Längere Zeit standen die beiden Windräder am Bretzenstein zwischen Untermerzbach und Ebern still. Das Windrad "Südwind S70", das näher bei Fierst steht, produziert nach Wartungsarbeiten seit geraumer Zeit wieder Strom. Und nun wurde auch das Windrad mit der Bezeichnung "Enercon E 66", das näher an der Ortschaft Recheldorf steht und 1999 von der "Windenergie Bretzenstein GmbH & Co" errichtet worden war, repariert. Es soll sich in den nächsten tagen wieder drehen.

Karl-Ludwig Grell aus Recheldorf, einer der sechs Eigentümer, erläuterte zusammen mit seiner Frau Elfriede, dass das Windrad "Enercon E 66" einen Getriebeschaden im hinteren Hauptlager hatte. Dort sei der Innenring gebrochen. "Für mich und die weiteren fünf Eigentümer stand die Entscheidung an: Rückbau oder Reparatur?", sagte Karl-Ludwig Grell. Mann habe sich für eine Reparatur entschieden, weil diese kostengünstig angeboten wurden - immer noch aber eine sechsstelligen Summe. Auch wolle man nicht, dass das Windrad dort einfach so verschwindet.

Und er denkt an die Zukunft. "Unser Ziel ist ein weiteres Binnenwindrad auf dem Bretzenstein", macht Grell deutlich, weil seiner Überzeugung nach die Energiewende nicht nur mit Photovoltaikanlagen funktioniere. Deshalb habe man schon mit den Bürgermeistern von Untermerzbach und Ebern, Helmut Dietz und Jürgen Hennemann (beide SPD), gesprochen, aber auch mit bekannten Gegnern von Windrädern auf dem Bretzenstein. "Das von uns angedachte neue Windrad soll eines für alle Bürger sein, heißt, dass sich, wer möchte, hieran finanziell beteiligen kann", sagt Grell. Damit wolle man, so ergänzt seine Frau Elfriede, die Wertschöpfung vor Ort halten, und auch die Kommunen sollten davon profitieren können. Dieses neu angedachte Windrad solle Ersatz für das bisherige sein, für das irgendwann der Rückbau anstehe.

Bei der Besprechung mit den Bürgermeistern wurde vereinbart, dass diese mit Landrat Wilhelm Schneider sprechen. "Auch er soll von unserer Idee auf ein weiteres Windrad überzeugt werden", so Karl-Ludwig Grell. Ziel der Betreiber ist nach seinen Worten, alle bei dem Vorhaben mitzunehmen: Eigentümer, Befürworter und auch Gegner. Aber ganz wichtig erscheint ihm, dass der Landkreis mit Wilhelm Schneider an der Spitze dahinter steht. Gesprochen wurde laut Grell bereits mit acht Grundstückseigentümern, die dem Vorhaben positiv gegenüber stünden.

Die Kernaussagen der beiden Bürgermeister Dietz und Hennemann sind klar: Beide stehen vorbehaltlos zur Windenergie, auch Landrat Wilhelm Schneider, der allerdings auf den Regionalen Planungsverband Main-Rhön verweist, der dem weiteren Neubau einer Windkraftanlage entgegen stehe. Der Landrat spricht sich im Rahmen des weiteren Ausbaus der regenerativen Energie für die Errichtung von neuen Windrädern sowie die Erneuerung von bestehenden Anlagen aus. "Die Windenergie ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept und zwingend erforderlich, um einen wirkungsvollen Energiemix zu erhalten", sagt er. Es sollten daher auf der Ebene des Regionalen Planungsverbandes Gespräche über derartige Standorte geführt werden. Zu beachten seien in etwa Fragen des Naturschutzes/Artenschutzes und Landschaftsbildes, des Immissionsschutzes, des Bauplanungsrechts, der Luftverkehrssicherheit und einiges mehr, so der Landrat.

Die Windräder am Bretzenstein liegen nicht innerhalb eines solchen Gebietes. Da sie vor Inkrafttreten der aktuellen Regionalplanung errichtet wurden, genießen sie für die Dauer ihrer Nutzung Bestandsschutz. Eine neue Windenergieanlage, die wohl die doppelte Höhe der bisherigen Anlagen hätte, müsste sich hingegen an den aktuellen regionalplanerischen Vorgaben messen lassen, die am Bretzenstein eben keine neue Windenergienutzung zulassen.

