Die Strippenzieher sind schon aktiv. Allerdings noch nicht dort, wo es Helmut Berwind befürchtet. Der Hafenpreppacher Landwirt und SPD-Marktgemeinderat will "alle Hebel in Bewegung setzen", damit entlang der B 303 keine 380-kV-Stromleitung durch die Haßberge in Richtung Grafenrheinfeld gebaut wird. Dies passiert derzeit nicht weit entfernt von Berwinds Heimatort : Im Landkreis Coburg, wo die "Thüringer Strombrücke" aktuell zwischen Altenberg und dem Umspannwerk Redwitz (Kreis Lichtenfels) verknüpft wird.

Diese Leitung verbindet über Redwitz, Würgau,und Eltmann dann Grafenrheinfeld mit dem Pumpspeicherwerk Goldisthal im Thüringer Wald.

Daneben gibt es Überlegungen, eine zweite Back-up-Leitung von Schalkau/Thüringen über Coburg und durch die Haßberge nach Grafenrheinfeld zu bauen. Diese Trasse firmiert unter dem Namen "P44" und taucht im neuen Netzentwicklungsplan 2024, der jetzt von der Bundesnetzagentur in Bonn gebilligt wurde, wieder als eine von bundesweit 63 erforderlichen und bestätigten Maßnahmen auf.

Damit ergibt sich eine neue Konstellation gegenüber den Vorjahren, da der Netzbetreiber TenneT diese Leitung zwar beantragt hatte, aber von der Bundesnetzagentur nicht als notwendig anerkannt wurde, wie noch im Februar dem Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU) von Lex Hartmann von der TenneT-Geschäftsführung in Bayreuth mitgeteilt worden war. Der Tenor damals: "Daher ist P44 auch nicht Bestandteil des Bundesbedarfsgesetzes."

Das stimmt zwar, seit 4. September hat das Projekt wieder eine höhere Wertigkeit. Zur Fortschreibung des Netzentwicklungsplanes hatten die großen Stromkonzerne bundesweit 92 Maßnahmen vorgeschlagen. 63 davon hält die Bundesnetzagentur nach diversen Konsultationen und Informationstagen in München, Erfurt, Stuttgart und Hannover (in deren Rahmen fast 40 000 Stellungnahmen eingegangen waren) für notwendig.

Mit dabei auch die "P44". Wenn auch mit Einschränkungen. "Um eine Entlastung der Region um Grafenrheinfeld zu erreichen, fordert die Bundesnetzagentur die Netzbetreiber auf, im nächsten Jahr noch Alternativen zu prüfen, die einen Neubau entfallen lassen. "Solange diese Alternativen nicht geprüft und diskutiert sind, kann die Bundesnetzagentur die Maßnahme nicht in den Bundesbedarfsplan aufnehmen und der Bundesregierung nicht zur gesetzlichen Bedarfsfestlegung empfehlen", heißt es im aktuellen Bericht wörtlich.


Auch Y-Lösung beim Strom

Eine Y-Lösung der 380-kV-Leitungen ähnlich der Autobahnen A71/A73 steht zwar im Raum, hat aber noch keine Gesetzeskraft. Dennoch ist man gerade im Coburger Land schon hellhörig geworden. Der Coburger Landrat wie auch mehrere Bürgermeister haben ein Lineal auf die Landkarte gelegt und eine Verbindungslinie von Schalkau nach Grafenrheinfeld gezogen: die "Monstertrasse", so die Kritiker , führt durchs Coburger Land und durch die Haßberge.

Misstrauisch macht die Kommunalpolitiker dabei, dass die Netzverstärkung in Thüringen mit vier Stromkreisen bereits genehmigt ist, nach Redwitz aber nur mit zwei Systemen weitergeführt wird. Wo verlaufen die beiden anderen Systeme? Auf einer neuen Trasse beantragen die Strippenzieher, da in ihren Szenarien die Redwitz-Würgau-Leitung bis 2024 ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Um einer zu starken Erwärmung der Kabel vorzubeugen sei eine Zusatzleitung notwendig, so die Antragsteller.

"Die führt an der B 303 entlang", ist sich SPD-Marktgemeinderat Helmut Berwind zusammen mit seinem CSU-Kollegen Gerald Hellmuth aus Ditterswind sicher. Beide läuten deswegen im Gemeindegremium schon die Alarmglocken.

"Einen heißen Herbst" hat Helmut Berwind im Namen einer Hafenpreppacher Interessensgemeinschaft angekündigt. "Wir lassen keine weitere 60 Meter breite Trasse durch unsere Wälder bauen. Dazu müsste man ja alles abholzen und unsere Region blutet aus." Außerdem sind Masten mit einer Höhe von bis zu 80 Meter für ihn eine Horrorvision. "Unser Kirchturm ist gerade mal 25 Meter hoch." Und den schönen Anblick auf Altenstein will der Landwirt auch nicht verschandeln lassen.