Wer Geburtstag feiert, lädt sich Gäste ein. Das tat die Stadt Zeil mit ihrem Festabend zum Auftakt des historischen Festwochenendes am Freitagabend. Viele Ehrengäste und vor allem diejenigen, die das Zeiler Jubiläumsjahr mitgestaltet und unterstützt haben und dies bis Silvester weiterhin tun, empfingen Bürgermeister Thomas Stadelmann und Moderator Eberhard Schellenberger im Rudolf-Winkler-Haus. Per Videobotschaft gratulierte sogar Ministerpräsident Markus Söder. Vor Ort war Bürgermeister Petr Klouda aus Rymarov, dem früheren Römerstadt in Tschechien, der Partnerstadt von Zeil.

Einen glanzvollen Rahmen setzte das Kammerorchester Zeil unter der Stabführung von Oliver Kunkel und mit dem erst 17-jährigen Jameel Wilmore am Flügel, der sehr beeindruckte. Zur Musik zeigte der Fotoclub Bildcollagen, die die ganze Schönheit Zeils sichtbar machten.

Fünf historische Figuren markierten den Anfang und das Ende des Festabends: Abt Alberich Degen, der die Silvaner-Rebe nach Franken brachte, Pfarrer Karl Link, der das Zeiler Käppele als "fränkisches Lourdes" errichtete, Elisabetha Hofmann, die einst eine Armenstiftung gründete, Steinmetzmeister Melchior Kurtz, der als einer der ältesten Einwanderer bezeichnet wurde und für die Integrationskraft Zeils stehen sollte, und Bürgermeister Johann Langhans; sein Tagebuch dokumentiert die Zeit des Hexenwahns, dem er schließlich selbst zum Opfer fiel.

Sie alle spielten eine wichtige Rolle in der Zeiler Geschichte, die im Festvortrag der Ehrenbürger Ludwig Leisentritt behandelte. Ihm, den der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann als das "historische Gewissen Zeils" bezeichnete, gelang es, in heiteren, spannenden manchmal seltsamen, aber auch nachdenklichen und hochpolitischen Episoden aufzuzeigen, welche Höhen und Tiefen die Stadt in ihrer Geschichte durchmachen musste. Wie Kriege und Hungersnöte immer wieder das bisschen Wohlstand raubten, das sich die Bürgerschaft erarbeitet hatte. "Das Leben der Zeiler im Wandel der Zeiten" war der Vortrag überschrieben. Viel Grund zum Stolz gebe es in Zeil: auf den Bamberger Reiter aus Zeiler Sandstein ebenso wie auf die Integration von rund 900 Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg oder auf den Strukturwandel, der zu bewältigen war. Leisentritt erinnerte an den Weidenstreit und den Fischerkrieg mit Nachbarkommunen, an die bis heute Flurnamen wie "Kriegecken" und "Zankwörth" erinnern, und an die vielen Funktionen, die ein Rathaus früher hatte. "Der Ratssaal war früher Tanzsaal und Theater, aber auch Gerichtssaal", im Dach wurden Getreide und Hopfen gelagert, im Keller Wein. Im Ersten Weltkrieg war das Rathaus Lazarett und hundert Jahre lang Volksschule.

Große Momente waren für Zeil der Bau der Eisenbahn 1852 und des Zeiler Käppele 1894. Leisentritt erzählte, dass Zeiler Schleifsteine bis Kuba geliefert wurden in die Zuckerrohr-Plantagen um Guantanamo, das später zu trauriger Berühmtheit gelangte. Und er zeigte auf, wie im 19. Jahrhundert rund 500 Zeiler in die USA auswanderten - "die meisten von ihnen als Armutsflüchtlinge". Leisentritt erinnerte, dass die Grenze zur DDR nach vorhandenen Plänen auch zwischen Zeil und Sand hätte verlaufen können.

Als Heimatforscher wünschte er sich, dass die Menschen aus der Geschichte lernen, denn "die Zukunft können wir nicht voraussehen, sondern nur ermöglichen". Die Basis in Zeil sei gut, nicht zuletzt, weil Pfarrer Michael Erhart jüngst sogar den päpstlichen Segen mitbrachte.

Auch die historischen Figuren hatten gute Wünsche für Zeil: Dass jeder seinen Platz haben möge, der Frieden erhalten bleibe, sich die Menschen um die Schwächeren kümmern und die Geselligkeit und das Miteinander pflegen. Die Abschluss-Überraschung lieferte der Fotoclub mit einem Film vom "Chor der 1000 Stimmen".

Der Festabend am Freitag bildete den Auftakt für das große Festwochenende in Zeil. Am Samstag, 23. Juni, um 13 Uhr startet in der Zeiler Altstadt das Fest mit zahlreichen Angeboten, Aktionen, Ausstellungen, die 1000 Jahre Zeil lebendig werden lassen. Am Sonntagmittag geht es weiter.