"Ich persönlich stehe zur Windkraft und damit auch zu unserem Standort am Bretzenstein", sagt Bürgermeister Dietz. Seiner Überzeugung nach ist Stromerzeugung durch Windkraft am Bretzenstein fester Bestandteil im Energiekonzept der Gemeinde Untermerzbach. Beim Wegbrechen dieser regenerativen Stromerzeugung würde nach seinen Angaben ein großes Loch in der Energiebilanz der Gemeinde entstehen.

Mit der zweiten Neuanlage könne die Familie Grell nur eine Ersatzanlage auf Eberner Grund meinen, vermutet Dietz. Dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht über den Schatten der 10H-Regelung springen könne, bedauert Dietz. Um den notwendigen Strom im Landkreis Haßberge zu erzeugen, wären 15 zusätzliche Windkraftanlagen notwendig. "Ein erster Schritt hierzu wäre, das Ermöglichen der neuen, effizienten Windkraftanlage am Bretzenstein", so der Bürgermeister aus Untermerzbach.

Sein Amtskollege, Bürgermeister Jürgen Hennemann aus Ebern, befürwortet einen Antrag, eines oder beide Windräder am Bretzenstein zu ersetzen. Gerne würde er ein weiteres Windrad in der Gemarkung Ebern unterstützen. Als Standort auf dem Stadtgebiet könnte auch ein Grundstück der Pfründner Spitalstiftung zur Verfügung gestellt werden. "Windenergie ist als zweites Standbein zu Photovoltaik notwendig zur Energiewende", sagt der Bürgermeister aus Ebern.

Er gibt ein klares Bekenntnis für die beiden alternativen Energieerzeugungen ab. Es sei notwendig, langfristig eigenen Strom in den Gemeinden zu erzeugen. Nur mit diesen beiden regenerativen Energien könne in der Region die Energiewende gelingen. Deshalb solle es laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) "Windkümmerer" geben. Um einen solchen, von dem Unterstützung erwartet werde, habe sich die Stadt Ebern zusammen mit der Gemeinde Untermerzbach beworben.

"Es ist schon ein bisschen scheinheilig, von mehr Windkraft und Unterstützung zu sprechen, und die Rahmenbedingungen für die Entstehung nicht zu verbessern. Hier braucht es mehr, als Windkümmerer", kritisiert Hennemann. "Ich kann nicht verstehen, dass die bestehenden Standorte am Bretzenstein nicht im Regionalplan verzeichnet sind", bemängelt der Eberner Bürgermeister. "Ich meine, diese Haltung muss aufgrund der veränderten Situation der Energiewende und des Klimaschutzes dringend verändert werden. Ich werde mich weiter auf allen Ebenen dafür einsetzten, dass wir weiter Windräder auf dem Bretzenstein haben können, und diese in Bürgerhand. Nur so können wir die Energieversorgung für die Zukunft sicherstellen" macht Hennemann deutlich.

Vor einigen Tagen wurde der Rotor der 66 Meter hohen Windkraftanlage "Enercon E 66" am Bretzenstein von der Firma "SH Wind" aus Schleswig-Holstein abgebaut. Die Arbeiten sind aufwendig: "Zum Aufbau des Kranes haben mein Team und ich eineinhalb Tage benötigt", sagt Jan Krützfeldt, Geschäftsführer der Firma "SH Wind". Dazu kommt ein Tag für die Vorbereitung des Abbaus des Rotors mit seinen drei Rotorblättern. "Einen weiteren Tag werden wir brauchen, um die neuen Komponenten wieder zusammenzubauen, und dann wird es um die zwei Stunden dauern, bis alles wieder hochgebracht und befestigt ist", sagt der Geschäftsführer. Das geschah am Mittwochvormittag. Er und Karl-Ludwig Grell hoffen, dass die Wiederinbetriebnahme im Lauf der kommenden Woche erfolgen kann.