Knapp drei Monate nach der Festnahme eines Heilerziehungspflegers der Lebenshilfe Hof gibt es neue Fortschritte bei den Ermittlungen der Behörden. Dem 33-Jährigen wird vorgeworfen, während seiner Arbeitszeit Bild- und Videoaufnahmen von in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung betreuten Kindern und Jugendlichen angefertigt zu haben.
Wie der leitende Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der in diesem Fall ermittelnden Cybercrimestelle Bayern am Donnerstag (11. Juni 2026) auf Anfrage von inFranken.de mitteilte, wurden mittlerweile mehrere Betroffene identifiziert. Das Bekanntwerden der Vorwürfe hatte in der Region große Bestürzung ausgelöst, schließlich war erst kurz zuvor ein in Hof lebender Mann festgenommen worden, der als Mitarbeiter eines Wunsiedler Kinderheims jahrelang einen seiner Schutzbefohlenen missbraucht haben soll.
Schwere Vorwürfe gegen Hofer Lebenshilfe-Mitarbeiter
Der beschuldigte Mitarbeiter der Lebenshilfe war im März von Beamten der Bayreuther Kriminalpolizei an seinem Arbeitsplatz verhaftet worden. Vorausgegangen war ein Hinweis des National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC), einer gemeinnützigen Organisation aus den USA, die Behörden immer wieder bei der Bearbeitung von Fällen von Kindesmissbrauch unterstützt. Das NCMEC hatte darauf aufmerksam gemacht, dass zahlreiche Videos mit kinderpornographischen Inhalten auf eine Cloud hochgeladen wurden. Die daraufhin durchgeführten Ermittlungen ergaben einen Anfangsverdacht gegen den Heilerziehungspfleger - der sich bei einer richterlich angeordneten Durchsuchung in mehreren Objekten in den Landkreisen Kulmbach und Hof erhärten sollte.
Die Polizei stellte dort eine Vielzahl von elektronischen Speichergeräten sicher, auf denen bei einer sofort durchgeführten ersten Sichtung tatsächlich kinderpornographisches Material gefunden wurde. Schockierenderweise ergaben sich zudem Hinweise, dass die Bild- und Videoaufnahmen während der Arbeitszeit in der Tagesstätte für Menschen mit Behinderung in den Jahren 2025 und 2026 gefertigt wurden. Dabei soll der Beschuldigte die Hilfsbedürftigkeit der dort Betreuten in brutaler Weise ausgenutzt haben. In einzelnen Fällen soll er Betroffene entkleidet, sie im Intimbereich mit den Fingern berührt und davon Foto- und Videoaufnahmen angefertigt haben.
Laut Thomas Goger von der Cybercrimestelle Bamberg werden die Ermittlungen weiterhin vom Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und einer Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizeiinspektion Bayreuth geführt und sind noch nicht abgeschlossen. "Bislang wurden unter anderem umfangreiche Umfeldermittlungen durchgeführt und eine Vielzahl an Zeugen vernommen, hierunter auch Eltern, die sich eigeninitiativ gemeldet haben", so der Oberstaatsanwalt.
Mehrere Betroffene inzwischen identifiziert - Beschuldigter ist geständig
Es seien mehrere Menschen auf dem Material identifiziert worden, wobei man die Bewertung, ob und gegebenenfalls welche Straftatbestände im Einzelfall verwirklicht wurden, noch nicht abgeschlossen habe. Brisanz birgt zudem womöglich ein weiteres Detail: Laut Goger betreffen nicht alle Aufnahmen Personen, die von der Lebenshilfe Hof betreut werden. Weitere Einzelheiten könne man zum Schutz der betroffenen Personen nicht mitteilen. Damit stellt sich die Frage, ob der Beschuldigte auch außerhalb seines beruflichen Umfelds mit weiteren möglichen Betroffenen in Kontakt stand - oder ob entsprechendes Material aus anderer Quelle stammt.
Ein weiterer offener Punkt war die Cloud, deren Entdeckung die Ermittlungen überhaupt erst in Gang gebracht hatte. Denn dort könnte der Beschuldigte das Material durchaus lediglich für sich selbst gespeichert, es dort möglicherweise aber auch für andere zugänglich gemacht haben. Nach Angaben der Ermittler gibt es aber für eine beabsichtigte Verbreitung der Aufnahmen derzeit keine Anhaltspunkte. Der Beschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Laut Oberstaatsanwalt Goger ist er geständig und kooperiert mit den Behörden. Diese hatten auch frühere Vorwürfe gegen den Mann in ihre Ermittlungen einbezogen, da der Beschuldigte bereits an einer früheren Arbeitsstelle auffällig geworden sein soll.
Wie eine ehemalige Mitarbeiterin des 33-Jährigen wenige Tage nach der Festnahme des Mannes gegenüber einem regionalen Fernsehsender berichtete, soll er die bekleideten Gesäße von ihr und mehreren Kolleginnen fotografiert haben, während die Frauen ihrer Arbeit nachgingen. Im Jahr 2021 wurde dies zur Anzeige gebracht, die zuständige Staatsanwaltschaft Bayreuth hatte das Verfahren aber letzten Endes unter anderem aus Mangel an Beweisen eingestellt. Laut Goger haben sich hierzu keine neuen oder abweichenden Erkenntnisse ergeben. Weitere Nachrichten aus Hof und Umgebung findest du in unserem Lokalressort.