Der Cannabis-Konsum im Landkreis wird - auch nach Einschätzung von Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich - immer salonfähiger. Während früher häufig Wiederholungstäter mit von Drogen geprägtem Lebenslauf und oft zerrütteten Familienverhältnissen auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt saßen, erscheinen nun immer häufiger Ersttäter aus intakten Familien, mit guter Berufsausbildung, mitten im Leben stehend vor Gericht.

So auch am Montag, als sich ein 19-jähriger Heranwachsender aus dem Maintal vor dem Jugendgericht des Amtsgerichts verantworten musste, weil Polizeibeamte am 8. Oktober vergangenen Jahres 2,3 Gramm Haschisch in seiner Wohnung gefunden hatten. Sein Verteidiger Norbert Brandl sagte, dass das Rauschgift seinem Mandanten gehörte. Er bereue dies mittlerweile und habe mit Drogen nichts mehr am Hut. Die pure Neugier habe ihn verleitet, das verbotene Kraut zu rauchen. Der Angeklagte sei sozial integriert, stehe in einem Arbeitsverhältnis, verdiene bereits gut und werde von seinem Arbeitgeber nach der Ausbildung übernommen.

Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich sagte, dass es mittlerweile auch in normalen Familien, ohne psychosoziale Probleme, "schick" und "lifestyle-mäßig" sei, Cannabis zu konsumieren. Man wolle dabei sein, um unter Freunden mitreden zu können. Dies habe es früher weniger gegeben. Die Nebenfolgen seien weitaus gravierender als die strafrechtlichen Folgen. Die Führerscheinstelle werde über die Drogenkonsumenten informiert, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass der Führerschein eingezogen oder gar nicht erst ausgestellt wird. Der Jugendgerichtshelfer empfahl eine Einstellung des Verfahrens plus Geldauflage sowie eine präventive Suchtberatung mit rund zehn Gruppensitzungen.

Verteidiger Brandl hielt aufgrund der geringen Menge eine einfache Weisung des Gerichts, das einen weiteren Rauschgiftkonsum untersagt, für ausreichend. Die Bundesministerkonferenz habe sich darauf geeinigt, erst einen Besitz ab sechs Gramm Cannabis strafrechtlich zu verfolgen. In Berlin könne man sogar 15 Gramm des "Stoffs" legal besitzen. Zudem sei sein Mandant bereits genug gestraft. Handy und Laptop wurden ihm abgenommen, wie vor Gericht mitgeteilt wurde. Er müsse Anwalts- und Gerichtskosten zahlen. Das Landratsamt habe eine "Kontrollmitteilung" erhalten, so dass der Angeklagte unter Umständen einen Drogenabstinenztest machen muss, um seinen Führerschein zu erhalten.

Richterin Ilona Conver stellte mit Zustimmung der Beteiligten das Verfahren ein. Als Auflage muss der 19-Jährige 250 Euro an den Kreisjugendring berappen und eine Beratungsstunde bei der Suchtberatung absolvieren. Sein Handy und seinen Laptop erhält er zurück.