unmittelbar unter die Dachrinne gerieten. Die Zwischenwände dieses Stocks bestanden größtenteils aus Fachwerk. Die Decken waren wieder verputzt. Im Saal lag die Decke auf einer Hohlkehle, welche vom Zimmermann gefertigt und dann mit Stuck überzogen wurde. Zur Heizung dienten zwei große gotische Tonöfen, die bis 1875 in Gebrauch waren (aus: Baugeschichte der Stadt Hof von Dr. Friedrich Ebert).
1951 und 1952 erfolgte ein Umbau des Rathauses. Für die „Schaffung eines Sitzungssaales“ im zweiten Obergeschoss wurden im Haushaltsjahr 1951 insgesamt 57.000 DM vorgesehen. Aus der Niederschrift einer Stadtratssitzung vom 09.01.1952 geht hervor, dass „Hof eine verhältnismäßig wenig zerstörte Stadt“ sei und eine intakte Industrie habe. Auch das Steueraufkommen könne sich sehen lassen. Den „Luxus“ eines Rathaussaales könne man sich schon leisten. Der Saal sollte auch kulturellen und wirtschaftlichen Veranstaltungen dienen.
Damals wurde auch die Heizung erneuert und eine dazugehörende Lüftungsanlage eingebaut. Seit 1954 gibt es eine Lautsprecheranlage, die immer wieder erneuert wurde.